Konversion? Konversation?

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16. Juni 2018, 20:43 Uhr

Konversion, Substantiv, feminin (die), sagt das Lexikon, sei der Übertritt von einer Konfession zu einer anderen. Nun, das trifft für Lütjenburg sicherlich nicht zu. Probieren wir es mal mit einer anderen Interpretation: „Umwandlung von militärischer in zivile Nutzung…“ und „nach dem Truppenabzug soll mit der Konversion der Kasernen begonnen werden.“ Das passt. Eine Kaserne gab es damals in Lütjenburg. Und die Bundeswehr hat sich schon 2012 aus der Kaserne verabschiedet. Diese Chance hat Lütjenburg dann ergriffen, aus dem Kasernengelände einen neuen Stadtteil zu schaffen. Viel Arbeit ist damit sicherlich verbunden. Die Kasernenteile zu vermarkten, Interessenten zu finden, diese zu begeistern, damit sie dort einsteigen. Deshalb hatte sich Lütjenburg seinerzeit entschlossen, eine Konversions-Managerin anzuheuern und mit dieser Aufgabe zu betrauen. Und den Job hat sie gut gemacht. Weite Teile der alten Kaserne werden längst zivil genutzt, die alten Panzerhallen sind verkauft. Erst vor wenigen Wochen wurde der Grundstein für den Bau einer großen Senioren-Wohnanlage gelegt. Und das alles in kürzester Zeit in einer kleinen, an sich abgelegenen Stadt wie Lütjenburg. Nicht ohne Grund lobte der Bürgermeister das Projekt als „Modell“ für viele Kommunen. Verständlich, dass die Stadt dafür den Verantwortlichen ihre Anerkennung zollen will – in Form einer kleinen Granit-Stele mit eingelassener Bronze-Plakette an der Zufahrt, wo einst das Kasernentor stand. Erwähnt wird dort die Stadtvertretung, der Bürgervorsteher, die Stadtwerke, der Bürgermeister, das Ingenieurbüro, der Bauamtsleiter, und nicht zuletzt eben jene Managerin, die zu alledem beigetragen hat. Sie hat aber wohl nicht nur Konversion betrieben, wie jetzt dokumentiert wurde, sie hat offenbar dabei auch viel geredet. Denn auf der Ehrentafel wird sie als „Konversations-Managerin“ tituliert. Aufgefallen ist dieser „kleine Schreibfehler“ bisher niemandem in der Stadt.

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