zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

19. August 2017 | 04:27 Uhr

Kontrastprogramm zu Berlin

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ingo Gädechens löste ein Versprechen ein und kam nach Malkwitz. Dort sorgt man sich wegen der Bevölkerungsentwicklung im Dorf

Es war eine Premiere: „Das ist das erste Mal, dass ein Bundestagsabgeordneter in Malkwitz ist“, begrüßte Dorfvorsteher Norbert Neu in seinem Haus Ingo Gädechens (CDU). Mit dem Besuch in der Malenter Dorfschaft löste er ein Versprechen ein, das er bei einem Treffen aller Dorfvorsteher der Gemeinde vor gut einem Jahr abgegeben hatte. An dem Gespräch um die Dorfbelange beteiligten sich neben dem Dorfvorstand auch Carsten Treder, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, und der stellvertretende Wehrführer Gerhard Fürst.

Einen ganzen Themakatalog hatte sich der Dorfvorsteher für das rund zweistündige Gespräch notiert. Zu den wesentlichsten Punkten gehörte die Bevölkerungsentwicklung in seinem Ort. „Vor 30 Jahren war Malkwitz das drittgrößte Dorf in der Gemeinde, heute ist es das drittkleinste“, blickte Norbert Neu besorgt auf die Einwohnerzahl. Derzeit hat die Dorfschaft 361 Einwohner, davon 150 Rentner. Als Grund nannte er, dass seit Jahren kein Bauland ausgewiesen worden sei. Bauinteressenten seien mangels Bauland nach Sieversdorf und Malente ausgewichen.

Durch das Baugebiet in Sieversdorf habe der Nachbarort mittlerweile 100 Einwohner mehr als Malkwitz. Als mögliches Bauland könnte sich Norbert Neu ein etwa zweieinhalb Hektar großes Gelände an der Ortsausfahrt Richtung Sieversdorf vorstellen. „Unser Ort hat Wohnqualität. In Malkwitz besteht ein dringender Bedarf an Häusern und Wohnungen, sie sind gefragt“, weiß der seit über 30 Jahren aktive Dorfvorsteher und fand breite Zustimmung.

Die Folge der sinkenden Einwohnerzahlen sei auch fehlender Nachwuchs im Verschönerungsverein und bei der Feuerwehr. Die meisten Ehrenamtler seien hier doppelt aktiv. „Ich schätze, dass wir in etwa zehn Jahren Probleme haben werden. Dann sind die meisten von uns 60 Jahre alt“, kommentierte Gerhard Fürst die Entwicklung bei der Wehr, die zurzeit 21 Aktive hat. Hinzu komme ein Raumproblem. Ein neues Fahrzeug, das die Malkwitzer Wehr in absehbarer Zeit erhalten solle, werde nicht durch die Toreinfahrt des jetzigen Gerätehauses passen, sagte Fürst.

Da die einzige Gastwirtschaft geschlossen habe, fehle außerdem ein Bürgergemeinschaftshaus im Ort. Zwar habe die Dorfschaft beabsichtigt, ein Haus mit Grundstück in Eigenleistung zu einem neuen Feuerwehrstützpunkt und Gemeinschaftshaus umzubauen. Doch sei die Liegenschaft kurzfristig verkauft worden, so dass sich der Plan nicht habe umsetzen lassen.

Ingo Gädechens zeigte sich dankbar, von den großen bundespolitischen Themen durch das Gespräch wieder geerdet worden zu sein. Klar sei für ihn, dass er in den meisten vorgetragenen Fällen nicht helfen könne, aber bei passenden Gelegenheiten die Themen ansprechen werde. „Kleine Dörfer dürfen nicht hinten runter fallen“, stand für den Bundestagsabgeordneten fest. Es müsse politisch angeschoben werden, die Lebensverhältnisse in ländlichen Gebieten zu bewahren, um Landflucht – wie bereits in Teilen von Brandenburg – zu verhindern.

Bezüglich guter Internet-Anbindungen sei durch den Koalitionsvertrag der Großen Koalition, in dem bis 2018 jeder Haushalt einen leistungsfähigen Zugang haben solle, ein „Silberstreif am Horizont zu erkennen“. In manchen Bereichen müsse bis zur vollständigen Realisierung auch mit „Insellösungen“ gelebt werden.

In Sachen Straßenqualität gebe der Bund ausreichend Geld aus, das in den Ausbau von Bundes- und Landesstraße fließe. Die zur Verfügung stehenden Finanzen müssten vom Land besser verteilt werden, damit auch eine Großgemeinde wie Malente mit einem riesigen Straßennetz davon profitieren könne.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen