Kontaktlinsen als Lesehilfe

Sylvia Wulf ist an der Fielmann-Akademie Dozentin und Spezialistin für Kontaktlinsen.
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Sylvia Wulf ist an der Fielmann-Akademie Dozentin und Spezialistin für Kontaktlinsen.

Experten diskutieren in der Fielmann Akademie Schloss Plön / In vielen Berufen bieten Kontaktlinsen große Vorteile

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15. Februar 2018, 15:06 Uhr

Ab Mitte 40 geht es meistens los: Kleine Schrift ist nicht mehr so gut zu lesen und die Arme scheinen „zu kurz“ zu werden. Spätestens dann müssen sich die meisten Menschen mit dem Thema Lesebrille auseinander setzen.

Oft ist eine Gleitsichtbrille die zeitgemäße Lösung. Damit ist Sehen von Fern bis nah wieder möglich, ganz ohne Brillenwechsel. Was viele nicht wissen: Auch Kontaktlinsen können diesen Komfort liefern. Experten aus ganz Deutschland trafen sich zum 40. Fielmann-Akademie-Kolloquium im Schloss Plön und sprachen über neueste Entwicklungen im Bereich der Mehrstärken-Kontaktlinsen.

„Gleitsichtbrillengläser sind heute sehr weit entwickelt und gut verträglich. Wer aber schon einmal versucht hat, eine Deckenlampe damit zu montieren, wird die Grenzen dieser Gläser spüren“, erklärt Prof. Dr. Hans-Jürgen Grein, wissenschaftlicher Leiter der Fielmann-Akademie. Da die Lesestärke im unteren Teil des Brillenglases angeordnet ist, muss der Kopf in einer solchen Situation sehr stark in den Nacken gelegt werden, um scharf zu sehen.

„Mehrstärken-Kontaktlinsen sind da überlegen“, erläutert Sylvia Wulf, Dozentin und Kontaktlinsenspezialistin der Fielmann-Akademie. Das liege am Aufbau und am Sitz der Kontaktlinsen. Seien sie erst einmal eingesetzt, schwämmen sie auf dem Tränenfilm des Auges. Dadurch spüre man sie kaum.

Bei Blickbewegungen folgten sie der Pupille, auch beim Blick nach oben. Wulf erklärt, wie die Kontaktlinsen funktionieren: „Auf der Kontaktlinse befinden sich ringförmige Zonen, die abwechselnd für die Fernsicht und die Nahsicht zuständig sind. Im Auge entstehen gleichzeitig zwei Bilder, eines für die Ferne, eines für die Nähe. Das Gehirn lernt sehr schnell, sich nur auf das scharfe Bild zu konzentrieren“. Das klinge komplizierter als es sei. Oft gehe das Sehen mit diesen Mehrstärken-Kontaktlinsen bereits nach kurzer Eingewöhnung hervorragend.

Sylvia Wulf kennt weitere Möglichkeiten, im Alltag mit Kontaktlinsen wieder alles lesen zu können: „Wir können auch ein Auge für die Ferne und das andere für das Lesen verwenden. Das ist der sogenannte Goethe-Blick“. Tatsächlich habe Goethe zeitlebens keine Lesebrille gebraucht, da er ein normalsichtiges und ein kurzsichtiges Auge hatte. Diese Situation könne auch mit Kontaktlinsen erzeugt werden. „Der Kontaktlinsenspezialist findet das jeweils beste Korrektionsprinzip für den einzelnen Kontaktlinsenträger heraus“, ergänzt Wulf.

In vielen Berufen böten Kontaktlinsen ohnehin große Vorteile. Ob Erzieher, Köche oder Monteure – es gebe immer wieder Situationen, in denen eine Brille hinderlich sein könne. Aber warum nutzen bisher noch relativ wenige Menschen Mehrstärken-Kontaktlinsen? Sylvia Wulf: „Die Augen verändern sich in der zweiten Lebenshälfte. Beispielsweise nimmt die Menge der Tränenflüssigkeit ab. Erfahrene Kontaktlinsenanpasser berücksichtigen das und wählen ein für diese Situation geeignetes Kontaktlinsenmaterial“.

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