„Komplex zu groß, zu hoch“

Die Ansicht des Miniatur-Modells ließ Zweifel über die tatsächlichen Dimensionen aufkommen.
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Die Ansicht des Miniatur-Modells ließ Zweifel über die tatsächlichen Dimensionen aufkommen.

Dorfschaftsversammlung: Fissauer bewerten die Pläne für ein neues Seniorenzentrum als überdimensioniert

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27. Juli 2018, 14:17 Uhr

Zu groß, zu hoch, zu wenig in die Umgebung passend: So lassen sich die Einschätzungen der Fissauer zusammenfassen, die Donnerstag in einer außerordentlichen Dorfschaftsversammlung die Pläne für ein neues Seniorenzentrum an der Fissauer Kellerseebucht kennenlernten. Ungefähr 40 Personen hatten sich auf Einladung des Dorfvorstandes im Fissauer Fährhaus eingefunden. Neben zwei Vertretern der investitionswilligen Gesellschaft Immac Sozialbau GmbH und dem Architekten Wolfgang Germann waren auch einige Stadtvertreter, Bürgervorsteher Dieter Holst, Bürgermeister Carsten Behnk und Bauamtsleiter Henning Schröter anwesend.

Das geplante Seniorenzentrum soll, wie es hieß, der vollstationären Pflege dienen und bekommt neben 100 Pflegebetten zusätzlich 31 Betten in der angegliederten Demenzstation – wenn alles, so wie geplant gebaut werden kann. Olaf Schau, Teamleiter der Immac-Sozialbau, erklärte, es entstehe eine Einrichtung, die nicht nur auf Privatpatienten ausgerichtet sei, sondern jedem Bürger mit Pflegebedarf und entsprechender Pflegestufe offen stehe. Die Bedenken der Zuhörer, die das abschüssige Gelände für Rollstuhl- und Rollatorfahrer als ungeeignet befanden, begegnete er mit seinem Erfahrungsschatz aus ähnlichen Bauten in bergigen Gegenden Süddeutschlands: „Da bewegen sich die Leute auch“.

Für die Bewohner sind bis zu 18 Quadratmeter große Einzelzimmer mit WC und zum großen Teil einem Blick Richtung Kellersee geplant. Mareike Kappenberg von der Immac berichtet, was dem Ausschuss für Stadtentwicklung im März vorgetragen wurde (wir berichteten). Das Publikum kritisierte die Zeitverzögerung, mit der nun in Fissau informiert werde.

Mehr noch äußerten Anwesende den Eindruck, dass der dreigliedrige Bau am Rand der Kellerseebucht zu groß sei. Nach Immac-Angaben wurde der Entwurf an die Gegebenheiten in der exklusiven Lage angepasst, zum Beispiel durch helle Fassaden, entsprechend dem Seeschloss sowie der Villa Bethesda, die auf dem Grundstück steht und eventuell als Personalunterkunft genutzt werden soll.

Das Publikum interessierte sich wenig für die Fassadenfarbe. Es waren sowohl die Form der drei Häuser mit ihren beiden Verbindungsbauten als auch deren Ausmaß, die abgelehnt wurden. „Aufgereihte plumpe Schuhkartons“ und „Aldi-Bau“ lauteten Einwürfe von Anwesenden.

Unterschiede der Gebäudehöhen zwischen dem aufgestellten Miniatur-Modell und der Visualisierung auf der Leinwand brachte die Frage nach den Gebäudemaßen auf den Tisch. Untergeschoss, zwei Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss ergeben insgesamt eine Höhe von 11,20 Meter, was laut Bauamtsleiter Henning Schröter das Mindestmaß an Deckenhöhe in den Räumen darstellt. Es werde außerdem in den Hang hineingebaut, damit der Eindruck von der Malenter Landstraße aus in Richtung Kellersee, wie Olaf Schau (Immac) sagte, nicht gestört werde.

Die Hauslänge von 40 Metern entpuppte sich bei genauerem Blick auf die Zeichnungen als 48,25 Metern Länge. Mehrfach bezweifelten Zuhörer, dass die Visualisierung und das Miniaturmodell den tatsächlichen Gegebenheiten gerecht werden würden.

Vor allem die vermeintlich zu geringe Zahl von 44 Stellplätzen, die einige Zuhörer monierten, sorgte für Diskussion. Bei 130 Bewohnern wurde ein höherer Parkplatzbedarf vermutet, weil neben Besuchern auch das Personal eingerechnet werden müsse. Tiefgaragen könnten eine Lösung sein. Olaf Schau verteidigte die Pläne und verwies auf die Erfahrungen mit anderen Einrichtungen.

Die Befürchtungen von Anwohnern in der Nachbarschaft bezogen sich nicht nur auf zugeparkte Straßen und Wege, sie bezogen sich auch auf die Gefährdung von Radfahrern und die möglichen Forderungen nach dem Ausbau der Fußwege und ebenso auf den Baulärm und die Geräuschkulisse durch zunehmenden Autoverkehr.

Ein abschließendes Statement der Dorfschaft Fissau, das Bürgermeister Carsten Behnk angeregt hatte, besagt, dass die Gestaltung des geplanten Seniorenzentrums für die Dorfschaft im vorliegenden Entwurf nicht akzeptabel sei. 22 Fissauer waren da, die darüber abstimmen durften.

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