Königsschießen forderte Ausdauer

Mit Vorderladern schossen die Königsanwärter auf den Rumpf des Vogels, den Stefan Wulff (Foto) nicht nur gebaut hatte, sondern um 22.14 Uhr auch abschoss. Fotos: Krauskopf (4), Uwe Paap (1)
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Mit Vorderladern schossen die Königsanwärter auf den Rumpf des Vogels, den Stefan Wulff (Foto) nicht nur gebaut hatte, sondern um 22.14 Uhr auch abschoss. Fotos: Krauskopf (4), Uwe Paap (1)

Mehr als drei Stunden dauerte es, bevor am Montagabend der Vogel von der Stange fiel / Schützenkönig wurde Stefan Wulff

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10. Juli 2018, 12:27 Uhr

Gegen Ende eines langen Abends ging dem Moderator Wolfram Reuter das Vokabular aus: „Ein sehr gut platzierter Schuss“ oder „Jetzt muss er aber fallen“ wiederholten sich in schöner Regelmäßigkeit.

Nicht zum ersten Mal, aber sehr viel länger als im Durchschnitt hielt – wie gestern kurz berichtet – der hölzerne Rumpf, der Montagabend über den neuen Schützenkönig der Eutiner Gilde von 1668 entschied. Während Stefan Wulff (50), Bernd Ditscher (69), Jörg Rogge (63) und Werner Steinfadt (61) eine nach der anderen Bleikugel aus historischen Vorderladern abgaben, rieselte häufig „Sägemehl“ zu Boden, rührte sich der Vogel aber nicht.

Kurz nach 19 Uhr hatte das Königsschießen begonnen, nach ein paar Schüssen zuckte der Rumpf schon mal – um anschließend um so mehr Hartnäckigkeit zu beweisen. Ironie des Schicksals: Stefan Wulff, dem es mit dem 169. Schuss gelang, das arg zerfledderten Stück Holz abzuschießen, hatte den Vogel selbst gebaut.

Im vergangenen Jahr war es der 49. Schuss, mit dem Wulffs Vorgänger Jürgen Kehr den höchsten Titel der Gilde geholt hatte. Jens Kruse, Schützenkönig im Jahr 2016, war mit dem 91. Schuss erfolgreich.

Kruse war Montagabend der Ladeschütze für Stefan Wulff, und er freute sich über den Erfolg seines Schützlings fast so sehr wie der neue König selbst. „Das passt schon“, stellte Kruse angesichts der Tatsache fest, dass es für Wulff die fünfte Teilnahme am Königsschießen war, während Ditscher und Rogge zum dritten Mal antraten und Steinfadt seinen zweiten Versuch unternahm. Mit Jens Kruse, Torsten Nagel und Dieter Schönke agierten Ladeschützen, die selbst schon Schützenkönig waren.

Wulff erhielt nicht nur Beistand von Kruse, er war auch der Kandidat, der am meisten von einem guten Dutzend Frauen mit Puscheln und Gesang angefeuert wurden. Sie harrten geduldig am Rand des Schießplatzes aus wie einige hundert andere Menschen bei dem mehr als drei Stunden langen Königsschießen. Bürgermeister Carsten Behnk und Bürgervorsteher Dieter Holst gehörten zu den Gästen, die das Schießen verfolgten. Ein langes Schießen, aber auch ein spannendes. Beim 150. Schuss hatte der Vogelrumpf nicht nur gewackelt, sondern deutlich seine Position verändert. Da war klar, dass jeder weitere Schuss der letzte sein könnte. Doch wie ein Mantel am Kleiderhaken schaukelte das Holzstück nur, bis Wulff den richtigen Punkt traf – und Schützenbruder wie Zuschauer in lauten Jubel ausbrachen.

Kurz vor Beginn des Königsschießens war unter zwölf Bewerbern der „Kleine König“ oder auch „Spaßkönig“ ermittelt worden. Der Wettbewerb endete mit der überraschenden Erkenntnis, dass Holger Reinholdt aus Bockholt zurzeit die größte Treffsicherheit beweist: Nach dem Sieg beim Dreiländer-Schießen am 23. Juni holte er auch den Titel des Spaßkönigs.

Ein Kommentar auf der Internetplattform Facebook: „Jetzt hat er alle Titel geschafft: Großer und Kleiner König, Drei-Länder-König, Ausflugskönig und ,König von Süsel‘“ hieß es in Anspielung auf das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Süsel, das er bis vor wenige Tagen fünf Jahre bekleidet hatte.

Stefan Wulff gehört der Gilde seit 15 Jahren an, er war 2006 Drei-Städte-König sowie 2010 Ausflugskönig geworden. Der 50-Jährige, der im Bahnwesen tätig ist, bekam den Namenszusatz „der Bewundernswerte.“

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