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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 03:33 Uhr

Knorrige Eichen sind nicht gesund

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ihre Kronen müssen eingekürzt werden, um die schweren Äste zu entlasten / Neue Kronensicherungen mit Stahlseilen sind erforderlich

von
erstellt am 24.Aug.2015 | 18:03 Uhr

Die knorrigen Eichen oberhalb der Carl-Maria-von-Weber-Straße sind ein Teil der Eutiner Geschichte. Bis zu 500 Jahre haben sie nach Schätzung von Baumfachmann Hans-Alfred Will bereits auf der Rinde – wie die Bräutigamseiche im Dodauer Forst. Sie zählen damit zu den wohl ältesten Bäumen in Eutin. Einige der alten Eichen in der Carl-Maria-von-Weber-Straße sind deshalb auch schon Naturdenkmale. Doch: ihre teilweise morschen Äste gefährden die Verkehrssicherheit.

In dem selbst für Bäume betagten Alter stellen sich bei den Eichen aber auch Probleme ein. Erkenntnisse darüber verschafften sich in diesen Tagen die Baumsachverständigen Dr. Horst Stobbe und Dennis Wilstermann vom Institut für Baumpflege aus Hamburg. Mit dem Ergebnis für Hans-Alfred Will: es muss dringend etwas passieren.

Mit Schall- und Widerstandsmessungen ergründeten die Baumgutachter nicht nur Alter, Größe und Umfang der Bäume, sondern auch den Gesundheitszustand. „Die Eutiner Eichen sind eine botanische Besonderheit, die man nicht überall findet“, schwärmte Dr. Horst Stobbe. Er hielt einen Laptop in der Hand während sein Kollege Dennis Wilstermann mit einem Spezialhammer und vom Laptop elektronisch gesprochenen Anweisungen vorsichtig auf die zwölf angebrachten Messpunkte schlug. „Der Messfühler misst, wie lange der Schall braucht“, erklärte Wilstermann.

Die Schallgeschwindigkeit ist abhängig von der Konsistenz des Eichenholzes. Wenn das Holz durchgehend hart ist, wird der Schall schneller übertragen, ist das Holz im Stamm im Laufe der Jahrhunderte durch Fäule weich geworden, fließt der Schall langsamer. „Dieser Baum ist innen hohl“, zeigte Stobbe auf die Grafik im Laptop. Der Zustand sei zwar schon lange bekannt, jetzt wisse man aber genau, wie hohl der Baum und wo genau er hohl ist.

Der Stamm des gemessenen Baumes hat einen Durchmesser von über 130 Zentimeter. Der Hohlraum im Stamm wird in blauer Farbe kenntlich gemacht, gesundes Holz in brauner Farbe. Kritische Zonen sind in grün und rot gekennzeichnet.

An der ersten Eiche ganz in der Nähe der Eisenbahnbrücke haben die Fachleute zur Beurteilung sogar das Wurzelwerk freilegen müssen. „Grund war der ,Tropfende Schillerporling’, der am Stamm der etwa 500 Jahre alten Eiche festgestellt wurde“, sagte Hans-Alfred Will. Der Pilz, der am Wurzelwerk gefährliche Weißfäule erzeugt, schädigt oftmals nur die Unterseite der Wurzelanläufe, was eine Holzerweichung zur Folge hat, die später zum Zähbruch führen kann.

„Es sind auf jeden Fall Maßnahmen an den Kronen der Eichen nötig, damit die Stadt Eutin ihre Verkehrssicherungspflicht erfüllen kann“, sagte Hans-Alfred Will. Er ist von der Stadt mit der Begutachtung beauftragt worden und hat die beiden versierten Baumsachverständigen aus Hamburg hinzugezogen. Am Ende steht es fest: Kronen müssen eingekürzt werden, um die schweren Äste zu entlasten. An anderen Bäumen sind aber auch neue Kronensicherungen mit neuen Stahlseilen erforderlich. Fest steht aber auch: die Bäume bleiben Eutin erhalten. Ob sie allerdings noch weitere 500 Jahre überleben, das kann heute keiner beurteilen.  

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