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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 20:48 Uhr

Knochenarbeit für schöne Stadt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Bürgerinitiative in Plön bringt das Kriegerdenkmal und die Bieberhöhe auf Vordermann / Neuer Verein will das Projekt fortsetzen

Bei diesem Anblick hat Stefan Thomsen das Herz geblutet. „Das Areal rund um die Krieger-Gedenkstätte am Bieberberg in der Prinzenstraße war völlig verwildert“, berichtet der 54-Jährige selbstständige Unternehmer für Finanzprodukte. „Disteln standen bis zu einem Meter hoch, Sträucher und Büsche wucherten überall und der Bieberhöhenrundweg dort ist von der Stadt Plön aus Sicherheitsgründen gesperrt worden“ – für Thomsen ein unerträglicher Zustand.

Daher beschließt der gebürtige Plöner, der nach 32 Jahren im vergangenen Jahr wieder in sein Elternhaus in der Seestraße gezogen ist, daran etwas zu ändern. „Der Stadt fehlt das Geld dafür“, sagt Thomsen in verständnisvollem Ton. „Wenn die Stadt klamm ist, dann ist eben das Engagement der Bürger gefragt, um mit Herz, Hirn und Hand etwas zu bewirken.“

Gesagt, getan und so gründet der Familienvater die „Bürgerinitiative Bieberhöhe“. Ihr gehören rund 30 Mitglieder an, darunter Vertreter von Stadt und Kreis Plön, der Marineunteroffiziersschule (MUS) und zahlreiche Privatpersonen. Seit sechs Wochen arbeiten rund ein Dutzend Privatpersonen und ebenso viele MUS-Soldaten freiwillig jeden Dienstag- und Donnerstagvormittag auf dem Bieberhöhe-Gelände. Sie beseitigen etwa den Wildwuchs und schneiden die Pflanzen zurück, tauschen alte gegen neue Zäune aus und reinigen die Mauer. Ziel ist es, dass bis zum Volkstrauertag am 17. November zumindest die Fläche um das Kriegerdenkmal herum wieder vorzeigbar ist. Später soll der serpentinenartige Bieberhöhenweg saniert werden, damit er wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

„Alle Arbeiten hier geschehen in enger Abstimmung mit den beiden Grundstückseigentümern, der Stadt und dem Kreis“, betont Thomsen. „Stimmt“, heißt es dort. „Das Engagement der Initiative ist wirklich toll und sie arbeiten enger mit uns zusammen, als es rechtlich nötig wäre.“ Stefan Thomsen dazu: „Neben dem Umweltbeauftragten von Stadt und Kreis haben wir auch einen Landschaftsgärtner mit ins Boot geholt, der uns hilft.“

Dies trifft auch auf Alfred Fleischhauer und Cornelia Wisser zu. Sie jätet Unkraut auf dem Vorplatz des Kriegerdenkmals. „Als überzeugte Plönerin will ich meine Heimat für Gäste vorzeigbar machen.“ Das will auch Alfred Fleischhauer. Wegen eines Rückenleidens kann er zwar bei den handwerklichen Aufgaben nicht mitanpacken, dafür hilft er auf andere Weise: Er filmt die Arbeiten und stellt regelmäßig kleine Beiträge auf der eigens gegründeten Webseite der
Bürgerinitiative (www.bieber
hoehe.de) online, um den Fortschritt zu dokumentieren. „Wenn hier alles fertig ist, schneide ich aus dem Material einen Film zusammen.“

Damit verbunden ist auch die Hoffnung, das Bieberhöhe-Areal in dem dann guten Zustand zu erhalten. „Daher haben wir mit dem benachbarten Gymnasium Schloss Plön und der MUS vereinbart, dass Schüler und Soldaten bei der Pflege helfen“, berichtet Thomsen.


Verein „Schönes Plön“


Direkt neben Fleischhauer steht ein weiterer Mann, es ist Raimund Paugstadt. Er hat sich ebenfalls der Initiative angeschlossen – und deren Idee weitergedacht. „Es gibt in Plön etliche Stellen, die schöner aussehen könnten“, sagt er. „Aber nach dem Zensus-Ergebnis steht der Stadt noch weniger Geld zu, um solche Projekte in Angriff nehmen zu können.“ Daher hat der 59-jährige selbstständige Business-Coach vergangene Woche den gemeinnützigen Verein „Initiative Schönes Plön“ ins Leben gerufen. „Ich war wirklich überrascht, wie viele Menschen mich angerufen und geschrieben haben, weil sie die Idee super finden“, sagt Paugstadt.

Bereits jetzt hat der Verein 30 Mitglieder, unter ihnen befindet sich auch Stefan Thomsen. Doch Paugstadt weiß, dass etliche weitere Bürger – teilweise nur projektbezogen – mitarbeiten wollen ohne Mitglied zu werden. „Die sind natürlich auch herzlich willkommen.“

Das ist wenig überraschend, denn wer Paugstadt zuhört, merkt schnell, dass es dem Verein nicht an Aufgaben mangelt. „Der Platz vor dem Museum könnte hübscher aussehen, die Sicht auf den schönen Turm der Johanniskirche wird von dichten Baumkronen verdeckt, Hauswände in Gassen an der Fußgängerzone sind mit Graffiti beschmiert.“ Zudem will sich der Verein um die Instandhaltung des Kriegerdenkmals und der Bieberhöhe kümmern.

Besonders schlimm seien allerdings die fünf Fußgängerunterführungen, die von der Innenstadt zum Großen Plöner See führen. Der Putz bröckelt von den mit Graffiti besprühten Wänden ab, Dreck liegt herum. „Hier kommen viele Touristen entlang, auf die muss der Zustand abschreckend wirken“, meint Paugstadt. Weitere
Infos zu dem Verein gibt es bei Raimund Paugstadt unter Telefon 04522/749136 oder per Mail an r.paugstadt@ paugstadt-coaching.de.


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erstellt am 25.Sep.2013 | 00:34 Uhr

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