„Klug, nicht voreilig entscheiden“

Etwa 70 Gäste waren beim Neujahrsempfang im Foyer der Sana-Klinik Eutin.
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Etwa 70 Gäste waren beim Neujahrsempfang im Foyer der Sana-Klinik Eutin.

Die Sana richtete gestern Abend in der Eutiner Klinik einen Neujahrsempfang aus und warf einen Blick auf viele Herausforderungen

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09. Januar 2018, 20:08 Uhr

„Wir wollen den Dialog und uns den Herausforderungen stellen und sie bewältigen – und ich will versuchen, das Vertrauen der Politik und der Bevölkerung wieder zu gewinnen“: Diese Ankündigung machte Klaus Abel, Geschäftsführer der Sana-Kliniken Ostholstein, gestern Abend bei einem Neujahrsempfang, zu dem etwa 70 Gäste in die Eutiner Klinik gekommen waren. Sie erfuhren von dem Willen der Sana, den Standort Eutin zu erhalten, aber auch neue Konzepte zur Sicherung der Gesundheitsversorgung in der Region zu entwickeln.

Es liege kein einfaches Jahr hinter der Sana-Klinik und viel Ungewissheit vor ihr, stellten Abel und der Ärztliche Direktor, PD Dr. med. Bertram Illert, übereinstimmend fest. Dr.Illert erinnerte an bewegte Wochen, nicht zuletzt verknüpft mit neuen Wasserschäden. Aber allen Schwierigkeiten zum Trotz sei in der Klinik ohne Unterbrechung eine Versorgung von Patienten auf hohem Niveau erfolgt. Illert wie auch Abel betonten das große Engagement der Mitarbeiter, sie seien ein Fundament, auf dem die Sana bauen könne, ergänzte Abel.

Zu den Reaktionen auf die Meldungen über die Probleme der Sana-Klinik hätten auch Polemik und Häme gehört, stellte Illert fest. „Nur: Das hilft uns alles in der Sache nicht weiter.“ Niemand könne schon sagen, welcher Weg dieses Jahr eingeschlagen werde, setzte Illert fort, ohne die Stichworte Sanierung des Klinikgebäudes oder Klinikneubau zu nennen. „Aber wir sollten nicht voreilig entscheiden, sondern klug entscheiden.“ Anders als Bundesländer im Süden müsse die medizinische Versorgung im Norden noch gründlich neu organisiert werden. Es gebe dabei die Chance, Konzepte der regionalen Versorgung zu entwickeln, die beispielhaft für ganz Schleswig-Holstein und sogar für andere Regionen bundesweit interessant sein könnten, sagte Illert weiter.

Ohne Zusammenarbeit, ohne Vernetzung werde es keine flächendeckende Versorgung mehr geben, ergänzte Klaus Abel, und er nannte eine Reihe von Beispielen einer engen Kooperation der Sana-Kliniken mit anderen Einrichtungen, aber auch Anlaufpraxen und niedergelassenen Ärzten.

Die Klinik für Kinderheilkunde sei nach einem Wasserschaden nicht nur innerhalb des Hauses umgezogen, sondern habe unter der Leitung der neuen Chefärztin Dr. Katja Stenzel auch eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie dem Kinderzentrum Pelzerhaken begründet, nannte Abel ein weiteres Beispiel, bevor er Katja Stenzel einen Blumenstrauß überreichte.

Die Bedeutung von Netzwerken unterstrich auch Dr. Gerdt Hübner, Chef der Onkologie. Ostholstein mit einer Bevölkerung, bei der über 60-Jährige den größten Anteil stellten, habe einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Krebspatienten. Die Behandlung dieser Patienten setze viel Fachwissen und Vernetzung voraus. Dr. Hübner schilderte eine engmaschiges Versorgungsnetz in der Region zwischen Lübeck und Kiel mit der onkologischen Tagesklinik und einem renommierten Brustzentrum in Eutin.

Es fehlt indes eine Strahlentherapie, Krebspatienten müssen dafür mindestens nach Lübeck oder Kiel fahren. Eine Praxis mit Strahlentherapie soll in einem Ärztehaus einziehen, das in der Nachbarschaft der Eutiner Klinik geplant worden ist.

Über den weit vorangeschrittenen Plänen dafür steht freilich ein großes Fragezeichen, seitdem Klaus Abel im Dezember angekündigt hatte, dass ein Klinikneubau an anderer Stelle in Eutin besser sein werde als die Sanierung des vorhandenen Hauses. Durch die Unsicherheit über den künftigen Klinikstandort sei der Ärztehausbau „ausgebremst“ worden, stellte Thorsten Schäper fest, Chef der Firma Terra Real Estate (TRE). Die soll, wie schon in Lübeck und Rostock praktiziert, das Ärztehaus in Eutin bauen und der Sana vermieten. Die Pläne für Planungskosten in sechsstelliger Höhe seien fertig, in diesen Tagen hätte der Bauantrag gestellt werden sollen. Die TRE werde aber die Entscheidung über Sanierung oder Neubau abwarten und auch an einem neuen Standort bauen, sicherte Schäper zu. Diese Zusage gelte allerdings für einen zumutbaren Zeitraum und nicht grenzenlos, warnte Schäper.

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