Eutin : „Klimaschutz gehört in alle Bereiche“

Marret Bähr stellt dem Ausschuss Projekte in Sachen Klimaschutz am Beispiel der Stadt Preetz vor.
Marret Bähr stellt dem Ausschuss Projekte in Sachen Klimaschutz am Beispiel der Stadt Preetz vor.

Stadtentwicklungsausschuss lässt sich von Klimaschutzmanagerin beraten. Schulung für Politik und Verwaltung geplant.

shz.de von
10. Februar 2019, 16:05 Uhr

Eutin | Dass die Stadt Eutin in Sachen Klimaschutz großen Nachholbedarf hat, ist eigentlich allen Stadtvertretern bewusst. Nur wie am geschicktesten angehen? Um von „Nachbarn“ zu lernen, lud der Stadtentwicklungsausschuss die Klimaschutzbeauftragte der Stadt Preetz, Marret Bähr, ein. Denn die Stelle eines Klimaschutzbeauftragten, die im Stellenplan 2019 schon geschaffen wurde, soll in Eutin endlich ausgeschrieben und auf den Weg gebracht werden.

Um eine Tonne Kohlendioxid zu binden, muss eine Buche 80 Jahre alt werden Marett Bähr, Klimaschutzbeauftragte der Stadt Preetz
 

Marret Bähr begann ihren Vortrag anschaulich: „Um eine Tonne Kohlendioxid zu binden, muss eine Buche 80 Jahre alt werden, denn pro Jahr schafft sie 12,5 Kilogramm. Der CO2-Ausstoß des Menschen liegt pro Jahr jedoch bei 9,1 Tonnen, also bei dem Bedarf von 728 Buchen.“ Die größten Endenergieverbraucher und Verursacher von CO2-Emmissionen seien der Verkehr, dicht gefolgt von den Haushalten und der Wirtschaft. Die Kommune verursache nur – verglichen mit diesen Zahlen, einen Bruchteil, doch auch da gebe es enorme Einsparungs- und Verbesserungspotenziale, machte Marret Bähr deutlich. Die landesweiten Ziele der Energiewende- und Klimaschutzpolitik, die Treibhausgasemmission bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu senken, seien aus ihrer Sicht sehr ambitioniert. Denn Klimaschutz sei keine Pflicht-, sondern immer noch freiwillige Aufgabe der Kommunen. „Um etwas in Sachen Klimaschutz zu verbessern, muss klar sein, dass dieses Thema in wirklich alle Bereiche einer Kommune gehört“, betont Bähr.

Klimaschutzkonzept soll von allen mitgestaltet werden

Sie selbst habe 18 Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept der Stadt Preetz als Aufgabe binnen der nächsten drei Jahre zu lösen, denn ihre Stelle ist, wie bei den meisten Kommunen, noch befristet. Sie habe Glück, sagt sie, dass sie von vielen Mitarbeitern der Verwaltung unterstützt und mittlerweile bei neuen Projekten angefragt werde. Sie riet den Eutinern aber, dass das Klimaschutzkonzept, in dem wichtige Ziele der Kommune verankert sind, auch von der oder dem Verantwortlichen mitgestaltet werden, der Klimaschutzmanager sei. Sie selbst sei erst nach dem Konzept eingestellt worden, fürs Netzwerken und Bekanntmachen, sei viel Zeit verstrichen.

Und was hat Preetz bislang erreicht? Die Stadt hat auf Ökostrom umgestellt, plant vier Schulen und vier Turnhallen, deren Kessel nahezu zeitgleich abgängig sind, durch ein gemeinsames Wärmenetz zu versorgen. Das Nachhaltigkeitskino, eine Kleidertauschbörse, Info- und Klimatage an Schulen und in der Öffentlichkeit, Förderprogramme für Lastenräder und Ladesäulen gebe es schon. „Es ist ein kontinuierlicher Prozess.“

Wenn sie die Stelle neu schaffen, könnte man auch eine Stabsstelle machen. Marett Bähr, Klimaschutzbeauftragte der Stadt Preetz
 

Matthias Rachfahl, der CDU-Fraktionsvorsitzende, wollte wissen, wie ihr Job im Alltag funktioniert, wo ihre Stelle „angedockt“ ist. Aufgrund der Preetzer Struktur, gehöre sie zum Bereich Klimaschutz, der zum Grünflächenamt gehört. „Wenn sie die Stelle neu schaffen, könnte man auch eine Stabsstelle machen, weil dann die Entscheidungskompetenz einfach größer ist und vieles schneller umgesetzt werden kann.“ Die Projekte seien teilweise Arbeitsaufträge aus dem erstellten Konzept, kommen aber auch aus Politik, Schule und anderen Bereichen, in denen aktuell etwas ansteht.

Ralf Langenstück (Grüne) erklärte, dass ein Schreiben aus der Verwaltung vorliege, dass allein mit der Umstellung der Straßenbeleuchtung eine Einsparung von bis zu 75 Prozent möglich wäre. „Das, was bis jetzt passiert ist, ist einfach zu wenig“, sagte Langenstück. Derzeit seien noch alte Quecksilber-Dampflampen vielerorts echte Energieschlucker. Bähr plädierte dafür, dass Verwaltung und lokale Akteure ins Konzept und Projekt einbezogen werden. „Es sollte ein integrativer Teil aller Arbeit sein.“

Wenn wir großflächig umrüsten, wird das ausbaubeitragspflichtig. Henning Schröter, Bauamt
 

Zum Stichwort Leuchtmittel-Tausch für Einsparungszwecke machte Bauamtsleiter Henning Schröter auf anfallende Beiträge aufmerksam: „Wenn wir großflächig umrüsten, wird das ausbaubeitragspflichtig und in der Sache haben wir ja noch keine Entscheidung.“ Der Antrag der Grünen, regelmäßig über den Klimaschutz im Stadtentwicklungsausschuss zu sprechen (unter anderem am 13. Juni und 5. September) sowie eine Inhouse-Schulung für Politiker und Veraltung zum Thema wurde einstimmig vom Ausschuss für Stadtentwicklung in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Die Inhouse-Schulung ist bereits Ende März geplant, informierte Schröter. Die Förderanträge für ein integratives Klimaschutzkonzept sollen außerdem erarbeitet werden.

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