Eutin : Kleines Hotel schließt Ende des Jahres

„Nicht genug los“: Außer zur Landesgartenschau 2016 verbuchte das „Kleine Hotel“ rückläufige Gästezahlen. Die Inhaberin zog die Konsequenzen und beendet den Hotelbetrieb spätestens zum Jahresende.
„Nicht genug los“: Außer zur Landesgartenschau 2016 verbuchte das „Kleine Hotel“ rückläufige Gästezahlen. Die Inhaberin zog die Konsequenzen und beendet den Hotelbetrieb spätestens zum Jahresende.

Eutin hat bald 37 Betten weniger, der Stadt fehlen Gäste. Die beiden Stadtvillen sollen zu Wohnungen werden.

shz.de von
14. März 2018, 19:00 Uhr

Das „Kleine Hotel“ an der Albert-Mahlstedt-Straße schließt spätestens zum Jahresende – vielleicht auch schon im Herbst, je nach Buchungslage, will Inhaberin Antje Maichl das entscheiden. Auch sie verlässt Eutin wieder – „und ich gehe gerne aber auch frustriert“, sagt sie.

Im Juli 2013 eröffnete das „Kleine Hotel“. In zwei miteinander verbundenen historischen Stadtvillen gestaltete Maichl die 21 Zimmer mit insgesamt 37 Betten individuell. Ihr Service und ihr Frühstück wurden und werden von Gästen gelobt. Doch es kommen – mal abgesehen vom Landesgartenschaujahr – einfach zu wenig Gäste, sagt Maichl. Sie sei gewarnt worden, das Eutin ein schwieriges Pflaster sei, als sie vor fünf Jahren hier anfing. Doch die „niedliche Stadt“ in der „schönen Lage“ und die Aufbruchstimmung, die damals zu spüren gewesen sei, haben Maichl es versuchen lassen. „Damals hatten die Festspiele auch noch deutlich mehr Veranstaltungen“, sagte Maichl. „Doch heute ist doch kaum noch etwas los in der Stadt. Es ist ein Trugschluss, dass eine Stadt Hotelbetten braucht und dann belebt wird. Erstmal muss eine Stadt einem Gast etwas bieten, dann braucht es Hotelbetten“, betont Antje Maichl mit Blick auf die immer wiederkehrende „wir haben zu wenig Hotels“-Diskussion. „Warum soll ein Gast nach Eutin kommen, wenn er an der Ostsee den ganzen Tag bespaßt wird?“, fragt sie. Die Küstenorte hätten enorm in Hotels investiert, die Tourist-Infos dort verschiedenste Programme und Angebote für Touristen entwickelt. „Die Überschwapper von der Küste kriegen wir nicht mehr ab“, ist Maichls Fazit. Eutin sei eine superschöne Stadt mit vielen netten Menschen, aber man müsse sich als Stadt neu erfinden, den Touristen zeigen, dass Eutin die Alternative zur überfüllten Küste sei. „Hier könnte man prima ein Strandbad am See bauen, da ließe sich bestimmt auch etwas trotz geltendem Naturschutz machen und es braucht ein Café oder einen Kiosk am Wasser“, ist Maichl überzeugt. Das müsse mit den Menschen dieser Stadt einmal diskutiert werden, ob sie das wünschten. „Mehr Touristen würden auch Einschränkungen für die Menschen vor Ort während der Saison bedeuten. Da muss man sich fragen, ob man das möchte“, weiß Maichl. Sie habe sich das damals alles anders vorgestellt, aber mit dem Wissen von heute würde sie nicht mehr in Eutin investieren – „vielleicht lohnt sich aber auch nur mein Hotel nicht“, sagt Maichl vorsichtig. Dagegen spricht, dass mehrere Hotels in der Umgebung gerade zum Verkauf stehen.

Was passiert mit dem „Kleinen Hotel“? „Ab 2019 ist hier ein besonderes Mietprojekt geplant“, sagt Antje Maichl. Das Haus habe nie im freien Verkauf gestanden, sie sei von Eutinern angesprochen worden, als bekannt wurde, dass sie über einen Verkauf nachdenke. Gerade sucht eine Wohngemeinschaft Mitstreiter, die Interesse auf ein besonderes Wohnprojekt haben, „das Raum schafft, um in solidarischer Gemeinschaft wohnen und wirken zu können“, heißt es im Anzeigentext für das Wohnprojekt. Mehr wollen die Initiatoren in etwa zwei Monaten verraten.

Antje Maichl selbst geht nach Berlin und hat mit ihrer bisherigen Berufserfahrung als Sozialpädagogin, Unternehmensberaterin, Personalleiterin und Coach einen neuen Job gefunden – fernab vom Hotelgewerbe.

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