Eutin : Kleine Ursache, große Wirkung

Das Corpus Delicti, das am Sonntagabend zum zeitweisen Ausfall der Wasserversorgung in Eutin führte: Stadtwerke-Mitarbeiter Rüdiger Rugullies zeigt die zentrale Rechnereinheit (CPU), die um zwei Minuten nach 21 Uhr den Dienst quittierte und ersetzt werden musste.
Das Corpus Delicti, das am Sonntagabend zum zeitweisen Ausfall der Wasserversorgung in Eutin führte: Stadtwerke-Mitarbeiter Rüdiger Rugullies zeigt die zentrale Rechnereinheit (CPU), die um zwei Minuten nach 21 Uhr den Dienst quittierte und ersetzt werden musste.

Die zentrale Steuereinheit im Eutiner Wasserwerk war ausgefallen und legte die Kreisstadt und umliegende Dörfer für zwei Stunden trocken.

shz.de von
03. Juli 2018, 00:54 Uhr

Es war kurz nach 21 Uhr am Sonntagabend, als in großen Teilen Eutins kein Wasser mehr lief. Nicht nur in der Kreisstadt blieben die Wasserhähne trocken, auch in Bockholt, Röbel, Groß Meinsdorf, Quisdorf sowie dem Hof Gamal dürften sich ähnliche Szenen abgespielt haben: Nach dem Schock am Waschbecken, die Beruhigung durch Nachfrage bei den Nachbarn und schließlich die Gewissheit beim Blick ins soziale Netzwerk – kein Schaden am eigenen Haus, sondern ein größeres Problem bei den Stadtwerken.

„Unsere Techniker bekamen 21.02 Uhr die Störungsmeldung, waren 21.15 Uhr am Wasserwerk“, erklärt Alexander Baumgärtner, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Eutin, gestern auf Nachfrage. Das Problem: Eine zentrale Recheneinheit, im Wasserwerk zuständig für das Prozessleitsystem, ist ausgefallen. „Der Fehler war eigentlich schnell behoben, denn wir hatten ein programmiertes Ersatzteil, das gleich eingebaut werden konnte“, so Baumgärtner. Das eigentliche Problem, das bei so einem Ausfall Zeit koste, sei, dass im Wassernetz der Druck nur langsam wieder aufgebaut werden dürfe, da es sonst zu Rohrbrüchen kommen könne. „Die, die weiter weg vom Wasserwerk liegen, hatten erst zwischen 22.30 und 23.30 Uhr wieder Wasser“, sagte Baumgärtner.

Die zentralen Systeme der Stadtwerke seien alle in der Überwachung, deshalb habe das Problem auch an einem Sonntagabend vergleichsweise schnell behoben werden können. „Wir werden nochmal auf Ursachenforschung gehen, denn eigentlich hatten wir erst 2016 die komplette Elektronik im Wasserwerk erneuert“, sagte Baumgärtner.

Für Beschwerden sorgte die Hotline des Stadtwerke-Störungsdienst. Zahlreiche Betroffene hatten sich über Facebook oder direkt per Mail beim OHA beschwert, dass sie in der Warteschleife „hängen gelassen“ wurden. Über die Stadtwerke-Facebook-Seite hatten sich Mitarbeiter am Abend selbst um rasche Informationen bemüht: Sie meldeten dort den Ausfall der Wasserversorgung und ebenso das schnelle Bearbeiten des Fehlers bis hin zur Meldung „geht wieder“. Baumgärtner: „Normalerweise sollen die Anrufe weitergeleitet werden. Gestern gab es aber mehr als 1000 und damit kam die Anlage wohl leider nicht klar. Da werden wir nachsteuern.“

Neben den privaten Hausanschlüssen waren auch zwei Kliniken in Eutin ohne Wasser. Wie funktionierte der Betrieb dort? „Wir werden frühzeitig über gleich zwei Alarmsysteme informiert“, sagte Pressesprecherin Kerstin Ganskopf vom Elisabeth-Krankenhaus. Als der Wasserdruck im vierten Stock abfiel, habe der Techniker bereits in den anderen Geschossen die Behälter nachfüllen können, sodass kein Engpass bestanden habe. „Im Notfall haben wir stilles Mineralwasser als Trinkwasserreserve. Damit kommen wir zwei bis drei Tage aus“, sagte Ganskopf. Die Sana-Klinik verfügt laut Pressesprecher Michael Hesse über eine eigene Druckregulierungsanlage. Diese erhöhe im Falle eines Druckverlustes den Wasserdruck automatisch und bediene sich, wenn nötig, aus dem hauseigenen Wassertank.


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