Kleinbahn-Betreiber wollen Schadensersatz

Die Betreibergesellschaft der Malenter Kleinbahn macht ernst. Sie verlangt Schadensersatz von der Gemeinde Malente. Auf fast 100.000 Euro beziffert Geschäftsführer Carsten Recht den Schaden, der durch die von Bürgermeister Michael Koch verfügte und inzwischen gerichtlich aufgehobene Stilllegung entstanden sei.

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16. September 2009, 10:40 Uhr

Bad Malente-Gremsmühlen | Bereits Anfang September hat der von der gemeinnützigen Kleinbahn Betriebs GmbH beauftragte Anwalt der Gemeinde die Verlustrechnung präsentiert. Allein den entgangenen Erlös aus dem Verkauf von Fahrkarten, Ansichtskarten und Getränken für die Zeit vom 20. Juni bis zum 26. August beziffert Recht auf 57600 Euro. Weitere Einnahmen seien durch entgangene Werbeeffekte verloren gegangen. So hätten der Fernsehsender WDR und das "Hamburger Abendblatt" über die Bahn berichten wollen, dies aber aufgrund der Stilllegung unterlassen. Durch die Berichte angelockte Fahrgäste hätten jeweils 16.000 Euro zusätzliche Einnahmen jährlich gebracht, schätzt Recht. Hinzu kämen entgangene Einnahmen von Amateurschaffnern und aus Amateurlokführerausbildungen, während im Gegenzug lediglich Betriebskosten von 5000 Euro gespart worden seien.

Insgesamt macht der Kleinbahnbetreiber einen Schaden von 97.768 Euro geltend, der durch die Ordnungsverfügung vom 19. Juni entstanden sei. Eine Reaktion der Gemeinde sei bislang ausgeblieben, bedauerte Recht. Er hofft dennoch auf Einsicht und Entgegenkommen: "Es ist ein Schaden entstanden. Wenn ich einen Schaden anrichte, muss ich den auch ausgleichen", erklärte er. Gerne werde er nicht Klage gegen die Gemeinde erheben, aber: "Wenn uns nichts anderes übrig bleibt, werden wir es wohl müssen."

Derzeit würden der Kleinbahn immer neue Knüppel zwischen die Beine geschmissen, beklagte Recht. So torpediere die Gemeinde das bereits vom Land erlassene Planfeststellungsverfahren, mit der die Umspurung der Strecke auf die schmale Spur rechtlich festgezurrt worden sei. Die Gemeinde mache geltend, dass sie an dem Verfahren nicht beteiligt worden sei und fordere nun eine erneute Planfeststellung.

Unterdessen ist über die eigentliche Ordnungsverfügung von Bürgermeister Koch noch nicht entschieden, lediglich die aufschiebende Wirkung ihres Widerspruchs gegen die Ordnungsverfügung haben die Kleinbahner gerichtlich durchgesetzt. Allerdings zeigte sich Recht optimistisch, auch in der Hauptsache die Oberhand zu behalten, schließlich habe das Verwaltungsgericht Schleswig in der ersten Entscheidung von einer "eindeutig rechtswidrigen" Ordnungsverfügung gesprochen. Die Entscheidung über den Widerspruch der Kleinbahner gegen die Ordnungsverfügung obliegt nun dem Kreis Ostholstein als übergeordnete Behörde der Gemeinde.

Der eigentliche Schaden, der der Kleinbahn entstanden sei, sei noch größer als es jetzt gegenüber der Gemeinde geltend gemacht werde, betonte Recht. Der Grund: Durch die fehlenden Einnahmen werde der Ausbau der Strecke bis nach Lütjenburg nicht rechtzeitig fertig. Bis April 2010 hätten die Gleise auf Schmalspur gebracht werden müssen. Das sieht der Pachtvertrag vor, den die Kleinbahner mit der Eigentümerin der Bahnstrecke, der Deutschen Privatbahn, abgeschlossen haben. Nun wolle die Privatbahn den Streckenabschnitt zwischen Benz und Lütjenburg für eigene Zwecke nutzen, sagte Recht.

Ob die Gemeinde gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts vorgehen wird, war gestern nicht zu erfahren. Bürgermeister Koch war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Ma lenter Grünen kündigten jedenfalls an, einem Widerspruch nicht zuzustimmen. Fraktionsvorsitzende Dagmar Nöh-Schüren forderte eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft von "Hein Schüttelborg": Wenn die Gemeinde die Kleinbahn als Chance für die Region bewerte, müsse sie den entstandenen Schaden ausgleichen und damit die "bewunderungswürdige ehrenamtliche Tätigkeit von Carsten Recht und seinen Männern unterstützen".

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