Klassik am Puls der Zeit

Luciano Supervielle aus Uruguay verbindet traditionelles Klavierspiel und elektronische Musik.
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Luciano Supervielle aus Uruguay verbindet traditionelles Klavierspiel und elektronische Musik.

Das Festival Classical Beat will zum zweiten Mal klassische Musik mit modernen Tönen verbinden

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09. Mai 2018, 10:14 Uhr

Klassische Musik lockt immer weniger junge Leute an. Einer der bislang seltenen Versuche, ein junges Publikum für Klassik zu interessieren, ist das internationale Festival „Classical Beat“, das im Mai zum zweiten Mal im Hanselbelt-Raum stattfindet. Das mit einem Etat von etwa 150 000 Euro finanzierte Konzept ruht auf drei Säulen: Neun Konzerte von Musikern, einige aus USA und Südamerika, außerdem ein von Musikstudenten gebildetes Festival-Orchester und Projekte in Eutin, Lübeck und Hamburg, bei denen Schulklassen elektronische Musik produzieren und auch aufführen werden.

Klassische Musik mit anderen Genres und moderner Clubkultur in Konzerten und Tanzveranstaltungen zu kombinieren: Damit war das erste Festival Classical Beat gestartet. Veranstalterin ist die Stiftung Neue Musikimpulse Schleswig-Holstein, eine Initiative von Hans-Wilhelm Hagen (kleines Foto). Der Eutiner Bankdirektor steckt seit seinem Eintritt in den Ruhestand vor zwei Jahren seine Energie in dieses Musikprojekt.

Beim zweiten Festival mit dem Leitmotiv „Klassik am Puls der Zeit“ wurde das Konzept modifiziert, was nicht zuletzt einem zweiten künstlerischen Leiter zu verdanken ist: Der Schweizer Etienne Abelin war vergangenes Jahr allein verantwortlich, dieses Jahr wird die Handschrift des Lübecker Professors Bernd Ruf sichtbar. Statt Konzerten, in denen traditionelle und moderne Musik nacheinander gespielt wird, soll dieses Jahr zeitgemäße Musik entwickelt und gespielt werden, die Bezug auf einen Klassiker nimmt und damit einen Bogen in den Barock spannt: Händels Feuerwerksmusik. Neben den Zitaten des Alten wird, so formulierte es Bernd Ruf, die Frage gestellt: Wie geht es weiter?

Der Fragen gehen Musiker aus ganz Deutschland, aus den USA (darunter der herausragende junge Perkussionist Doug Perry) und der südamerikanische Pianist Luciano Supervielle in ihren Konzerten nach, wobei sich Supervielle bei einem Pre-Opening im April sofort die Gunst der Zuhörer eroberte. „Es geht nicht darum, Musik der alten Meister nachzuspielen und mit modernen Elementen zu mischen, sondern aus alten und neuen Tönen auch etwas Neues zu schaffen,“ erklärte der aus Montevideo in Uruguay stammende Musiker. Er kombiniert ein virtuoses Pianospiel mit schmeichelnden Melodien mit digital erzeugten Klängen und Rhythmen, eine symbiotische Form von sehr unterschiedlichen Geräuschquellen, die auch auf Harmonie gepolte Hörgewohnheiten am wenigsten herausfordert.

Im Festival-Ensemble ist aber auch Franz Danksagmüller aus Lübeck, der sich „Tonkünstler“ nennt. Er hatte zum Beispiel die Idee, alle Aktienkurse im Lauf der Jahrzehnte seit der Erfindung des Dow-Jones-Indexes in elektronisch erzeugte Töne zu verwandeln – eine überraschend spannende, auf technischen Regelwerken basierende Komposition.

Die Konzerte vom Classical Beat tragen dieses Jahr alle den Titel „Feuer“ und sind von eins bis neun nummeriert, das Festival startet am 22. Mai mit gleich zwei Konzerten in der Hamburger Laeiszhalle und in Burg auf Fehmarn, es folgt am 23. Mai ein Freiluft-Konzert bei freiem Eintritt am Scharbeutzer Strand und am selben Abend ein Konzert in der Eutiner Sankt-Michaelis-Kirche.

Zwei weitere Konzerte am 24. Mai in Eutin gehen drei Konzerten am 25. und 26. Mai in Lübeck voraus. Weitere Konzerte gibt es in Dänemark, Schweden und den Niederlanden.



Infos über Konzerte, beteiligte Musiker und Möglichkeiten zum Kartenkauf: www.classicalbeat.de

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