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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 02:45 Uhr

Klare Worte zum Eutiner Standort

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Übergabeappell des Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ auf dem Eutiner Marktplatz / Abschied von Oberstleutnant Prinz zu Waldeck

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2015 | 13:08 Uhr

Dass die Flaggen auf dem Eutiner Marktplatz auf Halbmast wehten und die Truppenfahnen Trauerflor trugen, war nicht dem Abschied des Kommandeurs des Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ geschuldet. Parallel zum Übergabeappell fand gestern in Köln die Trauerfeier für die 150 Opfer der abgestürzten „German-Wings“-Maschine statt – ihnen und
deren Angehörigen sollte gedacht werden, sagte Oberstleutnant Georg-Wilhelm Prinz zu Waldeck, scheidender 20. Chef der Eutiner Aufklärer.

Nach einer Gedenkminute für die Flugkatstrophen-Opfer blickte zu Waldeck in seiner Rede auf seine zweijährige Kommandeurszeit zurück, erinnerte an die Einsätze und Übungen und sparte nicht mit Kritik. „Seit 2010 stehen zwei wesentliche Gebäude in der Kaserne leer, die eigentlich schon längst wieder hätten in Betrieb gehen sollen“, sagte zu Waldeck. Durch Verzögerungen könne die Sanierung nicht vor 2020 abgeschlossen sein. „In meinen Augen ein untragbarer Zustand“, sagte der Oberstleutnant.

Ähnlich äußerte sich auch Brigadegeneral Jürgen-Joachim von Sandrat, Kommandeur der übergeordneten Panzergrenadierbrigade 41: „Die Infrastruktur in Eutin ist die schlechteste der Brigade“, sagte von Sandrat. Dennoch sei der Standort „attraktiv und zugleich indiskutabel“, so von Sandrat.

Begleitet wurde die militärische Feier auf dem Marktplatz von Protesten des Friedenskreises Eutin. Eine Handvoll Militärgegner enthüllte Plakate mit Friedenslosungen. „Uns geht es darum, die Bundeswehr und die Stadtoberen zum Nachdenken zu bringen“, sagte Wolfgang Schiller. Der Friedenskreis wende sich gegen „die schleichende Militarisierung der Gesellschaft“, so Schiller. Und meinte damit in erster Linie die Nutzung des öffentlichen Marktplatzes für die Zwecke der Bundeswehr.

Zum Ende des Appells übergab Prinz zu Waldeck die Truppenfahne an Brigadegeneral von Sandrat; dieser übergab das Feldzeichen – und damit das Kommando über das Bataillon – an Oberstleutnant Alexander Radü, der zuletzt im Stab der 1. Panzerdivision in Hannover eingesetzt war. „Ich erwarte, dass Sie das Erreichte bewahren und weiter entwickeln“, sagte der General zu Radü. Von Sandrat dankte Prinz zu Waldeck für dessen „beeindruckende Ergebnisse“, die er in Eutin erreicht habe. „Das ist aber immer auch das Ergebnis einer Mannschaftsleistung“, so von Sandrat.

Zu Waldeck wechselt bereits am kommenden Montag ins Einsatzführungskommando der Bundeswehr nach Potsdam. Eutin bleibt der Oberstleutnant aber treu, denn seine Familie bleibt vorerst hier wohnen.

Der Übergabeappell klang für die geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Militär in den Schlossterrassen aus. Dahin wurde Prinz zu Waldeck standesgemäß in einem Schützenpanzer gefahren – vorbei an den im Jungfernstieg Spalier stehenden Soldaten.

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