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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 08:39 Uhr

Klänge in harmonischer Vollendung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Genau einen Monat nach Eröffnung sind in der St. Michaeliskirche am Mittwochabend die 27. Internationalen Orgelwochen Eutin mit einem ungewöhnlichen und überaus reizvollen Konzert zu Ende gegangen. Norddeutscher Barock mit Organist Martin West wechselte mit improvisatorischen Jazz, in phantastische Töne gegossen von dem Saxophonisten Fiete Felsch aus Hamburg.

Während West zunächst Orgelmusik (Praeludium g-Moll und die Choralfantasie „Auf meinen lieben Gott“) von Franz Tunder spielte, dessen 400. Geburtstag die Musikwelt dieses Jahr feiert, improvisierte Felsch jeweils nach den einzelnen Stücken abwechselnd mit dem Sopran- und dem Alt-Saxophon mit dem Themenmaterial des zuletzt Gehörten. Dabei nutzte Felsch die Akustik geschickt und sehr ausdrucksstark aus. Seine teils hauchig angeblasenen, teils durchdringend-goldenen Klänge durchwehten mit den langem Nachhall den Kirchenraum: melancholisch, tröstend, munter und witzig, aber auch wild und unbändig, beinahe zornig mit virtuos anmutenden Kaskaden von irrwitzig drehenden Spielfiguren sowie klagende Schrei-Töne über den normalen Tonumfang des Saxophons in die hohen Flageolettlage hinausgehend.

Als Hauptwerke des Abends intonierte West das etwa viertelstündige, für Spieler wie für Zuhörer anspruchsvolle „Te Deum“ (BuxWV 218) des Tunder-Nachfolgers an der Lübecker Marienkirche, Dietrich Buxtehude. Diese Gesänge wurden für den praktischen Gebrauch normalerweise im Wechsel mit Orgel und Chor vorgetragen, Buxtehude vertonte den Text jedoch für die Orgel allein mit zwei Manualen und Pedal. Darin verarbeitete Buxtehude kunstvoll die verschiedenartigsten Techniken, womit sich das Te Deum zu einer großen Choralfantasie auswächst.

Nach dessen Präeludium C-Dur (BuxWV 136) und der Canzone d-Moll (BuxWV 168) mit weiteren hinreißend gespielten Improvisationen musizierten beide Musiker zum Ende hin zusammen auf der Orgelempore den Orgelchoral „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ (BuxWV 200). Dabei verschmolzen die Klänge von Orgel und Saxophon in harmonischer Vollendung. Als Zugaben hörte das begeisterte Publikum eine Tango étude von Astor Piazolla und nochmals eine Improvisation.


BU 1: In Tönen versunken: Der Saxophonist Fiete Felsch mit seinem Sopran-Saxophon beim Improvisieren

BU 2: Der Saxophonist Fiete Felsch war Gast beim letzten Konzert der diesjährigen Orgelwochen

BU 3: Fiete Felsch improvisierte als Zugabe zuletzt von der Orgelempore hinunter

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erstellt am 18.Sep.2014 | 12:10 Uhr

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