Kita immer teurer: Eltern wehren sich

Präsentieren die Unterschriftenlisten: die Elternvertreterinnen (v.  li.) Kathrin Bauer, Ailien Schulze-Entrup und Verena Grimm.
Präsentieren die Unterschriftenlisten: die Elternvertreterinnen (v. li.) Kathrin Bauer, Ailien Schulze-Entrup und Verena Grimm.

Malente: Unterschriftenaktion richtet sich gegen den Anteil von 40 Prozent, der in der Gemeinde vertraglich festgeschrieben ist

shz.de von
15. Januar 2018, 11:42 Uhr

Jahrelang nahmen Malenter Eltern steigende Kita-Gebühren mehr oder weniger klaglos hin. Doch die jüngste Erhöhung zum Jahresbeginn in der evangelischen Kindertagesstätte „Pusteblume“ brachte einen Stein ins Rollen. „Die Eltern haben ihren Unmut geäußert und den Kontakt zu uns gesucht. Das gab es vorher so nicht“, berichtet die Vorsitzende der Elternvertretung, Verena Grimm. Die Folge: Das dreiköpfige Gremium wurde aktiv und startete eine Unterschriftensammlung.

Die Aktion beschränkte sich nicht nur auf die „Pusteblume“ mit derzeit knapp 130 Kindern. Eingebunden wurde auch Malentes größte Kita, das Awo-Kinderhaus, in dem etwa 160 Kinder betreut werden, und der Malenter Wald-Kindergarten mit derzeit 16 Kindern. Die Initiative richtet sich weniger an die Kitas als an die Gemeinde. Gefordert wird eine Halbierung des Elternbeitrags an der Finanzierung der Betreuung. Dieser ist durch Vereinbarungen der beteiligten Kitas mit der Gemeinde derzeit auf 40 Prozent festgeschrieben und liegt andernorts deutlich niedriger. Im Nachbarort Eutin liegt der Elternanteil beispielsweise zwischen 30 und 33 Prozent, wie eine Nachfrage bei Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt ergab.

Fast 300 Eltern haben unterschrieben, mittlerweile übergaben die Elternvertreter, gemeinsam mit den Kita-Leiterinnen Regina Praetorius (Pusteblume) und Annett Klöfkorn-Papke (Awo-Kinderhaus), die Liste an Bürgermeisterin Tanja Rönck. Die äußerte Verständnis für das Anliegen der Eltern, verwies aber auch auf die Rahmenbedingungen. Denn mit sinkenden Elternbeiträgen stiege der Anteil der Gemeinde, die seit Jahren noch ein Millionendefizit vor sich herschiebe. Die Bürgermeisterin will dennoch dafür sorgen, das Anliegen zum Thema in der Selbstverwaltung zu machen. Dafür soll es auf die Tagesordnung des nächsten Sozialausschusses kommen, der voraussichtlich im Februar tagen wird. Ein Termin steht noch nicht fest.

Immerhin: Die Chance, dass sich bei der Kita-Finanzierung in der Gemeinde Malente etwas bewegt, ist vielleicht so groß wie lange nicht. Denn zum einen könnte das Anliegen der Eltern mit Blick auf die Kommunalwahl am
6. Mai eine gewisse Wirkung entfalten. Zum anderen hat die Kieler Landesregierung den Kommunen erst in der vergangenen Woche mehr Geld für die Kitas versprochen. Bereits in diesem Jahr soll der Zuschuss für die Krippen von bisher 50,4 Millionen Euro auf 80 und im nächsten Jahr auf 95 Millionen Euro steigen. Mehr Geld soll auch in die Tagesstätten für Kinder ab drei Jahren fließen. Hier will das Land in diesem Jahr 15 und in den beiden nächsten Jahren je 20 Millionen Euro mehr überweisen. Dadurch soll der Anteil des Landes an den Kita-Betriebskosten erstmals seit Jahren wieder über 30 Prozent klettern.

Klar ist aber auch: Ohne einen politischen Beschluss der Gemeinde ändert sich für die Malenter Eltern nichts. Die Kommunen bekommen zwar vom Land mehr Geld für den Kita-Betrieb. Dennoch müssten die Eltern weiterhin den festgelegten Betriebskosten-Anteil zahlen, erläutert Frank Cordua, für die Kindergärten zuständiger Fachdienstleiter beim Kreis Ostholstein, die Auswirkungen der Kieler Pläne. „Bei uns ändert sich nichts, wenn der Vertrag mit der Kommune nicht geändert wird“, bestätigt Regina Praetorius.

Die Kita-Leiterin weiß nur zu gut, wie stark die Beiträge für die Eltern vor dem Hintergrund von Tariferhöhungen in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Im Jahr 2008 kostete etwa die Betreuung eine Kindes in der Elementargruppe (über Dreijährige, Ü3) von 7.30 bis 16.30 Uhr noch 190 Euro monatlich. Mittlerweile ist der Beitrag auf 278 Euro gestiegen. Die jüngste Erhöhung sei vom Kita-Beirat, in dem jeweils drei Vertreter der Gemeinde Malente, der Kirchengemeinde der Mitarbeiter und der Eltern säßen, nur noch mit knapper Mehrheit gebilligt worden. Und die nächste Erhöhung komme voraussichtlich im August, wenn eine weitere Kraft dauerhaft eingestellt werde. Diese sei unbedingt nötig, weil sich Vertretungen im Krankheitsfall aufgrund des Fachkräftemangels nicht mehr anders gewährleisten ließen. Zwar beteilige sich die Kommune an den zusätzlichen Kosten, doch auch die Eltern müssten einen Anteil übernehmen.

Ähnlich sieht es im Awo-Kinderhaus aus. „Im Jahr 2012 kostete ein Ganztagesplatz im Ü3-Bereich 198 Euro, seit 2017 sind es 265 Euro“, berichtet Annett Klöfkorn-Papke. Wenn etwa ein Ehepaar mit zwei Kindern eines in die Krippe und eines in die Kita gebe – jeweils von 8 bis 13 Uhr – koste dies monatlich 500 Euro, rechnet sie vor. Bessere die Mutter das Familieneinkommen mit einer geringfügigen Beschäftigung auf, „dann arbeitet sie nur für die Kita-Finanzierung“.

Ailien Schulze-Entrup, Vorsitzende der Elternvertretung im Awo-Kinderhaus, weist auf einen weiteren Aspekt hin, der über die Betroffenheit der Eltern hinausgeht. „Niedrige Kita-Beiträge machen eine Kommune attraktiver“, sagt die berufstätige Mutter. Bei ihrem Arbeitgeber, Kendrion-Kuhnke, gebe es viele Pendler, für die eine hochwertige, aber auch kostengünstige Kita ein Argument wäre, ihren Wohnort nach Malente zu verlegen. Auswärtige Arbeitnehmer zum Umzug in die Gemeinde zu bewegen, das sei schließlich ein Ziel, das die Gemeinde auch mit dem Zukunftsprozess Malente 2030 verfolge.

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