Kirchenschiff wird runderneuert

Rücken dem alten Putz zu Leibe: (von vorne) die Maurer Rainer Sommerfeld, Henry Schmidt und Tibor Rodatz.
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Rücken dem alten Putz zu Leibe: (von vorne) die Maurer Rainer Sommerfeld, Henry Schmidt und Tibor Rodatz.

400 000 Euro kostet die Fassadensanierung der St.-Johannis-Kirche, die Erneuerung des Innenraums wird nochmal so teuer

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21. Mai 2011, 08:22 Uhr

Neukirchen | Ein Jahr nach der 850-Jahr-Feier unternimmt die Kirchengemeinde Neukirchen eine große Kraftanstrengung: Sie nimmt die Sanierung des Mittelschiffs ihrer St.-Johannis-Kirche in Angriff. Im ersten Abschnitt konzentrieren sich die Arbeiten auf die Fassade, erläuterte der leitende Architekt Torsten Ewers gestern bei einem Pressetermin. Auf der Rückseite der Vicelin-Kirche sind die Maurer bereits fleißig an der Arbeit, nach Pfingsten werde auch die Vorderseite der Kirche eingerüstet, kündigte Pastor Stefan Grützmacher an. Im Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Der Zahn der Zeit und Bausünden der Vergangenheit haben dem Gemäuer kräftig zugesetzt. Zu erkennen ist dies nicht nur an zahlreichen Rissen im Mauerwerk und herausbrechendem Putz. Wer darauf achtet, sieht auch, wie sich die Ecken des Kirchenschiffs nach außen beulen. Eine der Ursachen sind fehlerhafte Sanierungsversuche aus den 1950er Jahren. Damals verfüllte man die Fugen zwischen den Feldsteinen mit Zement. Ein schwerer Fehler, wie sich mit den Jahrzehnten herausgestellt hat. Denn der von den damaligen Baumeistern verwendete Hochbrand-Gipsmörtel verträgt sich nicht mit dem neuen Baustoff. "Sulfate reagieren mit dem Gips und entwickeln eine mineralische Sprengkraft", erklärt Ewers. Nun sollen die Mauer ecken mit zwanzig bis zu zwei Meter langen Mauerankern stabilisiert werden. Und der Zement wird soweit wie möglich durch Gipsmörtel ersetzt.

Die letzte große Sanierungsarbeit liegt 13 Jahre zurück, erläuterte Ewers. Damals wurde der Turm saniert. Vor 20 Jahren war es der Dachstuhl, der aufgrund von Schwammbefall erneuert werden musste. Mittlerweile hat die Kirchengemeinde diese Arbeiten finanziell soweit bewältigt, dass sie die nun begonnene Sanierung bewältigen kann. Die Kosten liegen bei 400 000 Euro, von denen die Gemeinde etwa 270 000 Euro stemmen muss, erklärte Grützmacher. 20 Prozent der Baukosten übernimmt der Kirchenkreis Ostholstein, weitere Mittel kommen von der Landeskirche, der Stiftung Kirchliche Baudenkmäler und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Eine Summe von 3200 Euro hatte zudem der Verschönerungsverein gegeben, weitere Spenden kamen von Privatleuten.

Grützmacher zeigte sich zwar erleichtert, dass sich zwei Stiftungen an der Finanzierung beteiligen. Doch an Stiftungsgelder heranzukommen, sei ähnlich harte Meißelarbeit wie die der Maurer einer Wismarer Firma, die derzeit den alten Putz entfernen. Ursprünglich hatte die Kirchengemeinde gehofft, im nächsten Jahr auch die Innensanierung in Angriff nehmen zu können. Doch das sei "überhaupt noch nicht sicher", sagte Peter Wulff, Leiter des Bauausschusses der Kirchengemeinde. Denn damit seien erneut Kosten von 400 000 Euro verbunden. Weitere Spenden seien daher hochwillkommen.

Auf jeden Fall wolle man aber - mit Hilfe der Aktiv-Region - die einzigartige Taufkapelle auf der Westseite in Angriff nehmen, in der ein Taufengel über dem alten Taufstein aus Gotländer Granit schwebt. Dafür wären etwa 80 000 Euro nötig. Derzeit habe die Taufkapelle aufgrund des an vielen Stellen fehlenden Putzes leider eher den rustikalen Charakter eines Bierkellers, bedauerte Grützmacher.

Im Kirchenschiff zeigen sich vor allem im unteren Mauerwerk ebenfalls die nackten Feldsteine. Der Putz sei vor etwa 25 Jahren abgeschlagen worden, weil Feuchtigkeit zu einer starken Versalzung geführt habe, erklärte Ewers. Dazu beigetragen hat die mangelhafte Abführung des Regenwassers, die an den Ecken auch die Fundamente absacken ließ. Die Entwässerung wird daher ebenfalls fachgerecht erneuert.

Künftig soll sich die Kirche innen wieder vollständig in weiß zeigen. Ein weißes Gewand trug die Kirche übrigens über viele Jahrhunderte auch außen, erklärte Ewers. Erst nach und nach sei die etwa zwei bis drei Zentimeter dicke Gipsmörtelschicht verwittert. Die uns heute so vertraute Feldstein optik gebe es noch gar nicht so lange. Sie wird aber durch die Sanierung nicht angetastet.

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