Kirche will Orgel aufmöbeln

Im Hauptwerk der Orgel geht es nur in der Hocke vorwärts, wie Kantorin Antje Wissemann zeigt. Der Einstieg in den Bereich hinter den Pfeifen ist nur über eine Leiter möglich.  Fotos: Juliane kahlke
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Im Hauptwerk der Orgel geht es nur in der Hocke vorwärts, wie Kantorin Antje Wissemann zeigt. Der Einstieg in den Bereich hinter den Pfeifen ist nur über eine Leiter möglich. Fotos: Juliane kahlke

In der Martin-Luther-Kirche in Fissau weist die „Königin der Instrumente“ Mängel auf / Reparatur im nächsten Jahr

shz.de von
15. Juni 2018, 15:37 Uhr

Die Orgel in Fissau lässt Luft. Der Grund ist ein Riss im Blasebalg. Der Kanal sorgt für den Windstrom, wie Kantorin Antje Wissemann erklärt. Der Riss sei einer der Gründe, warum das Instrument in der Martin-Luther-Kirche im nächsten Jahr renoviert werden muss.
Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Eutin plant, den Auftrag dafür noch in diesem Monat zu vergeben. Sie rechnet mit Kosten in Höhe von ungefähr 100 000 bis 130 000 Euro.

Für die Orgelbauer wird es dann eng werden. An den Blasebalg kommen sie nur heran, wenn sie einen Teil der Orgel mitsamt dem Gehäuse öffnen. Die enge und verwinkelte Bauweise im Instrument weise auf seinen Erbauer hin. Die Lübecker Firma Kemper ist nach Auskunft Wissemanns bekannt für solche Bauweise. Zudem seien die Manuale schwergängig und die Materialien nicht gut, was allerdings der damaligen Zeit geschuldet sei.

1968 erbaut, nahm die Orgelbaufirma bereits 1982 erste Reparaturen vor. Elf Jahre später war die Firma Lobback beauftragt worden, in größerem Umfang zu renovieren. Sie konstruierte die Trakturen (Verbindung von Tastatur zu Pfeifen) neu, ersetzte Dichtungen, baute einen Tremulanten (bringt den Wind zum schwingen) ein und überarbeitete die Pfeifen klanglich.

Die Töne werden in den Pfeifen mittels Wind erzeugt, eine Mechanik stößt den Vorgang an. Die Versuche mit pneumatischem Anstoß (wie in der Romantik) oder dem elektronischen hätten nicht überzeugt, sagt Wissemann. Deshalb würden die Orgeln heute immer noch oder wieder in bewährter mechanischer Weise gebaut.

Die Orgel verfügt über 17 klingende Register (sie entsprechen verschiedenen Instrumenten) auf zwei Manualen (Tastaturen) und einem Pedal (Fußtasten). Das Instrument hat ein Hauptwerk und ein Rückpositiv (an der Empore). In dem vorliegenden Gutachten werden elf Register beanstandet, drei davon sprechen nicht an oder funktionieren nicht.

Für Orgeln gebe es keine bestimmte Verfallszeiten. Da komme es auf viele Faktoren, nicht zuletzt die Umgebung an, sagt Wissemann. Die Kirche in Fissau sei noch recht jung, habe aber eine feucht-warmes Raumklima. Dieser Zustand beschleunige die Bildung von Schimmel. Der finde sich nicht nur zwischen den Pfeifen, auch oben auf den Pfeifenrändern im Hauptwerk sind die Pilzsporen mit bloßem Auge zu erkennen. Nach der Renovierung wird die Orgel wieder 100 Prozent Wind für die Tonbildung zur Verfügung haben, staub- und schimmelfrei sein. Doch bis es soweit ist, muss der versierte Hörer auf eine saubere Intonation und kraftvolle Töne verzichten.

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