Kirche sucht Wohnungen für Flüchtlinge – Zwei neue Ansprechpartner

Wollen vermitteln: Alexandra Klatt und Daniel Hettwich.
Wollen vermitteln: Alexandra Klatt und Daniel Hettwich.

shz.de von
31. Januar 2018, 13:26 Uhr

Der Kirchenkreis Ostholstein wird künftig anerkannte Flüchtlinge bei ihrer Suche nach einer geeigneten Wohnung unterstützen. Ein zentraler Aspekt des Angebots sei die Begleitung und Beratung von Vermietern und Mietern während der ersten 100 Tage eines Mietverhältnisses. Vorhandene Unterstützungsangebote des Kirchenkreises für andere Wohnungssuchende mit geringem Einkommen blieben davon unberührt. „Unser Anliegen ist nicht, die eine Gruppe gegen eine andere auszuspielen“, erläutert Daniel Hettwich, der sich gemeinsam mit Alexandra Klatt speziell um Flüchtlinge mit einem Aufenthaltstitel kümmern wird. Der Kirchenkreis hat die neue Aufgabe im Auftrag des Kreises Ostholstein übernommen.

Angesichts des eklatanten Mangels an bezahlbaren Unterkünften vor allem im städtischen Bereich sähen sich viele Bevölkerungsgruppen in der schwierigen Situation, eine Bleibe für sich oder ihre Familie zu finden. Alleinerziehende, Großfamilien, Geringverdiener oder Senioren mit kleiner Rente: Sie alle konkurrierten um einfache Wohnungen, die wenig kosteten. Besonders in großstadtnahen Gebieten wie Bad Schwartau und Stockelsdorf sei die Lage fast aussichtslos.
„All diese Gruppen sind in der schwierigen Situation, dass der Wohnungsmarkt weitgehend leergefegt ist. Und Flüchtlinge stehen in diesem Ranking ganz am Ende“, sagt Hettwich, der in den vergangenen Jahren bei der Gemeindediakonie Lübeck in der Wohnraumvermittlung für „Menschen auf der Flucht“ gearbeitet hat. Klatt wiederum war in einem Heim für unbegleitete Minderjährige in Plön tätig, bevor sie in die Landesunterkunft in Lütjenburg wechselte und nun beim Kirchenkreis beginnt. Insofern seien beide mit der Problematik bei Menschen mit Migrationshintergrund vertraut. Beide stellen klar: Es gehe nicht um Privilegien für Flüchtlinge, sondern um eine Hilfe, damit sie überhaupt eine Chance bei der Wohnungssuche hätten.

Einerseits werde von Flüchtlingen erwartet, dass sie sich in die Gesellschaft integrierten, doch andererseits gelinge es ihnen nur schwer, eigenständig Wohnraum zu finden und mieten. Dabei sei das die Voraussetzung, um den Start in einem noch fremden Land schaffen zu können. Vorurteile, Sprachschwierigkeiten und negative Erfahrungen auf Seiten der Vermieter seien da ebenso hinderlich wie die Unkenntnis über Rechte und Pflichten als Mieter. „Mülltrennung steht, um es überspitzt zu formulieren, auf der Prioritätenliste eines Geflüchteten nicht ganz oben“, sagt Hettwich. Er verweist auf die bis zu 18 Monate andauernde Unterbringung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften mit Gemeinschaftsduschen, was zu Konflikten führe. „Jede Nachricht, dass es in einer Sammelunterkunft zu einem Streit gekommen ist, wirkt auf Vermieter natürlich abschreckend.“ Ihre Aufgabe sei es, genau da eine Brücke zwischen Vermietern und Geflüchteten zu bauen.

„Ob Mülltrennung oder eine Ansammlung von Schuhen vor der Tür, wie sie bei Muslimen üblich ist, es gibt meiner Erfahrung nach nichts, was sich nicht durch ein vernünftiges Gespräch lösen ließe“, ergänzt Diplom-Theologin Klatt. Auch das richtige Lüften zur Vermeidung von Schimmelbildung oder der sparsame Umgang mit Heizung und Wasser seien kein Problem, wenn mit den Flüchtlingen darüber gesprochen werde. „In den Heimatländern der Geflüchteten sind solche Dinge eben weitgehend unbekannt“, sagt die Pastorin.

Neben der Vermittlung von geeignetem Wohnraum zwischen Vermietern und Flüchtlingen kümmern sich beide um Kostenübernahme für Miete und Kaution durch das Jobcenter oder die Anmeldung von Strom und den Abschluss einer Haftpflichtversicherung für die Flüchtlinge und anderes mehr. Vor allem wird der Kontakt zu Wohnungsbaugesellschaften und privaten Vermietern gesucht. „Den Vermietern wollen wir die Sorge nehmen, dass die Vermietung an Flüchtlinge immer mit Unzulänglichkeiten behaftet ist“, sagt Hettwich.


Interessierte Vermieter wenden sich per E-Mail an bezahlbar.wohnen @kk-oh.de oder telefonisch an Daniel Hettwich (Tel. 04521/8005-207) oder Alexandra Klatt (Tel. 04521/8005-213).



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