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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 10:08 Uhr

Kirche fühlt Politikern auf den Zahn

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bundestagskandidaten diskutieren beim Kirchenkreis Plön-Segeberg in Preetz über Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit

von
erstellt am 17.Jul.2017 | 12:58 Uhr

Knapp zwei Monate vor der Bundestagswahl haben kürzlich die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 6 (Plön-Neumünster) im Museum „Tuch+Technik“ über die Themen Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit diskutiert. Eingeladen dazu hatte die Nordkirche gemeinsam mit den Kirchenkreisen Plön-Segeberg und Altholstein.

An der Veranstaltung nahmen die Bundestagsabgeordnete Birgit Malecha-Nissen (SPD), Susanne Elbert (Bündnis 90 / Die Grünen), Martin Wolf (FDP) und Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) teil. Die Direktkandidatin der CDU hatte ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt, die ebenfalls angefragte AfD hat noch keinen Direktkandidaten bestimmt.

„Wir möchten, dass Bürgerinnen und Bürger auf Augenhöhe mit Politikern ins Gespräch kommen“, erklärte Moderator Friedemann Magaard vom Christian-Jensen-Kolleg zu Beginn. Etwa 65 Teilnehmer verfolgten die Diskussion – und brachten sich selbst in der Publikumsrunde mit vielen Fragen ein. Konkret ging es in der Debatte unter anderem um Rüstungsexporte, die Grenzen des Wachstums und um die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Dieses Thema war ein Schwerpunkt der Debatte: Wolf (FDP) sagte, er betrachte bei Entscheidungen über Auslandseinsätze die Aspekte Verantwortung, Mandat, Umfang und Ziel. Für ihn kämen sie nur als „ultima ratio“ infrage. Elbert (Bündnis 90 / Die Grünen) erklärte, sie sage „erstmal kategorisch Nein“ zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Für sie seien diese nur in absoluten Ausnahmefällen als UN-Mission denkbar.

Beutin (Die Linke) lehnte Auslandseinsätze ab und forderte, die Bundeswehr aus den laufenden Missionen abzuziehen sowie Kriegsursachen zu bekämpfen. Krieg gegen Terror bringe weitere zivile Opfer. Malecha-Nissen (SPD) berichtete, dass sie solche Entscheidungen kritisch prüfe und auch schon zwei Mal im Bundestag gegen Auslandseinsätze gestimmt habe – auch gegen die offizielle Linie der großen Koalition. Den anderen Anträgen zu Militäreinsätzen habe sie zugestimmt.

Propst Erich Faehling zog in seinem Schlusswort ein Fazit der Veranstaltung: „Ich habe mich gefreut, dass die Politiker konkret und auf Augenhöhe diskutiert haben, hätte mir aber quer durch die politischen Linien mehr Mut zu Utopien von Veränderungen gewünscht“, sagte er. Faehling appellierte an die Zuhörer: „Friedenswille können wir nicht delegieren, wir müssen es selbst in die Hand nehmen“, sagte er.

Die Veranstaltung gehört zur Reihe „Demokratie-Kolleg 2017“ und findet vor den Bundestagswahlen im September in allen schleswig-holsteinischen Wahlkreisen statt. Es ist ein Projekt des Christian Jensen Kollegs, der Stabsstelle Presse und Kommunikation der Nordkirche, der Evangelischen Akademie, des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein und der Kirchenkreise in Schleswig-Holstein.

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