„Kinderpornos sind kein kleines Delikt“

32-Jähriger verschickt unter falscher Identität Videos

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13. Juli 2015, 14:12 Uhr

Heiko S.* (32) wirkt groß, schlaksig und unsicher als er neben seinem Anwalt im Eutiner Amtsgericht Platz nimmt. Eine Schulklasse ist im Saal zu Gast, der Vorwurf denkbar unangenehm: Heiko S. soll laut Anklage zwischen dem 13. Mai 2012 und dem 20. Januar 2013 in 15 Fällen kinderpornografische Schriften und/oder Videos per Skype und ICQ unter falscher Identität verbreitet haben. Die zumeist englischen Titel der Videos deuten auf Kinder oft unter zehn und 15 Jahren hin.

Er reibt seine Hände und schaut auf den Tisch vor sich, während der Staatsanwalt in die Details geht. Sein Verteidiger räumt stellvertretend für ihn alles ein. Heiko S. muss tief durchatmen, als er von Richter Otto Witt nach dem Warum gefragt wird. Er sei aufgeregt, seine Jugend nicht einfach gewesen. „Ich musste mich ablenken.“ Sein gesetzlicher Betreuer sitzt auch unter den Zuhörern. Er war es schließlich, das lobt Witt, der offen mit allen kommuniziert und die Wege für eine Sexualtherapie bereitet hat, nachdem alles aufflog.

Witt: „Wie kam es eigentlich heraus?“ S.: „Ich habe, gut wie ich immer bin, meinem Bruder für Bewerbungsunterlagen an meinen Computer gelassen.“ Der hatte die Polizei informiert und so alles ins Rollen gebracht. Witt: „Ich kenne Sie ja auch aus der Betreuung und hatte ein bisschen das Gefühl, dass sie froh sind, dass alles ein Ende hat. Ist das so?“ Angeklagter: „Ja, die Therapie tut mir gut.“ Seit fast einem Jahr macht der 32-Jährige jetzt eine Sexualtherapie. Eine Wiederholungsgefahr sehen Staatsanwalt und Richter nicht.

Heiko S. wurde zu einem Jahr Freiheitsstrafe (auf Bewährung) und 60 Arbeitsstunden verurteilt. Witt begründet: „Sie müssen ja auch merken, dass sie verurteilt wurden. Denn kinderpornografische Schriften sind kein kleiner Ladendiebstahl.“

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