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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 12:36 Uhr

Eutin : Kinder sollen wieder toben lernen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Kinderinsel und mehrere Sportvereine machen allen Vorschulkindern in Eutin ein Bewegungsangebot. Start ist am 4. September.

Es ist nicht lange her, da haben Kinder nicht mit einem Joystick am Computer gespielt, sondern im Freien. Sie haben Fußball gebolzt, Gummitwist getanzt, geschaukelt. Sie sind geklettert, haben Baumhäuser gebaut oder sind mit dem Tretroller Rennen gefahren.

Heute machen das viele Kinder nicht mehr. Jedes fünfte Kind zeigt beim Einschulungstest motorische Probleme – Tendenz steigend. Der Bewegungsmangel schon in jüngsten Jahren hat fatale Folgen, denn wer Körperbeherrschung nicht lernt, der wird bei allen anderen Formen des Lernens im Nachteil sein. Das haben Wissenschaftler herausgefunden.

Diesem Trend will der Eutiner Kindergarten „Kinderinsel“ entgegenwirken. Anfang Juli wurde er als erste Kindertagesstätte in Ostholstein mit dem Siegel „Anerkannter Bewegungskindergarten“ des Landessportverbandes ausgezeichnet (wir berichteten). Mit diesem Zertifikat werden die pädagogische Arbeit eines speziell geschulten Personals und die Einrichtung des Kindergartens mit vielen Anregungen zur Bewegung bescheinigt.

Der vom Kinderschutzbund getragene Kindergarten will aber auch Außenwirkung erzeugen, und das macht er
in Zusammenarbeit mit vier Eutiner Sportvereinen: Ballspielgemeinschaft (BSG), Polizeisportverein (PSV), Turnerschaft (TS) Riemann sowie der Turn- und Sportverein (TSV) Fissau sitzen mit ihm Boot bei einem öffentlichen Angebot, das am Freitag, 4. September, um 16 Uhr in der Turnhalle der Gustav-Peters-Schule startet: „Psychomotorisches Turnen – Kinderturnen für alle“ heißt es dann eine Stunde lang für alle Kinder zwischen drei und sechs Jahren.

Die Idee lautet: „Ein erlebnisorientiertes Bewegungsangebot, das vielfältige Bewegungserfahrungen bietet. Spannende Geräteaufbauten und ausgewählte Spiele laden die Kinder ein, nach Lust und Laune das Bewegungsangebot zu nutzen. Das Ausleben der kindlichen Bewegungsfreude ohne Leistungsvergleiche und Wettkampfcharakter stehen im Vordergrund.“

Die Leitung der Gruppe wird Nele Möller haben, die von Übungsleitern aus den Vereinen unterstützt wird. Für Eltern, die Mitglied in einem der vier Vereine sind, ist die Teilnahme ihrer Kinder kostenlos, andere zahlen 25 Euro für einen Zeitraum von 20 Wochen. Bei der Übergabe des Siegels hatte der Berater des Kindergartens, Diplom-Sportlehrer Torsten Heuer, erläutert, wie wichtig Bewegung für die Entwicklung von Körper und Geist ist: Kinder, die sich und ihre Umwelt entdeckten, hätten auch den Mut, in die Welt zu gehen. Je häufiger sich die Erfahrung der Unsicherheit einstelle, um so größer werde die Selbstsicherheit.

Im Grunde seien es ganz viele kleine „Unfälle“, die Kinder erleben müssten. Echte Unfälle seien extrem selten.

Diese im Grunde natürlich vorhandene Phase des „praktischen“ Lernens reiche bei jedem Kind bis ins achte Lebensjahr. Und genau sogenannten psychomotorischen Erfahrungen seien sehr wichtig für die Fähigkeit des Gehirns, sich theoretisches Wissen anzueignen. Auf eine einfache Formel gebracht: Wer sich als kleines Kind zu wenig bewegt hat, dem wird höchst wahrscheinlich das Lernen in der Schule schwer fallen.

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erstellt am 21.Aug.2015 | 14:54 Uhr

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