Plön : "Kinder kriegen die Leute sowieso"

Gut besucht war gestern der Demografiekonvent. Foto: Michael Kuhr
Gut besucht war gestern der Demografiekonvent. Foto: Michael Kuhr

"Kinder kriegen die Leute sowieso", sagte einmal Alt-Bundeskanzler Konrad Adenauer 1957. Was vor über 50 Jahren galt, ist heute Geschichte.

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09. März 2011, 11:12 Uhr

Plön | "Der Alte" irrte. Die Geburtenrate sinkt, die Menschen werden älter - der demografische Wandel ist in vollem Gang. Mit dem Thema befasste sich gestern ein Konvent, zu dem Landrat Dr. Volkram Gebel in die Aula des Gymnasiums Schloss Plön eingeladen hatte.

"Vor 54 Jahren wurde die gesetzliche Rentenversicherung auf die bis heute gültige Umlagefinanzierung umgestellt", sagte Gebel gestern in Plön vor 100 Politikern, Bürgermeistern, Vertretern von Vereinen und Verbänden, von Schulen und Pflegeheimen sowie der Feuerwehren. Die Geburtenrate lag 1960 bei durchschnittlich 2,36 Kinder pro Frau, heute noch bei etwa 1,3 Kinder.

Die Bevölkerung nimmt seit 2002 ab und wird bis 2050 um rund sieben Millionen Menschen auf insgesamt 75 Millionen schrumpfen. Zugleich werden die Deutschen immer älter. "Wir leben im Durchschnitt rund vier bis fünf Jahre länger als unsere Eltern. Und unsere Kinder leben wiederum vier Jahre länger als wir", sagte Gebel und weiter: "Diese demografische Entwicklung und der damit einhergehende Strukturwandel werden unsere Gesellschaft spürbar verändern." Es werde immer weniger zu verteilen geben.

Gestern Nachmittag wurde die Situation im Kreis Plön analysiert. Teilaspekte vom Arbeitsmarkt über die Schulen bis hin zum Kulturbereich wurden mit Zahlen und Fakten beleuchtet. "Fest steht, dass Geburtenrückgang und Alterungsprozess gerade den ländlichen Raum und damit einen Kreis wie Plön treffen", sagte Gebel. Innerhalb des Kreises würden weniger die Gemeinden im Kieler Umland sondern in den peripheren Räumen betroffen sein.

Doch es wird Probleme in der Fläche geben: Ältere Menschen suchen sich ein urbaneres Wohnumfeld. Jüngere Leute ziehen nicht im gleichen Umfang wie früher auf das Land. Gebel rechnete vor, dass der Kreis Plön 2025 nur noch rund 129 500 Einwohner haben wird. 2050, nur eine Generation weiter, würden nur noch rund 117 000 Einwohner im Kreis leben.

Eine Lösung kann darin liegen, dass sich die Einstellung zur Familie und zum Kind in der Gesellschaft wieder ändert und die immer weniger werdenden Jugendlichen genügend Arbeitsplatz- und Freizeitangebote in der Region vorfinden, damit der Kreis Plön für alle Altersgruppen interessant bleibt. Der Kreis kann den Abstimmungsprozess unter den Gemeinden fördern und koordinieren, nannte Gebel den Schulentwicklungsplan beispielhaft.

Zur guten Versorgung der Menschen auf dem Land gehöre ein gutes Ärztesystem sowie ausreichende Pflegeeinrichtungen. Auch der Arbeitsmarkt wird sich verändern: Künftig werden sich Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz aussuchen, nicht mehr Unternehmen zwischen einer großen Bewerberzahl auswählen können. Die fehlenden Kinder von Morgen fehlen nicht nur auf dem Arbeitsmarkt oder als Kunden, sie fehlen auch in den Freiwilligen Feuerwehren.

Einrichtungen müssen auf ihre Zukunftsfähigkeit und Anpassung an den demografischen Wandel überprüft werden. Dazu zählen Volkshochschulen, Büchereien, Musikschulen, das ÖPNV- Angebot sowie Sportvereine. Bis in den Abend hinein wurde in Plön diskutiert.

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