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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 09:36 Uhr

Keine Schule ist barrierefrei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Politik will Schulstandort Eutin für alle optimieren

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2015 | 14:24 Uhr

Ein Kind möchte ab August die fünfte Klasse der Wilhelm-Wisser-Schule am Kleinen Eutiner See besuchen. Das Problem: Das Gebäude ist nicht barrierefrei und das Kind ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Die Zeit drängt, die Politik wurde davon sprichwörtlich „überrascht“, wie der Schulausschussvorsitzende Hanjo Iwanowitsch (SPD) gestern sagte.

Am Dienstagabend sei das Problem im Schulausschuss erstmals thematisiert worden. „Der Ausschuss hat einstimmig von der Verwaltung eine Vorlage gefordert, was an welchen Schulgebäuden zu tun ist, um sie barrierefrei gestalten zu können“, sagte Iwanowitsch. Sobald dies vorliegt, wolle Politik entscheiden, was in welcher Reihenfolge getan werden muss.

Die gemeinsame Beschulung aller Kinder – auch Inklusion genannt – in der UN-Konvention und in Artikel 4 des Schleswig-Holsteinischen Schulgesetzes verankert. Die weiterführenden Schulen bereiten sich deshalb sukzessive darauf vor, alle Kinder zu unterrichten, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Denn es ist Aufgabe des Schulträger, die Voraussetzungen für inklusiven Unterricht zu schaffen. Gerade in alten Gebäuden (die jüngste Schule Eutins entstand Anfang der 70er Jahre) ist das besonders schwierig. Bisher sei das Kind auf keine Eutiner Schule gegangen. „Wir sind deshalb wirklich davon überrascht worden, dass darf und soll uns nicht noch einmal passieren“, sagte Iwanowitsch. In der nächsten Woche soll eine Vor-Ort-Begehung stattfinden, bei der Experten beurteilen, was kurzfristig getan werden kann, „um zumindest erst einmal temporär für diesen Fall eine Lösung zu finden“, sagte Iwanowitsch. Aber prinzipiell solle es künftig Ziel aller Schulen sein, barrierefrei zu werden. Iwanowitsch: „Wir sprechen da von einem unheimlich breiten Feld. Es geht ja nicht nur um Rollstuhlfahrer, sondern auch um Kinder, die eine Seh- oder Höreinschränkung haben.“

Für Neu- und Anbauten ist es schon seit einigen Jahren bei der Planung selbstverständlich, diese barrierefrei vorzunehmen, erklärte Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt. So sei der moderne Anbau an der Weber-Schule beispielsweise barrierefrei, auch gebe es dort einen Aufzug. „Das Gebäude an sich ist jedoch nicht barrierefrei“, sagte Iwanowitsch. „Unser Ziel muss es sein, den Schulstandort Eutin für alle Kinder zu optimieren und zugänglich zu machen“, so der Ausschussvorsitzende. Denn spätestens in zwei Jahren, wenn das Kind ins Hauptgebäude wechsle, seien die Hürden nicht minder. Iwanowitsch: „Und es gibt ja nicht nur dieses Kind, sondern die gesetzliche Verpflichtung dazu.“ Ob das Land die Kommunen auch finanziell bei der Umsetzung des Schulgesetzes unterstützt, ist derzeit unklar. Iwanowitsch: „Ich hoffe, dass sich da noch etwas ändert. Denn da kommt ja einiges auf uns zu.“

Sollte es im aktuellen Fall nicht möglich, das Gebäude bis zum Schuljahresbeginn 2015/16 für das Kind im Rollstuhl befahrbar zu machen, werde ein Förderausschuss einberufen, um sich nach einer geeigneten Schule in der Umgebung zu suchen, heißt es von der Verwaltung.



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