zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 11:28 Uhr

WILD-Camper : Keine Ruhe in der Kiesgrube

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Kiesgrube liefert meist über einige Jahrzehnte wertvolle Rohstoffe. Doch wenn die Quelle einmal versiegt, erobert die Natur das Gelände zurück. So auch in der ehemaligen Kiesgrube Sieversdorf am Malkwitzer Gehege. Doch Störenfriede behindern die Natur bei ihrer wichtigen Arbeit. Ungebetene Gäste sind Menschen, die das Refugium nach virtuellen Absprachen mit dröhnenden Motorcross-Maschinen, „wild“ campenden Wohnmobilisten oder Autos mit lauten Musikanlagen bevölkern.

Nicht nur für den Wasser- und Bodenverband (WBV) Schwentine ist das in Internet-Foren zum Geheimtipp erhobene Fahren mit Cross-Motorrädern, das Campen von Wohnmobilen und Zelten ein großes Ärgernis. „Wir haben die benutzten Zuwegungen über unsere Flächen hinweg bereits aufwändig abgesperrt“, sagte Gerd Schumacher, Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes Ostholstein, dem OHA. Doch Unbekannte hätten die Sperren bereits drei Mal wieder aufgebrochen. Vorsteher Schumacher und der WBV-Diplom-Ingenieur André Stoffers beklagen einen Schaden von knapp 2000 Euro und loben für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 300 Euro aus (Tel. 04521/ 7069027).

„Das ist ein schützenswertes Gelände, das mit europäischen Fördergeldern nach dem Kiesabbau wieder hergerichtet wird“, sagte Schumacher. Die Landschaft müsse sich von den jahrzehntelangen, menschlichen Einflüssen erholen. Wanderer dürften das Gelände genießen. Einheimische, die schwimmend in den Baggerseen Erfrischung suchen, seien auch willkommen. „Aber Wohnmobilisten und Motocross-Fahrer nicht“, klagte André Stoffers über meist achtlos nach feierlichen Exzessen in die Natur geworfene Hinterlassenschaften.

Zwischen Naturschützern und Motocross-Fahrern hat sich in den vergangenen zwei Jahren offensichtlich ein wahres Versteckspiel entwickelt. „Die kommen mit Kennzeichen aus Pinneberg, Nordfriesland, Neumünster oder Dithmarschen über Schleichwege über die Wiesen auf das Gelände“, weiß Schumacher. Und wenn sie dann gestellt werden sollen, fahren sie mit ihren Maschinen in alle Himmelsrichtungen und sind weg. Es sei sogar schon der Hochsitz eines Jägers in Flammen aufgegangen. Das gehe zu weit!

Mit den Schranken sollte diesem Treiben ein Ende gesetzt werden. Unbekannte brachen jedoch die Barrieren auf, verbrachten Zeit auf dem Gelände und hinterließen ihren Dreck. „Ich habe keine Lust, für fremde Leute Müll zu sammeln“, gestand Gerd Schumacher ein und kündigte jetzt drastische Maßnahmen an.

Meist zehn bis zwölf Motocross-Fahrer machen vornehmlich an den Wochenenden nicht nur Lärm. Sie machen auch den Seeschwalben ihren Brutplatz an den Hängen der ehemaligen Kiesgruben streitig. Mit ihren Bikes fahren sie die steilsten Hänge empor und stören auch so die Tierwelt und ihr Brutgeschäft. Ganz zu schweigen von dem Lärm, den sie bis ins Dorf und teilweise in die späte Nacht hinein verursachen. „Das kann doch keiner wollen“, sagte Gerd Schumacher. Bei der Polizei sei jetzt Anzeige erstattet worden.

„Das Dorf fühlt sich in seiner Ruhe gestört“, sagte Dorfvorsteher Frank Osterkamp. Dabei müsse in das schützenswerte Gelände dringend Ruhe einkehren. Es gehe nicht um Spaziergänger oder Badegäste aus dem Dorf, es gehe um den Vandalismus der Fremden, der große Probleme bereite. Darüber sei die Gemeinde Malente bereits mehrfach informiert worden – bisher ohne Erfolg. Sie habe dort einen Lagerplatz hinter einem Tor zur Areal, dass stets geöffnet sei.

Aber auch die Polizei hält sich offenbar vornehm zurück – obgleich mittlerweile auch die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird. Nämlich durch die alte Anlage zum Kiesabbau eines Unternehmers aus Lensahn als einem Eigentümer. Ein anderer Teil der Kieskuhle gehört auch dem Unternehmer Hans-Peter Wandhoff. „Man sollte den Charakter einer Kiesgrube beenden“, fürchtete er um ein hohes Verletzungsrisiko.

Er sei schon länger nicht erbaut darüber, dass sich dort eine Eigendynamik entwickelt habe. Der Kiesabbau, so Hans-Peter Wandhoff weiter, ist schon seit über drei Jahren Jahren unterbrochen. Jetzt müsse die Renaturierung erfolgen. Es seien schon viele Biotope entstanden. Der Kreis Ostholstein sollte in Sachen Renaturierung aktiv werden, empfahl Hans-Peter Wandhoff.



zur Startseite

von
erstellt am 14.Aug.2014 | 13:05 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen