Keine Angst vorm Bremsen

Slalomfahren, einparken und Vollbremsung inklusive Ausweichen auf glatter Fahrbahn. So ein Fahrtraining kann Gefahren bewusst machen und die eigene Aufmerksamkeit schulen. Eine Gemeinschaftsaktion unserer Zeitung mit den Itzehoer Versicherungen.

shz.de von
13. Juli 2015, 11:24 Uhr

Einsteigen, anschnallen, losfahren. Falsch gedacht. Bevor ich mit dem Ostholsteiner-Anzeiger-Corsa auf regennasser Fahrbahn schliddern kann, bremst mich Verkehrstrainer Michael Breitling und zeigt, dass es nicht nur auf das Fahrverhalten, sondern auch den richtigen Sitz und die Spiegeleinstellung ankommt. Ich bin beim Fahrsicherheitstraining und teste auf dem Gelände „Hungriger Wolf“, was unsere Leser am 16. August auch erleben können.

Zurück zum richtigen Sitzen: „Die Beine dürfen bei durchgetretenem Pedal nicht durchgestreckt sein, die Arme sollten auch eine leichte Beuge haben“, sagt Breitling. Der Grund: Im Falle eines Aufpralls geht die Kraft so nicht direkt in Hüftknochen, Becken oder Schultergelenk, schwere Brüche können so verhindert werden. Zwischen Kopfstütze und sogenanntem Himmel sollte eine Handbreit Platz sein, die Kopfstütze mit der Schädeldecke abschließen. Okay, der Sitz passt.

„Wie sind Ihre Spiegel eingestellt“, fragt Breitling in die Runde. Die einen wollen viel vom Auto sehen, als eigene Orientierung, die anderen viel vom Verkehr. Das Mittelding ist richtig. Breitling: „Ein Finger darf im Spiegel vom eigenen Auto zu sehen sein, dann sehe ich als Fahrer so viel vom Verkehr, dass ich durch den so verkürzten Toten Winkel die Autos dann mit Schulterblick entdecke.“ Er geht zum Kofferraum – Ladungssicherung. „Zum Glück bin ich mit dem Dienstwagen hier“, denke ich, als der Verkehrstrainer die Heckklappe öffnet und für jeden Gegenstand, der theoretisch im Kofferraum liegen könnte, eine unterschiedliche Antirutsch-Unterlage auspackt. „Für sperrige Sachen geht auch ein Fangnetz, dass es für jeden Typ gibt oder Sie sich passend im Baumarkt mit den Ösen kaufen können.“ Auf die Kofferraumabdeckung sollte man sich – im Falle eines Überschlags – nicht verlassen. „Das finden Sie dann auch bei sich zwischen den Sitzen wieder“, kommentiert Breitling.

Dann endlich die erste Fahrpraxis: Einparken, seitlich, rückwärts, in einem engen Innenhof. Die Lübecker Hütchen sind zwar verdammt klein als Abgrenzung, aber als regelmäßiger Autofahrer im Stadtverkehr zu meistern.

Ab zum Slalom: Mit verschiedenen Geschwindigkeiten geht es um die Hütchen – bestenfalls ohne zu bremsen. Spätestens jetzt ist der Tipp mit der Ladungssicherung angebracht. Verkehrstrainer Tim Hellfeuer rät: „Schauen Sie immer auf die Lücken. Wo Sie hinschauen, fahren Sie auch hin.“ Das erkläre die zahlreichen Unfälle in Alleen. Einmal von der Fahrbahn abgekommen, schaffen es die meisten in der kurzen Zeit der Reaktionsmöglichkeit nicht, die Konzentration auf den Freiraum zwischen den Bäumen zu lenken. Höhepunkt der Slalom-Etappe ist es, die Fliehkräfte in der hochgebockten A-Klasse des Trainers zu spüren. Mit nicht mal 40 Kilometer pro Stunde presst es uns seitlich in die Sitze – der Unterschied zwischen ESP an und aus war deutlich zu merken, insbesondere bei der Vollbremsung. Und dann liegt endlich die regennasse Fahrbahn vor uns. Mit 30, 50, 70 und 100 Kilometer pro Stunde sollten wir erfahren, was bei einer Vollbremsung oder Gefahrenbremsung, wie es der Fachmann nennt, passiert. Es ist beeindruckend, wie lang ein Weg plötzlich werden kann und wie zeitverzögert das Auto beim Ausweich-Lenken reagiert. Denn nach der simplen Vollbremsung müssen wir einem fiktiven Hindernis ausweichen und zurück auf die Fahrbahn lenken. „Hier machen gute Reifen schon mal einen Unterschied von bis zu zehn Metern“, sagt Trainer Volker Stolley. Hinzu komme der unabdingbare Mut, bei Gefahren wirklich zu bremsen. Auf dem Heimweg ist mein Sicherheitsabstand größer als vorher.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen