Malente : Keine Angst vor großen Sprüngen

Christopher (15) bewegt sich schon recht sicher auf den „Powerisern“, zur Sicherheit steht Mitschüler Christoph (13) bereit, um einzugreifen. Foto: Schröder
Christopher (15) bewegt sich schon recht sicher auf den „Powerisern“, zur Sicherheit steht Mitschüler Christoph (13) bereit, um einzugreifen. Foto: Schröder

An der Offenen Ganztagsschule in Malente gibt es jetzt Sprungstelzen.

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26. Januar 2011, 10:42 Uhr

Sprungstelzen. Ausgerechnet solche Sprungstelzen, wie sie Samuel Koch trug, als er damit bei "Wetten, dass..?" über ein fahrendes Auto springen wollte und dabei schwer verunglückte: Solche Sportgeräte kommen jetzt an der Offenen Ganztagsschule der Schule an den Auewiesen zum Einsatz. Drei Paar der Marke "Poweriser" im Wert von knapp 800 Euro spendeten Grünen-Fraktionschefin Dagmar Nöh-Schüren und der Malenter Bauinvestor Gerd Kalka der Ganztagsschule.

17 Kinder verschiedener Klassenstufen wollen gestern Nachmittag erfahren wie es sich anfühlt, mit den eigentümlichen Sportgeräten an den Unterschenkeln durch die Gegend zu hüpfen. Für sie gibt Romain Leroyer, Chefanimateur im Ostseebad Kellenhusen, einen Einführungskurs in der Ernst-Rüdiger-Sporthalle. Aus seinem Bestand hat er sechs weitere Sprungstelzen mitgebracht. Die heikle Frage nach der Sicherheit geht Le royer unumwunden an: "Habt ihr ,Wetten, dass..? gesehen?", fragt der 35-jährige Animateur die Kinder. "Ja!" rufen die meisten. "Das ist gut", sagt Leroyer. Denn da werde genau gezeigt, was man mit den Sportgeräten nicht machen solle.

Der Unfall in der Fernseh-Show hat die Kinder jedenfalls nicht verschreckt. Nach einer kurzen Aufwärmübung gehts los. Immer zu zweit. Einer schnallt sich die Stelzen um und sein Partner passt auf ihn auf. Nach wenigen Minuten haben sich die ersten freigeschwommen. Sie laufen mehr oder weniger elegant auf den 30 bis 40 Zentimeter hohen Stelzen, ohne sich abzustützen.

Die elfjährige Angelique hat den Bogen schnell raus: "Einmal gemacht und dann kann ich das schon", erklärt sie stolz. Hingefallen sei sie auch schon. "Tat gar nicht weh", schiebt die Fünftklässlerin ungefragt hinterher. Der Animateur hat den Schülern gleich beigebracht, wie man am besten stürzt. "Beim Runterfallen richtig lang machen", schärft der Mann mit dem schwarzen Vollbart den Kindern ein und macht es vor. Bloß nicht zuerst auf die Handgelenke fallen, dann wirds gefährlich. Wichtig ist, zuerst auf die Knie zu fallen. Das ist nicht weiter schlimm, denn die sind ebenso wie Ellenbogen und Handgelenke mit dicken Schonern geschützt, selbstverständlich tragen die Kinder auch einen Helm.

Unterdessen flitzt Bendix Herbst schon durch die Turnhalle, als hätte er Siebenmeilenstiefel an. Er hat seine Sprungstelzen bereits zu Weihnachten geschenkt bekommen und keine Angst vor großen Sprüngen. "Ich bin Turner, ein Unfall kann in jedem Sport passieren", sagt der 14-Jährige.

Dagmar Nöh-Schüren investierte die Sitzungsgelder, die sie als Fraktionschefin von der Gemeinde erhält, um die Spende zu ermöglichen, und sie animierte Gerd Kalka, ebenfalls etwas zu spenden. "Wer Spaß hat, der nimmt keine Drogen", begründet sie die Aktion vor den Kindern. Als der Unfall bei "Wetten, dass..?" passiert sei, sei ihr zunächst schon das Herz in die Hose gerutscht, räumt sie ein. Dennoch glaubt sie nicht, dass die "Poweriser" an sich gefährlich sind: "Weil man mit jedem Sportgerät über die Grenzen gehen kann." Und Unfälle seien beispielsweise auch beim Fahrradfahren möglich.

Eigentlich sollten die Sprungstelzen schon am 6. Dezember eingeführt werden - ausgerechnet zwei Tage nach dem Unfall. Zwar sei der Termin dann verschoben worden, aber mehr aus Pietätsgründen, erklärte Olaf Bormann, Leiter der Ganztagsschule. Er hat keine Bedenken, die Sportgeräte einzusetzen. "Wir machen keine waghalsigen Kunststücke", sagt er und versichert, dass die Geräte zudem nur unter Aufsicht eingesetzt würden. Die Erfahrungen von Animateur Leroyer scheinen ihm Recht zu geben. "Seit drei Jahren gibt es in Kellenhusen Kurse mit den Sprungstelzen", berichtet er. Noch nie habe sich jemand etwas gebrochen.

Wer etwas für die Ausrüstung der Offenen Ganztagsschule spenden möchte, kann sich unter Telefon 04523/989126 an das Büro der Ganztagsschule wenden.

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