Eutin: : Kein Kohleausstieg ohne Verzicht

Propst Peter Barz (re.) interviewte den CDU-Landtagsabgeordneten Tim Brockmann beim Talk im Garten am frischen Wasser.
Propst Peter Barz (re.) interviewte den CDU-Landtagsabgeordneten Tim Brockmann beim Talk im Garten am frischen Wasser.

Der CDU-Landtagsabgeordneter Tim Brockmann sprach mit Propst Peter Barz über Torfrock, den HSV und den Klimawandel.

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05. Juli 2019, 16:42 Uhr

Eutin | „Nur die Harten kommen in den Garten“ ist ein geflügeltes Wort. Es galt am Donnerstagabend auch für den Garten am frischen Wasser hinter dem Evangelischen Zentrum in Eutin. Propst Peter Barz attestierte den Besuchern jedenfalls, zu den Harten zu gehören. Denn beim Talk unter den Federbuchen mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Tim Brockmann war Durchhaltevermögen der Besucher gefragt. Statt sommerlicher Temperaturen gab es viel Wind und nur ein Minimum an Gradzahlen, die sonst Anfang Juli üblich sind. Ohne die Musik von Meinolf Stemmer und seiner Tochter Anneke Bella wäre es den Besuchern wahrscheinlich wesentlich kälter ums Herz gewesen.

Immerhin fast zwei Dutzend Menschen kamen

Immerhin fast zwei Dutzend Menschen kamen, um trotz der Kälte auszuharren und dem direkt im Wahlkreis Plön/Ostholstein gewählten Landtagsabgeordneten zuzuhören, wie er von seinen Wurzeln, Quellen und Früchten im Leben berichtet. Von den Wurzeln ist schnell erzählt: Geboren 1977 in Hamburg, wuchs Tim Brockmann in Aukrug auf und ging in Neumünster zur Schule. 1997 wurde er zur Bundeswehr nach Eutin einberufen. „Ich erinnere mich noch genau, da lief morgens im Radio von Status Quo ‚In the Army now‘“, erinnert sich Brockmann. Geprägt, so sagt er, fühle er sich durch „das schleswig-holsteinische Wesen“, nicht zuletzt wegen seiner Verwandtschaft im hohen Norden.

 „Money for Nothing“ von den Dire Straits war der erste Silberling, der bei Brockmann im Regal stand

Das erste Buch? So genau lässt sich das nicht sagen, beantwortet er der ersten Fragen des Propstes. Aber „Der Hahn ist tot“, ein Krimi von Ingrid Noll, den hat Brockmann auf dringende Empfehlung seiner Frau gelesen, die er 2003 kennenlernte und die im Gegensatz zu ihm viel häufiger die Nase in Bücher gesteckt hat. „Seit dem lese ich wieder deutlich mehr“, sagt Brockmann. Mit seiner Frau hat er einen bald zwölfjährigen Sohn und eine zehnjährige Tochter. Die erste Schallplatte? „Beinhart“ von Torfrock, antwortet der Politiker ohne lange zu überlegen. Dann kamen schon die CDs. „Money for Nothing“ von den Dire Straits war der erste Silberling, der bei Brockmann im Regal stand. Dass er als Jugendlicher in Bettwäsche von Bayern München nächtigte, sei ihm verziehen, wo er doch jetzt als Fan des HSV und von Holstein Kiel auch gelernt hat, was es bedeutet, mit einem Verein gelegentlich zu leiden.

Da ist jemand, der uns lenkt und steuert ein bisschen. Tim Brockmann, CDU-Landespolitiker
 

Gefragt nach den Kraftquellen in seinem Leben nennt der Unionspolitiker zuerst seine Familie und den Sport. Dreimal zehn Kilometer Laufen in der Woche, dann fühlt er sich wohl. Aber auch ein schöner Sommer, so sagt Brockmann, gebe ihm Kraft für den Rest des Jahres. Obwohl der sich zur evangelisch-lutherischen Kirche bekennt, wahrt der Politiker zum Glauben Distanz: „Da ist jemand, der uns lenkt und steuert ein bisschen. Aber wir lassen uns jetzt auch nicht nur steuern“, sagt er. Dennoch, Konfirmation, Heirat, so etwas ist ihm und seiner Familie wichtig. Propst Barz fragt auch nach den Früchten im Leben Tim Brockmanns. Er ist stolz auf das Erreichte, sowohl was seine Familie angeht als auch mit Blick auf sein Landtagsmandat. Bedrohungen von Extremisten, das ist Brockmann und seinen Parteifreunden noch nicht widerfahren. Vielleicht habe er sich bislang zu entsprechenden Themen „nicht pointiert genug“ geäußert, sagt er. Doch er hoffe auch, dass es so bleibe, ohne Bedrohungen, Shitstorms und andere Ärgernisse aus dem Internet.

Ein Politikwechsel, von jetzt auf gleich, das wird jedenfalls nicht funktionieren Tim Brockmann, CDU-Landespolitiker
 

Spannend wird es, als Propst Barz einen seiner Söhne mit einer Frage zitiert. Es ist eine sehr lange Frage, die schon in der Formulierung sehr kritisch mit der Klimapolitik der CDU ins Gericht geht. Da wird es auf einmal sehr politisch, ohne in diesem Format wirklich an die Substanz gehen zu können: Andere Parteien hätten es da leichter als die CDU als Volkspartei, antwortet Brockmann. Auch „Schüler am Freitag“ hätten es „wesentlich leichter“ meint er, weil die Union auch noch andere Menschen mit in den Blick nehme. Ein Politikwechsel, von jetzt auf gleich, das werde jedenfalls nicht funktionieren, ist sich Brockmann sicher. Und ein schneller Ausstieg aus der Kohlendioxid belastenden Energieerzeugung auch nicht. „Das wird uns – glaube ich – leider nicht gelingen, solange wir uns alle in der Komfortzone befinden.“

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