Kein Bus: Schönwalder Museum fühlt sich abgehängt

Wenig Anschluss trotz Bushaltestelle: Marc Dobkowitz (li.) und Stephan Abele finden auf dem Fahrplan viel zu wenige Busverbindungen.
Wenig Anschluss trotz Bushaltestelle: Marc Dobkowitz (li.) und Stephan Abele finden auf dem Fahrplan viel zu wenige Busverbindungen.

shz.de von
07. August 2018, 11:36 Uhr

Der Standort des Dorf- und Schulmuseums Schönwalde könnte nicht besser sein: Eine autofreie Straße samt idyllischem Dorfteich vor der Tür, Parkplätze samt Ladestation für Elektroautos sind direkt daneben, und nur wenige Schritte entfernt ist eine zentrale Bushaltestelle an der Schule. Dennoch ist der 1. Vorsitzende des Fördervereins, Marc Dobkowitz, unzufrieden. „Mit Linienbussen war unser Museum noch nicht gut erreichbar, aber mit fortschreitender Ausrichtung auf die Schülerbeförderung wird es immer schlechter. Museen haben in der Urlaubszeit Saison, aber dann fahren noch weniger Busse.“, ärgert er sich.

Aus Eutin gebe es an Wochenenden nach Schönwalde je eine Verbindung morgens, mittags und abends und im gleichen Rhythmus wieder zurück. Unter der Woche seien es in den Ferien nicht viel mehr Verbindungen. Aus Neustadt kann man die Bungsberggemeinde sonnabends und sonntags gar nicht mit dem Bus erreichen.

Dobkowitz findet es lobenswert, dass der Kreis zusammen mit Tourismusverband und dem schleswig-holsteinischen Nahverkehr die Touristen mit der aktuell vorgestellten Broschüre „Unterwegs mit Bus und Bahn an der Küste Ostholsteins“ auf den umweltschonenden ÖPNV aufmerksam mache. „Damit geraten die kleinen Kultureinrichtungen fern ab der Hauptverkehrsachsen weiter ins Hintertreffen.“, formuliert der Vorsitzende jedoch seine Befürchtungen. Wie wichtig eine Busverbindung sei, zeigten die außerschulischen Lernorte „Museumshof Lensahn“ und „Bildungsspaß Bungsberg“. Die Möglichkeit eines kostenlosen Bustransfers auf den Bungsberg sei für Schulen und Kindergärten eines der größten Argumente für einen Besuch.

Das Dorf- und Schulmuseum kämpfe seit Jahren gegen den Rückgang der Schülergruppen an. „Wir hatten viele Schulen aus der Region bis nach Lübeck, die uns während der Unterrichtszeit für eine historische Schulstunde besucht haben. Heute ist es aber nicht mehr möglich, uns innerhalb eines Vormittages zu erreichen und bis Schulschluss wieder zurück zu sein“, beschreibt Dobkowitz ein Problem des vollständig ehrenamtlich geführten Museums.

Die Schulen müssten Busse mieten, was sich, wenn überhaupt finanzierbar, nur für einen Tagesausflug lohne. Bei diesem Aufwand werden dann oft die „Big Player“ in der Kulturlandschaft zum Ziel gemacht, beobachtet der Vereinsvorsitzende.

Viele Lehrer attestierten dem Museum seinen hohen pädagogischen Wert, könnten aber mit ihren Klassen Schönwalde nicht erreichen. Man sei bereits auf der Suche nach Lösungen: „Im Austausch mit anderen Museen haben wir schon an ein ‚Museums-Shuttle‘ gedacht, um Besucher bedarfsgerecht transportieren zu können.“ Ungelöst sei noch die Finanzierung. „Das Land will mit einem Investitionsprogramm des Kulturministeriums die kulturelle Infrastruktur im Land bis 2022 fördern und nachhaltig stärken. In der wichtigen Debatte um regionale Mobilität muss die Erreichbarkeit von kleinen Kultureinrichtungen ebenso im Fokus stehen, wie die der Schulen. Sonst geht Vielfalt verloren und die Kultur wird auf dem Land zu einem Luxus.“, formuliert Dobkowitz seine Erwartungen an die Politik.

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