Kein Bargeld – keine OP?

„Ich war fertig mit der Schicht“: Die Erinnriung von Jens Hegert an seinen letzten Aufenthalt in der Schön-Klinik Neustadt .
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„Ich war fertig mit der Schicht“: Die Erinnriung von Jens Hegert an seinen letzten Aufenthalt in der Schön-Klinik Neustadt .

Jens Hegert aus Lütjenburg sollte in Neustadt am Knie operiert werden – aber es kam anders als erhofft

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01. Juli 2014, 16:09 Uhr

So hatte sich der 65-jährige Jens Hegert seine Knie-Operation in der Neustädter Schön-Klinik nicht vorgestellt. Sechsmal war er in der dortigen Orthopädie schon operiert worden – und jetzt eine Knie-Spiegelung. Was er dort erlebte, fasst er in einem Satz zusammen: „Ich war fertig mit der Schicht“.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Am 24. März war Jens Hegert in der Ambulanz der Neustädter Klinik vorstellig geworden, legte seine Krankenkassenkarte vor und machte den Empfang auf die Änderungen aufmerksam. Ja, Wohnort und Krankenkasse hätten sich geändert, sagte er der Empfangsdame und diktierte die Adresse. Statt Krankenkasse „Alt“ mit Chefarztbehandlung nun Krankenkasse „Neu“ ohne Chefarztbehandlung, sagte er und legte der Dame die Karte vor.

Sechs Wochen später dann erneuter Besuch in der Ambulanz. Seine Karte brauchte er nicht vorzulegen. „Wir haben ja Ihre Daten“, habe man ihm gesagt.

Von Chefarzt Prof. Dr. Pavel Dufek selbst unterzeichnet kam wenig später die schriftliche Aufforderung, sich zur OP einzufinden. „Wir haben für Sie eine Operation am stationären Aufnahmetag vereinbart“, heißt es in dem Schreiben, das dem OHA zusammen mit anderen Unterlagen vorliegt. „Tag der Aufnahme am 17. Juni 2014 in der Klinik für Orthopädie.“

Was Jens Hegert dann erlebte, lässt ihn bis heute nicht zur Ruhe kommen. „Dabei war anfangs noch alles normal. Schon sechsmal hatte mich Professor Dufek operiert. Wir kennen uns deshalb auch persönlich.“ Um 7.30 Uhr fand sich der Patient nüchtern in der Klinik ein, meldete sich in der Patientenaufnahme. Im Gepäck seine stationäre Einweisung, die Versicherungskarte und die Röntgenaufnahmen – wie gewünscht.

„Ich legte meine Versicherungskarte am Empfang vor, die Mitarbeiterin stutzte, sagte, ich hätte keinen Anspruch auf einen Chefarzt.“ Lediglich das Einzelzimmer sei abgesprochen. „Ist mir bekannt“, sagte Hegert, „so habe ich es auch angegeben“.

Offenbar war bei der ersten Aufnahme der Daten ein Häkchen vom Empfang falsch gesetzt worden. „Ich habe in der OP-Aufnahme meinen Vorschuss für das abgesprochene Einzelzimmer hinterlegt.“ Was sich dann allerdings abspielte, hält Jens Hegert nicht mehr mit dem Namen der Klinik vereinbar.

Zunächst nahm Hegert im Warteraum Platz. Die OP wurde nach der Voruntersuchung um 11 Uhr angesetzt. Doch nach zehn Minuten im Warteraum spricht ihn ein Assistenzarzt an. Er habe keinen Chefarzt-Anspruch. „Professor Dufek kann Sie nicht operieren.“ Das sei ihm bekannt, sei auch nicht gefordert. Und dann kam es: „Wenn ich dennoch vom Chefarzt operiert werden möchte, sollte ich 500 Euro zahlen“, schildert Jens Hegert das dann folgende. „Da ich bei Operationen immer ein komisches Gefühl habe, willigte ich ein, die Mehrkosten zu zahlen.“ Daraufhin verschwand der Assistenzarzt.

Zehn Minuten später war er wieder da. Man wolle die 500 Euro in bar, sagte der Arzt. Die hatte Hegert nicht dabei, seine Bankkarte hatte er nicht mitgenommen, konnte deshalb auch nicht zum Geldautomaten. Eine Kostenübernahmeerklärung oder Rechnung sei nicht möglich, wurde ihm erklärt. „Ich will doch nur operiert werden, damit ich mich endlich schmerzfrei bewegen kann“. Das konnte der freundliche Assistenzarzt verstehen und verschwand wieder. Als er wieder kam, war die Botschaft klar. „500 Euro in bar, jetzt, sonst keine Operation“, erinnert sich Hegert.

Auf seine Frage, ob ihn denn nicht jemand anderes operieren könne, verschwindet der Assistenzarzt erneut. „20 Minuten später kommt eine Schwester und sagt, es geht los, ich war mehr als erleichtert“. Drei Mal tief durchatmen, zweieinhalb Stunden endloses Warten. Wahrscheinlich hat irgendjemand irgendwo einen Fehler gemacht. Gut, kann passieren, ich zahle ja, meine Krankenkasse auch, sagt sich Hegert. „Bis dahin glaubte ich wirklich, Patient und Gesundheit kommen vor dem Geld.“

Da wurde er eines Besseren belehrt. Schon im „OP-Flügelkleid“ kam eine „sichtlich peinlich berührte Schwester“ zu ihm. Sie sagte: „Wir finden keinen Operateur, ziehen Sie sich bitte an und gehen Sie nach Hause.“

Jens Hegert hat sich angezogen und ist gegangen. In der Tasche eine Rechnung der Anästhesie über 41,56 Euro. Er fragt sich, warum man seine Kostenübernahme nicht annehmen wollte und auch eine Zahlung auf Rechnung abgelehnt worden sei. Warum bestand man auf Barzahlung, fragt er sich. Vor allem wer?

Und dann setzte die Klinik noch einen obendrauf. MRT- Bilder von Hegert habe sie „trotz gründlicher Nachforschung“ nicht, ließ sie dem Patienten mitteilen. Einen Tag später kommen die Bilder dennoch ohne Anschreiben von der Verwaltung.

Hegert beschwerte sich bei der Klinik und bat um eine Stellungnahme vom Chefarzt Professor Dr. Dufek. In der seien Fehler eingeräumt worden. Laut Klinik wurde Jens Hegert im falschen OP auf die Operation vorbereitet – nicht da, wo der Professor ihn erwartet habe. Zudem habe Professor Dufek keine Kenntnis von der Bargeldforderung gehabt.

Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme des Chefarztes für den OHA: „In diesem speziellen Fall fehlte es offenbar an ausreichend Transparenz bei den administrativen Patientenaufnahmeprozessen. Wir werden diesen Fall zum Anlass nehmen, um unsere internen Abläufe noch einmal genau zu hinterfragen und gegebenenfalls nachzubessern. Für die für den Patienten entstandenen Unannehmlichkeiten haben wir uns entschuldigt und bedauern diese ausdrücklich. Wir und ich persönlich stehen ihm für weitere Gespräche jederzeit zur Verfügung“, so Professor Dufek.

Jens Hegert reicht die Entschuldigung nicht. Er hat die Ärztekammer Schleswig-Holstein eingeschaltet. Dort werden derartige Beschwerden berufsrechtlich mit Anhörung aller Betroffenen geprüft.

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