Keime: Fünf Tote in der Uniklinik Kiel

Erreger bei 14 Patienten nachgewiesen / Groß-Operationen werden verschoben

shz.de von
23. Januar 2015, 15:37 Uhr

Nach dem Tod von fünf Patienten, bei denen ein Keim nachgewiesen wurde, der nicht auf Antibiotika reagiert, zieht das Kieler Uniklinik die Reißleine. „Bis auf weiteres werden keine internistischen Notfallpatienten mehr aufgenommen“, erklärte UKSH-Chef Jens Scholz gestern. Damit will man verhindern dass sich der brandgefährliche Erreger mit dem Namen Acinetobacter Baumanni weiter ausbreitet. Derzeit liegen im Klinikum noch 14 Patienten bei denen der Erreger nachgewiesen wurde, davon acht in der Klinik für innere Medizin und sechs auf der Chirurgie. Eingeschleppt wurde der Erreger offenbar Mitte Dezember von einem 74-jährigen türkischstämmigen Deutschen der aus einem Urlaub in seiner Heimat zurückkam und inzwischen verstorben ist. Weil auch eine der drei Intensivstationen in der Chirurgie blockiert ist – dort werden infizierte Patienten isoliert – müssen voraussichtlich geplante Groß-Operationen in den kommenden Tagen verschoben werden.

„Trotz des Aufnahmestopps für Notfallpatienten im Uniklinikum ist die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt“, erklärte die Staatssekretärin im Sozialministerium Anette Langner (SPD). Die Klinikleitung habe die obligatorische Meldekette eingehalten und sich über Maßnahmen eng mit Gesundheitsamt abgestimmt.

Wie Experten unter anderm des Robert Koch Inistuts (RKI) in Berlin berichten, kann der tückische Keim, der zu den sechs meist gefürchtesten Erregern überhaupt gehört, wochenlang am Stethoskop, an einer Blutdruckmanschette oder einer Computertastatur überleben. Das RKI spricht von einem Krankenhauskeim „mit beunruhigendem Entwicklungspotenzial“. Die Übertragung erfolgt über Hände und medizinische Materialien, aber auch durch die Luft.

Laut UKSH werden zurzeit alle Patienten aus dem Umfeld der infizierten Menschen auf den Keim getestet. Dafür werden Abstriche gemacht. Bis Ergebnisse vorliegen, dauert es normalerweise fünf Tage.
Schleswig-Holstein S. 9

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