Synodaler Weg : Katholische Kirche in der Krise, der Eutiner Hubertus Lürbke ist am Reformprozess beteiligt

Michaela Labudda und Hubertus Lürbke sind Vorsitzende des Bundesverbandes der Gemeindereferenten.
Michaela Labudda und Hubertus Lürbke sind Vorsitzende des Bundesverbandes der Gemeindereferenten.

Als Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Wegs zählt der Gemeindereferent zu einem exklusiven Kreis.

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11. Februar 2021, 09:00 Uhr

Eutin | Die Katholische Kirche in Deutschland steckt einer tiefen Krise, dem sie mit einem Reformprozess begegnet. Der hat unter dem Namen „Synodaler Weg“ am 1. Dezember 2019 begonnen.

Das Gremium, das diesen Prozess voran bringt, heißt Synodalversammlung, und der gehört ein Eutiner an: Hubertus Lürbke. Der 59-Jährige ist Gemeindereferent in der Pfarrei St. Vicelin Eutin und Mitglied der Mitarbeitervertretung sowie Vorsitzender der Bundesverbandes der Gemeindereferentinnen und -referenten. Dieser Berufsverband hat eine Doppelspitze, die Hubertus Lürbke und Michaela Labudda bilden.

Das Buch mit Standpunkten zur Zukunft der katholischen Kirche ist bewusst zur Halbzeit des Synodalen Weges erschienen.
Bonifatius-Verlag
Das Buch mit Standpunkten zur Zukunft der katholischen Kirche ist bewusst zur Halbzeit des Synodalen Weges erschienen.
„Einblicke in den Maschinenraum dieses Reformprozesses“

Labudda (Unna), Wissenschaftliche Referentin an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und Gemeindereferentin im Erzbistum Paderborn, hat gemeinsam mit Marcus Leitschuh (Kassel), Rektor einer Gesamtschule in Immenhausen, ein Buch herausgegeben, das Anfang Februar erschienen ist: Mit dem Titel „Synodaler Weg – Letzte Chance?“ vereint es vielfältige Stimmen von Mitgliedern des Vollversammlung des Synodalen Weges: Die gewähren, wie es im Presstext des Bonifatius-Verlages heißt, „Einblicke in den Maschinenraum dieses Reformprozesses.“

Mehr als 20 Autoren sind vertreten, darunter Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof Hans-Josef Becker, die Bischöfe Gregor Maria Hanke und Felix Genn sowie Mitglieder der Vollversammlung, die wie Mara Klein oder Lisa Kötter große öffentlichge Aufmerksamkeit errungen haben.

Hubertus Lürbke geht in seinem Beitrag „Glaubwürdig oder bedeutungslos? Welche Chancen bietet der Synodale Weg?“ vor dem Hintergrund einer 30-jährigen Berufserfahrung im Pastoralen Dienst auf zwei Optionen ein, die seiner Meinung nach der Kirche noch bleiben.

Eine solche Kirche geht in der Zeit, nicht mit der Zeit; sie prägt den Zeitgeist, ohne ihm blind zu folgen. Hubertus Lürbke, Gemeindereferent
 

Ein Auszug aus Lürbkes Beitrag: „Mehr als ein halbes Jahrhundert lebe ich bewusst und engagiert in der katholischen Kirche. Das hat mich geprägt und mit zunehmenden Lebensalter vom unreflektierten Katholiken zu einem kritisch nachdenklichen Christen gewandelt, der in den letzten Jahren zunehmend fassungslos verfolgt, wie sich diese römisch-katholische Kirche immer deutlicher als den Machthabern dienend und nicht den Menschen zugewandt präsentiert.

Hubertus Lürbke ist Gemeindereferent in der Pfarrei St. Vicelin Eutin und Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Weges.
OHA-Archiv
Hubertus Lürbke ist Gemeindereferent in der Pfarrei St. Vicelin Eutin und Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Weges.

Darin aber, im Dienst an den Menschen, liegt ihre eigentliche und einzige Existenzberechtigung. Eine Kirche, die das ernst nimmt, wird jetzt einen konsequenten und schmerzhaften Weg der Aufdeckung gehen, auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse reagieren und diese vor dem Hintergrund ihrer eigenen Botschaft deuten. Sie wird zum Beispiel im Synodalen Weg aus den schlimmen Fehlern der Vergangenheit und Gegenwart lernen und den Weg in eine neue Glaubwürdigkeit finden. Eine solche Kirche geht in der Zeit, nicht mit der Zeit; sie prägt den Zeitgeist, ohne ihm blind zu folgen.“

Bewusst gewählter Erscheinungszeitpunkt

Der Erscheinungstermin des Buches zur „Halbzeit“ des Synodalen Weges sei bewusst gewählt: „Uns als Herausgebenden ist wichtig, den Weg vor etwaigen Beschlüssen transparenter werden zu lassen,“ erläuterte Michaela Labudda. Ihre Beobachtung sei, dass sich in der Kirche und beim Synodalen Weg nicht zwei Blöcke gegenüberstünden.

„Es gibt freilich medial aufgebauschte Scheinriesen“, so Marcus Leitschuh in der Pressemitteilung des Verlages. Deshalb stärke diese Veröffentlichung den ehrlichen Dialog und biete Basiswissen zum Mitreden. Aktiv werde der Dialog zu den Themen des Buches über eine Facebook-Seite angeregt (hier klicken).

Die letzte Chance, ein Signal zu senden

Für Marcus Leitschuh steht fest: Der Synodale Weg sei die letzte Chance, ein Signal auszusenden, dass Kirche kein Museumsförderverein sei, sondern Glaube etwas mit dem Hier und Jetzt zu tun habe. Michaela Labudda sagt, ihr sei während der Arbeit mit den vielfältigen Stimmen klar geworden, „wie reich unsere Kirche durch diejenigen ist, die mitgestalten. Und wie bitter es sich anfühlt, wenn so viele trotzdem gehen. Wir müssen noch viel mehr verstehen, dass unsere Kirche aus all diesen Mitgestaltenden besteht. Das wird zumindest in Deutschland auch von Bischöfen wertgeschätzt.“

Hintergrund: Der synodale Weg

Die im September 2018 während einer Bischofskonferenz veröffentlichte Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Geistliche führte zu einer tiefen Erschütterung. In der folgenden Konferenz im März 2019 in Lingen wurde ein Synodaler Weg beschlossen, den auch Papst Franziskus empfiehlt. Eine erweiterte Gemeinsame Konferenz von Bischöfen und Laien am 14. September 2019 in Fulda bereitete den Synodalen Weg vor. Die Eröffnung des auf zwei Jahre angelegten Reformprozesses fand am 1. Dezember 2019 in München statt. Der Vollversammlung gehören mehr als 200 Personen an, darunter jeweils 69 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, außerdem Vertreter verschiedener kirchlicher Gruppierungen und Vertreter verschiedener Berufsgruppen.

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