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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 14:46 Uhr

Karla Weiß: Ein Leben für Plattdeutsch

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 19.Okt.2015 | 17:59 Uhr

Die Pflege des Plattdeutschen in Eutin ist sehr eng mit einem Namen verknüpft: Karla Weiß. Sie ist eine Institution. Und ein rundum liebenswerter Mensch.

Geboren und aufgewachsen ist sie als Karla Ehlers in Eutin, neben ihren Eltern war auch eine Tante in Braak gute Lehrmeisterin in Sachen Plattdeutsch, die mit ihrem Mann einen Dorfkrug betrieb – nahe der Kate, in der Wilhelm Wisser aufgewachsen ist. Mit dem als „Märchenprofessor“ bekannt gewordenen Lehrer ist sie verwandt: Eine Schwester Wissers ist eine Urgroßmutter von Karla Weiß.

Die 82-Jährige war immer eine tragende Säule der Stadtgilde, die vor fast 60 Jahren zur Pflege der plattdeutschen Sprache und Traditionen gegründet worden ist. Und seit 1971 ist sie bis heute das „Sprachrohr“ der Gill.

Die 14-jährige Karla Ehlers war am 18. Februar 1947 dabei, als die Stadtgill vom Eutiner Ehrenbürger Gustav Peters gegründet wurde. Neben ihr gibt es nur noch eine weitere Zeitzeugin dieser historischen Stunde im Voß-Haus.

Zu den ersten publikumswirksamen Aktionen der Gill gehörten plattdeutsche Theaterstücke – und Karla Weiß immer in tragenden Rollen. Bis zum Ende der 1950er Jahre hinein gab es eine Theatergruppe der Gill. 1966 gründete die Stadtgilde einen Singkreis, der sich „Rode Grütt“ nannte und bis zu seiner Auflösung 1992 von dem Musikpädagogen Ewald Schäfer geleitet wurde. Zu den treuen Sängern gehörte Karla Weiß.

Die Mutter von drei Kindern und Großmutter von sechs Enkeln war viele Jahre Beisitzerin und 2. Vorsitzende der Gilde. 1979 übernahm sie offiziell das Amt der Schriftführerin – aber schon seit 1971 schrieb sie alle Zeitungsberichte über die Aktivitäten der Stadtgilde im reinsten Plattdeutsch, die alle im Ostholsteiner Anzeiger veröffentlicht wurden. Vorsichtig geschätzt hat sie weit mehr als 350 Beiträge verfasst.

In ihren besten Jahren hatte die Stadtgilde gut 350 Mitglieder, heute liegt die Zahl bei 100. Der Anteil aktiver Mitglieder ist aber relativ hoch: Bei den traditionellen Ausflügen – zum Karpfenessen nach Reinfeld fährt die Gilde seit 37 Jahren – wird immer ein Reisebus voll.

Zum Gildeleben gehören aber auch Treffen ohne großes Programm, bei denen geklönt, vorgelesen und vorgetragen wird. Nicht nur dort leistet Karla Weiß unermesslich wertvolle Arbeit: Seit Jahrzehnten bewahrt sie niederdeutsche Autoren davor, vergessen zu werden, recherchiert Biografien und Veröffentlichungen längst verstorbener Schriftsteller. Und trägt so auch mit Vorträgen außerhalb der Gill dazu bei, dass die Niederdeutsche Sprache und Kultur nicht vergessen wird.

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