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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 17:12 Uhr

Kaputter Autospiegel überführt Rentner

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

71-Jähriger flüchtete vom Unfallort / Verfahren gegen Geldauflage eingestellt

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2013 | 00:36 Uhr

Hätte er seinen Mercedes sofort reparieren lassen, wäre er wohl nie aufgeflogen. Vor dem Amtsgericht Eutin musste sich gestern ein 71-jähriger Malenter wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verantworten. Das Gericht warf dem Angeklagten vor, im März diesen Jahres in Höhe der Kreuzung Lütjenburger Straße/Kellerseestraße ein anderes Auto touchiert und anschließend geflüchtet zu sein. Bei dem Vorfall entstand am Honda des Unfallgegners wirtschaftlicher Totalschaden in Höhe von 3 900 Euro.

„Ich weiß von alledem nichts“, machte der Rentner nach Verlesung der Anklageschrift deutlich. Zur Tatzeit um 19.15 Uhr könne er gar nicht am Unfallort gewesen sein, weil er die Abendstunden stets vor dem heimischen Fernseher und nicht im Auto verbringe. Auch die Aussage des Geschädigten, ein 48-jähriger Mann aus Malente, konnte den Verdacht gegen den Angeklagten kaum erhärten. „Es ging alles unheimlich schnell. Ich habe nichts gesehen“, erklärte er.

Er könne sich lediglich daran erinnern, dass aus dem Gegenverkehr plötzlich ein Auto auf seine Fahrspur gefahren sei und ihm die komplette Fahrerseite aufschlitzte. „Mein Auto war anschließend übelst lädiert und befindet sich inzwischen in der Schrottpresse.“ Das Fahrzeug des Unfallgegners konnte er nur vage beschreiben. „Ich hatte zuerst an einen großen dunklen Kombi gedacht.“ Eine Beschreibung, die auf den Mercedes des Angeklagten nicht zutraf. Auch eine Augenzeugin konnte wenig zur Sache beitragen. „Ich habe weder das Kennzeichen noch den Fahrer erkannt.“

Bis zu diesem Punkt sprach wenig für eine Verurteilung des Angeklagten. Wäre da nicht ein Indiz gewesen, das den Verdacht gegen ihn massiv erhärtete. So fand sein vermeintlicher Unfallgegner am Tatort die silberne Verkleidung eines Seitenspiegels, wie sie auch an dem Mercedes des Angeklagten zu finden ist. Wer jetzt noch an einen Zufall glaubte, wurde spätestens nach der Aussage eines Polizeibeamten des Besseren belehrt. Diesem war der Rentner zwei Tage nach dem Vorfall bei einer Streife aufgefallen. „Sein Außenspiegel war mit Papier abgeklebt“, erinnerte er sich. Er sei daraufhin dem Angeklagten bis zu dessen Haustür gefolgt. Auf den Unfall angesprochen, äußerte dieser, dass er tatsächlich vor zwei Tagen in eine Kollision verwickelt war. Einzelheiten wollte er jedoch nicht benennen.

„Mein Angebot an Sie ist
es, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Ansonsten müssen wir einen Sachverständigen anfordern“, schlug Richterin Katrin Leinen daraufhin dem Angeklagten vor. Nach kurzer Rücksprache mit seiner Anwältin entschied sich der Rentner, das Angebot anzunehmen. Die Höhe der Geldauflage wurde auf 300 Euro festgesetzt. Den zuvor eingezogenen Führerschein erhielt er nach der Verhandlung wieder. Schon vor einigen Monaten hatte seine Versicherung auf Eigeninitiative den Schaden des Unfallopfers reguliert. Auch an seinem Mercedes ist der kaputte Seitenspiegel längst wieder repariert. Der Sachverständige hätte aus diesem Grund nur anhand von Fotos urteilen müssen. Fraglich, ob so ein belastbares Gutachten zustande gekommen wäre.

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