OHA-Besuch in Afghanistan 2012 : Kantine mit Bunkerqualität für 15 Millionen Euro

2500 Tonnen Stahl, 2100 Kubikmeter Beton: das Küchengebäude in Kundus ist erdbeben- und beschusssicher. Foto: krauskopf
2500 Tonnen Stahl, 2100 Kubikmeter Beton: das Küchengebäude in Kundus ist erdbeben- und beschusssicher. Foto: krauskopf

Die erdbebensichere Kantine im Camp Kundus kostete 15 Millionen Euro - und ist ein Mahnmal für eine naive Planung.

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11. Oktober 2012, 12:06 Uhr

Kundus | Das sei vermutlich die größte Baustelle in Zentralasien, sagten Soldaten im Camp Kundus vor zwei Jahren und hatten dabei den Bau eines neuen Küchengebäudes im Blick, der eineinhalb Jahre dauerte. Im September 2010 wurde das Haus seiner Bestimmung übergeben. Wolfgang Probandt, Vizepräsident des zuständigen Bundesamtes für Wehrverwaltung, sagte damals: "Für das Gebäude wurden 2500 Tonnen Stahl und 2100 Kubikmeter Beton verbaut." Erdbebensicher. Und beschussfest. "Wer hier isst, kann bei einem Raketenalarm getrost sitzenbleiben", erzählt ein Offizier. Das Küchengebäude ist als Schutzraum anerkannt.

Die Kosten für den Bau wurden nirgends publiziert. Auf eine Anfrage des OHA wurde eine Kostensumme von 15 Millionen Euro mitgeteilt.
Mahnmal für verfehlte, naive Planung

Und es steht als Mahnmal für eine verfehlte, naive Planung. Im Frühjahr 2006 waren die deutschen Soldaten aus einem innerstädtischen Lager in das neu gebaute Camp auf dem Plateau nahe dem Flughafen und weit außerhalb der Stadt umgezogen. Für 350 Soldaten war die Kaserne konzipiert, deren Architektur sich an afghanischer Bauweise mit Innenhof orientierte.

Statt der geplanten 350 Soldaten sind aktuell fast 2000 in dem mehrfach erweiterten Camp untergebracht. Und bar jeglicher Annahmen erwies sich auch die Entwicklung der Sicherheitslage: Trotz seiner exponierten Lage und einer guten Rundumsicht wurde das Camp seit 2006 mehrfach mit Raketen beschossen. Eine landete seinerzeit in einer Wand der alten Küche, allerdings hatte die Blechhülse keinen Sprengsatz mehr und schlug nur ein Loch in die Mauer.
Idee: Nach Abzug aus dem Camp eine Uni machen

"Wir bauen die Kaserne, begrünen sie und übergeben sie der afghanischen Armee, wenn im Land wieder Frieden eingekehrt ist," hatte der Kommandeur des deutschen Kontingentes der Schutztruppen 2006 vor dem Einzug gesagt. Mittlerweile hat die afghanische Armee in der Nähe das große Camp Pamir (5000 Dienstposten), es gibt eine US-Kaserne und eine Polizeischule. Das Camp Kundus wird da eher nicht mehr als militärische Liegenschaft gebraucht.

Zu den Ideen für eine Verwendung nach dem Abzug der internationalen Truppen zählt, aus der Liegenschaft eine Universität zu machen. Die Mensa wäre dann vermutlich die weltweit am solidesten gebaute.

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