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Bürgermeister-Wahlkampf Eutin : Kandidaten hörten viel Kritik

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bei einer Podiumsdiskussion der Fahrradinitiative trafen die Bewerber um das Bürgermeisteramt erstmals aufeinander.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Es war das erste Aufeinandertreffen der Kandidaten für die Eutiner Bürgermeisterwahl. Wer jedoch am Mittwochabend bei der Diskussion der Initiative „Fahrradfreundliches Eutin“ unter dem Motto „Eutin 2016+: Aufbruch in eine zukunftsfähige Mobilität“ einen ersten Schlagabtausch zwischen Regina Poersch (46, SPD) und dem von der CDU aufgestellten Carsten Behnk (48) erwartet hatte, sah sich getäuscht. Unterschiedliche Positionen waren allenfalls in Nuancen herauszuhören. Beide Kandidaten betonten vor etwa 100 Gästen in der Aula des Voß-Gymnasiums ihre Absicht, Kommunikation und Dialog auf allen Ebenen zu verbessern, um so auch die Mobilitätsprobleme der Stadt zu lösen.

Und die Probleme, besonders mit dem Fahrradverkehr, scheinen erheblich, wie Wortmeldungen aus dem Publikum klar machten. Manchem mochte die Veranstaltung wie eine Generalabrechnung mit der Verkehrspolitik der Stadt vorkommen. Auf Kritik stießen besonders die geplante versuchsweise Sperrung der Straße Am Rosengarten für den Durchgangsverkehr, die Sicherheit der Schulwege und die von vielen als gefährlich empfundene Situation in Riemannstraße und Sielbecker Landstraße, wo Radler nach der Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht auf der Straße fahren müssen.

„Ich habe keine Lust, mich zum Freiwild der Autofahrer zu machen“, schimpfte ein Anlieger der Riemannstraße. Lutz Werner forderte die Kandidaten auf, als Bürgermeister den „Irrsinn“ in Riemannstraße und Sielbecker Landstraße schnell zu beenden. Michael Meckert, der für die Arbeitsgemeinschaft Schulwegsicherung der Voß-Schule mit auf dem Podium saß, sprach von teilweise chaotischen Zuständen und großem Gefahrenpotenzial auf den Schulwegen. Ein Vater erboste sich: „Es ist ein Skandal erster Güte, dass die Vorschläge der Fahrradinitiative seit Jahren ignoriert werden.“ Sven Ulmer, Schulleiter der Wisser-Schule, bezeichnete die Elisabethstraße als „nicht sicher“. Enge, schlechte Oberfläche und fehlenden Winterdienst im viel von Wisser-Schülern befahrenenen Katerstieg kritisierte Axel Bauer von der Fahrradinitiative. Und eine Rollstuhlfahrerin verpasste der Stadt angesichts von Holperpflaster und schlecht zugänglichen Toiletten das wenig schmeichelhafte Prädikat „absolut nicht behindertengerecht“.

„Ich musste feststellen, dass in Eutin einiges im Argen liegt“, erklärte Carsten Behnk denn auch schon zu Beginn in seinem Eingangsstatement. Die Fahrradinitiative hatte Regina Poersch und ihn mit Radtouren im Schülerverkehr und Rollstuhlfahrten durch die Innenstadt auf die Diskussion vorbereitet, die von Dr. Christian Herzmann aus Bad Oldesloe geleitet wurde. Behnks Fazit zum Radfahren in der Rosenstadt: „Wenn man sich in Eutin auskennt und bereit ist, acht bis zehn Regeln zu brechen, kommt man auch schnell durch die Stadt.“ Unnötigen Verkehr durch die Bereitstellung von genügend Parkplätzen zu eliminieren, darin sah Behnk einen Lösungsansatz für eine moderne Mobilität.

Einen etwas anderen Akzent konnten die Zuhörer da bei Regina Poersch heraushören: „Es lohnt sich, Mobilität in Eutin noch einmal neu zu denken – und nicht nur von der Position hinter der Windschutzscheibe“, erklärte sie. Sie forderte „mehr Mischflächen, damit wir zu mehr Rücksicht kommen und Autofahrer sich nicht automatisch bevorrechtigt fühlen“. Poersch will sich um „akute Sorgenkinder“ kümmern und nannte drei Bereiche: Die Kreuzungen „Plöner Straße - Plumpstraße - Bahnhofstraße“ und „Elisabethstraße - Albert-Mahlstedt-Straße - Lübsche Koppel“ sowie die Riemannstraße.

Offene Türen rannten die Kritiker des Verkehrsversuchs am Rosengarten bei Carsten Behnk ein. „Erst müssen ausreichend Parkplätze geschaffen werden“, forderte Susanne Aldrup. Behnk verwies auf die Peterstraße. Dort seien erst Parkplätze geschaffen worden, dann sei der Verkehr beruhigt worden. „Das war ein Erfolgsmodell.“ Ein Versuch während der LGS könnte zu einem Verkehrskollaps führen, warnte er.

Wirklich Mutiges war eher von der Fahrradinitiative als den Kandidaten zu hören. Jens Rose-Zeuner forderte eine Bewirtschaftung der Parkplätze, die derzeit etwa im Jungfernstieg von vielen Kurzstrecken-Pendlern genutzt würden. „Das sind natürlich Parkplätze für Kunden, die die Geschäfte am Rosengarten gut gebrauchen könnten“, sagte er unter Beifall.

Konkret wurden die Kandidaten, als der Moderator sie fragte, was sie im Bereich Mobilität zuerst tun würden. Behnk versprach, die Umsetzung der Räumpflicht anzugehen und die Diskussion mit den Behörden über die Einführung von Tempo 30 vor Schulen aufzunehmen. Letzteres schrieb sich auch Regina Poersch auf die Fahnen. Sie will außerdem innerhalb eines halben Jahres eine erste Idee präsentieren, „was wir an der Kreuzung Plöner Straße - Plumpstraße - Bahnhofstraße anders machen können“.

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