Khaled waziri berichtet aus afghanistan : Kandahar – Symbol der Geschichte Afghanistans

Khaled Waziri im Mausoleum  am Grab von Ahmad Shah Durrani, dem Vater des Staates Afghanistan.
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Khaled Waziri im Mausoleum am Grab von Ahmad Shah Durrani, dem Vater des Staates Afghanistan.

Die zweitgrößte Stadt Afghanistans nach der Hauptstadt Kabul ist nicht einfach nur eine Stadt, sondern ein Symbol, das in gewisser Weise stellvertretend für die Geschichte Afghanistans steht.

shz.de von
05. Juni 2014, 17:32 Uhr

Die zweitgrößte Stadt Afghanistans nach der Hauptstadt Kabul ist nicht einfach nur eine Stadt, sondern ein Symbol, das in gewisser Weise stellvertretend für die Geschichte Afghanistans steht.

Als ich in Kabul bei einem Gespräch mit einem afghanischen Offizier beiläufig erwähnte, dass ich vor hätte, nach Kandahar zu reisen, sah er mich entgeistert an und hielt mir einen langen Vortag darüber, wie gefährlich dieser Ort doch sei. Die im Süden Afghanistans gelegene Stadt ist für ausländische Soldaten ein rotes Tuch. Kandahar ist der Ort, an dem die politische Bewegung, die später Taliban genannt wurde, entstanden ist. Und es ist auch die Heimatstadt von Mullah Omar, dem Anführer der Taliban.

Zumeist wird Kandahar in der westlichen Medienberichterstattung leider auch auf diese beiden Punkte reduziert: Taliban und tote Nato-Soldaten. Die Wahrheit ist jedoch wie so häufig in Afghanistan wesentlich komplizierter und vielschichtiger.

Die große Mehrheit der Einwohner Kandahars sind Afghanen, die dem Volk der Paschtunen angehören. Deshalb wird auch im Gegensatz zur Hauptstadt Kabul in Kandahar hauptsächlich Pashtu gesprochen.

Da Afghanistan ein Vielvölkerstaat ist, gibt es auch noch eine ganze Reihe anderer Sprachen hierzulande. Dari und Pashtu sind jedoch die beiden offiziell anerkannten Landessprachen, die von der Mehrheit der Afghanen gesprochen werden.

Dari beherrsche ich zwar perfekt, aber Pashtu spreche ich nur bruchstückhaft. Mir war es deshalb wichtig, dass mich mein Mitarbeiter, der Pashtu kann, nach Kandahar begleitet.

Diesen dazu zu überreden, war aber alles andere als einfach. Er ist ein älterer Herr aus dem kleinen Dorf Istalif am Rande Kabuls. Als Najibullah Präsident und die Sowjetarmee noch im Land war, war mein Mitarbeiter mehrere Jahre als Soldat in Kandahar stationiert. Die afghanischen Soldaten der damaligen Zeit waren Verbündete der Besatzungsmacht Sowjetunion. Die Sowjets erfuhr damals – wie heute die USA und die Nato – den größten Widerstand in Kandahar. Dementsprechend hatte mein Mitarbeiter – um es einmal vorsichtig zu formulieren – keine besonders positiven Erinnerungen an die Zeit, die er in Kandahar verbracht hat.

In Kandahar habe ich Bekannte, die uns bei unserer Ankunft empfingen. Die Gastfreundschaft, die wir in den darauffolgenden Tagen erfahren haben, ist schwer in Worte zu fassen. Man hat uns quasi jeden Wunsch von den Lippen abgelesen und alles dafür getan, dass wir uns dort wie zu Hause fühlen.

Das hätte mir auf der einen Seite zwar auch schon vorher bewusst sein können, da den Menschen im Süden Afghanistans allein schon durch den Ehrenkodex „Pashtunwali“ so etwas wie Gastfreundlichkeit quasi in den Genen liegt. Andererseits wird gerade in den westlichen Medien häufig versucht, ein negatives Bild von den Menschen im Süden Afghanistans zu zeichnen, weil das westliche Militär eben dort den größten Widerstand erfährt hat und auch zu keinem Zeitpunkt in dem seit nun weit über einem Jahrzehnt andauernden Krieg in Afghanistan dazu im Stande gewesen ist, dieses Gebiet auch nur ansatzweise unter seine Kontrolle zu bringen. Wir sind durch Ortschaften wie Spin Boldak oder Arghandab gefahren, die bekannt sind für die historischen Militärgefechte, die dort stattgefunden haben.

Kandahar ist auch die Stadt, aus der der Gründervater des heutigen Afghanistans, Ahmad Shah Durrani, stammt. In Kandahar wird er ehren- und liebevoll Ahmad Shah Baba genannt. Das Imperium des Ahmad Shah Durrani reichte zeitweise vom Osten des heutigen Iran bis nach Nordindien.

In dem Arghandab genannten Stadteil Kandahars gibt es einen riesigen und wunderschönen Fluss, der auch durch andere Stadtteile fließt. Wir sind zu dem Fluss gefahren und anschließend zu dem großen Mausoleum von Ahmad Shah Durrani. Wir sind mehrfach in die Stadtmitte sowie zu historischen Plätzen gefahren. Dort haben wir uns mit Händlern, Passanten und Kindern unterhalten.

Lesen Sie morgen die Fortsetzung im OHA.

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