Dioxin-Skandal : Kampf ums Vertrauen der Kunden

Das Futter, das Ingo Soost (links) und Georg Biss ihren Hühnern geben, besteht zu über 80 Prozent aus Getreide. Fotos: Resthöft
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Das Futter, das Ingo Soost (links) und Georg Biss ihren Hühnern geben, besteht zu über 80 Prozent aus Getreide. Fotos: Resthöft

Obwohl sie nichts mit dem Dioxinskandal zu tun haben, sind die Kunden von Ingo Soost und Georg Biss ihnen gegenüber skeptisch.

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07. Januar 2011, 10:56 Uhr

Dodau/Neukirchen | Dioxin - ein Schreckenswort, das Verbrauchern in den vergangenen Tagen den Appetit aufs Frühstücksei verdorben hat. Angesichts der immer neuen Enthüllungen um verseuchtes Tierfutter verzichtet manch ein Kunde lieber ganz. Sehr zum Leidwesen von Legehennenhaltern wie Georg Biss vom Gut Friedrichsdorf in Dodau und Ingo Soost vom Hof Soost in Neukirchen.

Beide bezeichnen sich selbst als konventionelle Eierproduzenten. Konventionell im Sinne von "nicht bio". "Aber auch dort wird gewissenhaft kontrolliert und geprüft." Es ist Ingo Soost wichtig, das deutlich zu machen. Beide wehren sich vehement dagegen, mit den schwarzen Schafen ihrer Branche in einen Topf geworfen zu werden. Denn das Bild von Legehennen, die in winzigen Käfigen eingepfercht sind und Billigfutter bekommen, stimme bei ihnen nicht. "In dem Futter, das wir von unserem Händler beziehen, sind keine Fette der betroffenen Firma aus Uetersen drin", betonen sie. Das haben sie sich sogar schriftlich geben lassen.

Die Verunsicherung ihrer Kunden bekommen sie dennoch hautnah zu spüren. Froh sind die Männer, die jeweils rund 900 Legehennen haben, über die Kunden, die sie direkt ansprechen. Manche rufen an, andere passen ihren Eierlieferanten an der Haustür ab. "Das ist ja gut, denen können wir dann alles erklären", schildert der 47-jährige Georg Biss. Nämlich, dass er einen Händler gefunden hat, dem er vertraut und dessen Produktionsstätten er sich bereits selbst angesehen hat. Oder dass ihr Futter zu über 80 Prozent aus Weizen, Soja und Mais besteht. Und dass Ingo Soost Hafer und Weizen zufüttert, das er selbst auf seinen Feldern anbaut.

Problematischer sind da die Kunden, die einfach nicht mehr kommen. Noch mögen es nicht viele sein. Aber in einem mittelständischen Betrieb, der pro Tag etwa 750 Eier produziert, machen sich 100 Eier - umgerechnet zehn Kartons - pro Tag schnell bemerkbar. Dann bleibt den beiden Männern nichts anderes übrig, als ihre überzähligen Eier an den Großhandel zu verkaufen. "Zu miserablen Preisen, die höchstens noch die Futterkosten decken", sagt Soost. Aber so weit soll es nicht kommen. "Unsere Kunden können uns vertrauen, könnten sich sogar unsere Hühner im Stall ansehen", verspricht Biss.

Eines aber macht Ingo Soost doch zu schaffen. "Mich wurmt besonders, dass die Kunden zwar ihr Frühstücksei verdammen. Über die Eier in den ganzen Fertigprodukten aber machen sie sich keine Gedanken."

Unter Telefon 04523/3383 (Soost) und 04521/72749 (Biss) können weitere Fragen gestellt werden.

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