Stiftung Naturschutz : Kampf gegen Jakobskreuzkraut: Unterpflügen oder einfach abwarten?

Skeptisch: Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Lübeck/Ostholstein.
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Skeptisch: Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Lübeck/Ostholstein.

Experten untersuchen Möglichkeiten, das giftige Jakobskreuzkraut zu bekämpfen. Ein Besuch auf der Versuchsfläche bei Pönitz.

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17. Juni 2015, 11:40 Uhr

Pönitz | Vor rund zwölf Jahren war hier nichts, erinnert sich Martin Mang. Doch das Jakobskreuzkraut (JKK) hat sich rasend vermehrt, macht sein Weideland zu einem einzigen gelben Blütenmeer. Jedes Jahr aufs Neue. 55 Galloway-Rinder hat der Gleschendorfer im Nebenerwerb. Einer seiner Jungbullen sei vor einigen Jahren am Giftkraut verendet. Während die Rinder auf der Weide aufgrund des Geruchs und bitteren Geschmacks der Pflanze einen Bogen um das Kraut machen – im Heu verliert sich dieser Aspekt der Pflanzen. Und das wurde Mangs Nachzucht zum Verhängnis.

Vieles hat der Landwirt schon versucht im Kampf gegen JKK. Regelmäßiges Mähen sei aufgrund der Abfuhrkosten zu teuer. Rausreißen nütze wenig, weil aus Wurzelresten neue Pflanzen wachsen. Zweieinhalb Hektar seines von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gepachteten Weidelandes in Kesdorf bei Pönitz sind jetzt Versuchsfläche im Kampf gegen das Kreuzkraut. Es ist eine von acht Test-Areale zwischen Flensburg und Lauenburg, auf denen Fachleute des „JKK-Kompetenzzentrums“ und der Kieler Christian-Albrechts-Universität seit kurzem mögliche Bekämpfungsvarianten untersuchen.

Sieben verschiedene Vorgehensweisen möchten die Biologen in den kommenden fünf Jahren auf den Stiftungsflächen testen. Eine davon ist die „Imker-Variante“, bei mehrfach gemäht wird, um das Blühen der Pflanze zu verhindern. Vorteil: Die Bienen können keine giftigen Blüten mehr anfliegen. Nachteil: Die Pflanze überlebt, kann Kräfte sammeln und später noch größer werden.

Eine gegenteilige Idee ist es, das Kreuzkraut in der Vollblüte abzumähen. „Die Pflanze hat sich dann verausgabt“, sagt Dr. Aiko Huckauf, Leiter des JKK-Kompetenzzentrums. Resultat könnte sein, dass sie stirbt.

Neugierig: Diplom-Chemiker Dr. Aiko Huckauf forscht in Sachen Jakobskreuzkraut.
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Neugierig: Diplom-Chemiker Dr. Aiko Huckauf forscht in Sachen Jakobskreuzkraut.
 

Eine weitere Idee ist es, regelmäßig wertvolle Gräser im Grünland nachzusäen, um so den Druck auf die Giftpflanzen zu erhöhen; zwei weitere Varianten beschäftigen sich mit dem Unterpflügen, eine weitere sogar damit, gar nichts zu tun. Pächter Mang ist der „Null“-Variante gegenüber skeptisch. „Es ist eher mehr geworden.“

Doch Huckauf will beruhigen. „Die Bestände werden zusammenbrechen“, sagt der Diplom-Chemiker. Die Pflanze habe einen sehr langen Populationszyklus über mehrere Jahrzehnte. Huckauf vermutet, dass man sich jetzt „auf dem absteigenden Ast“ befinde. Die Hypothese: Nach zehn oder 15 Jahren könnte sich das Problem von allein gelöst haben.

Neben Mang ist auch Klaus-Dieter Blanck skeptisch: „Die belasteten Flächen werden nicht weiter bewirtschaftet, die Pächter geben das Land an die Stiftung zurück“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Die Folge der Nichtnutzung sei Verbuschung. Wertvolles Weideland gehe somit verloren, sagt Blanck – und hakt bei Huckauf nach: „Warum untersuchen Sie keine chemische Variante?“ Der Biologe winkt ab. Es gebe keine selektiven Spritzmittel, die nur das JKK in die Zange nehmen. „Mit den meisten Mitteln macht man auch alles andere tot“, sagt Huckauf. Und Gift auf naturnahen Weideflächen würden viele kritisch sehen.

Martin Mang favorisiert die Umbruch-Methode. Doch Unterpflügen und Neusaat würden in seinem Fall einen fünfstelligen Betrag kosten. „Das wirtschaftet man mit 55 Rindenr nicht wieder rein“, sagt Mang.

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