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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 13:59 Uhr

Eutin : Kamera im Untergrund

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kanalinspekteure inspizieren im Auftrag der Stadtentwässerung den Zustand der Leitungen im Vorfeld der Stadtsanierung.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 19:44 Uhr

Ein kleines Rinnsal plätschert durch das tönerne Rohr, dass Andreas von Ostrowski während einer Rückwärts-Kamerafahrt inspiziert. „Das sieht doch eigentlich alles ganz gut aus“, lautet sein erstes Urteil beim Blick in die Schmutzwasserleitungen unter der Straße Am Rosengarten.

Der Kanalinspekteur und seine Crew von der Firma Canal-Control aus Hamburg haben bereits den Markt, die gesamte Peterstraße, die Lübecker Straße, Schloßstraße und Königstraße untersucht. Die Rohrsysteme sind teilweise 60 Jahre und älter, erklärt Carsten Nebendahl, Technischer Angestellter bei der Stadtentwässerung: „Das sind Zustandserfassungen der Leitungen und Hausanschlüsse, damit wir wissen, wo wir erneuern oder reparieren müssen.“

Dies könne, falls nötig, im gleichen Atemzug mit der Stadtsanierung ab 2017 geschehen. Die Arbeiten bis zum Voßplatz dauern noch rund vier Wochen. Ostrowski: „Auch wenn es eigentlich nur 160 Meter sind, sind die Arbeiten doch sehr aufwendig.“

Bevor Canal-Control überhaupt mit einer speziellen Kamera in die Rohre kann, müssen diese mit Hochdruck gereinigt werden. „Dann wird die Blase gesetzt, um das Rohr frei zu kriegen“, sagt Ostrowski. Die „Blase“ ist ein ballonähnlicher Gegenstand, der im Rohr – an den Durchmesser angepasst – aufgepumpt wird und dann kein Wasser mehr durch lässt. Das angestaute und anfallende Wasser während der Untersuchungen muss von einem Wagen der Stadtentwässerung abgesaugt werden. „Würden wir das nicht machen, könnte ich nur etwa 60 Prozent des Rohres begutachten und aufnehmen“, so der Kanalinspekteur. Neben der Aufnahmen erfolgt auch eine genaue Kartierung. Der Fachmann nennt das „georeferenzierte Messung“. Hausanschlüsse und der exakte Verlauf der Leitungen können so in ein Kanalkataster eingetragen und aktualisiert werden. Auch der Durchmesser der Rohre, der Neigungswinkel und potentielle Senkungen können verortet werden. Nebendahl: „Einen generellen Plan der Leitungen haben wir, das mit den Hausanschlüssen ist neu.“ Damit die Hausanschlüsse auch ohne Kamera von den Mitarbeitern gefunden werden, markieren die Mitarbeiter von Canal-Control auf dem Fußweg die Lage der Leitungen mit einem orangefarbenen Kreuz.

Alle Ergebnisse der Inspektion sowie das Video bekommt der Auftraggeber am Ende der Arbeiten. Carsten Nebendahl: „Unsere Experten werten das Material dann aus.“ Ein Rohr könne bis zu 100 Jahre und älter werden, das hänge vom Zustand und den äußeren Einflüssen ab. In Eutins Innenstadt liegen Steinzeugrohre, etwa einen Meter lang.

„Heute gibt es moderne Inlay-Technik oder Kunststoffrohre, die verschweißt werden. Da muss man bei möglichen Reparaturen individuell entscheiden“, sagt Nebendahl. Das größte Problem im Leitungsbereich sei, dass der laufende Betrieb aufrecht erhalten werden müsse. „Das Schmutzwasser muss ja irgendwohin“, so Nebendahl.

Und so passiert es auch während der Kamerafahrt von Andreas von Ostrowski durch die Straße am Rosengarten, dass hier und da Toilettenpapier und andere Reste aus einem Hausanschluss vorbei schwimmen. „Wir haben hier zwar mit einer höchst dreckigen Angelegenheit zu tun, sind deshalb aber umso sauberer“, erklärt der Inspekteur. Sterilisationsmittel für Personal und Geräte ist immer mit am Bord. Auf die Hygiene werde strengstens geachtet.

Und hin und wieder stören die Männer von Canal-Control auch eine Rattenfamilie beim gemeinschaftlichen Spaghetti-Essen im Rohr mit ihrer Kamera. „Die Ratten leben da, wo sie am besten genährt werden. Deshalb gehört kein Essen in die Toiletten.“ Dies sei dann ein hausgemachtes Problem.

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