zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 17:20 Uhr

Kämpferin der Meisterklasse

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Verena Karl hat in Hamburg-Rahlstedt nach siebeneinhalb Stunden Prüfung den 1. Dan im Wun Hop Kuen Do erhalten

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2016 | 21:18 Uhr

Schon das Wort klingt martialisch: Die „Stahlpeitsche“ ist einer der Waffen, mit denen Verena Karl bei ihrem Hobby umgeht. Bei einer kurzen Demonstration zischt die Stahlkette in atemberaubender Geschwindigkeit um den Körper der zierlichen 27-Jährigen. Mit traumwandlerischer Sicherheit beherrscht sie das Gerät, das im Ernstfall zu einer gefährlichen Waffe werden kann. Verena Karl ist die erste Frau in Eutin, die den Meistergrad, 1. Dan im Wun Hop Kuen Do, tragen darf.

Verena Karls Leben ist vom Kung Fu bestimmt. Sie bekennt: „Ich habe mein Leben darauf ausgerichtet.“ Im letzten halben Jahr galt das besonders. Da hat sie sechsmal pro Woche jeweils zwei bis drei Stunden auf der Matte gestanden. Den Lohn hat Verena Karl in Hamburg-Rahlstedt bekommen, dort hat sie in einer siebeneinhalbstündigen Prüfung ihr Können gezeigt – und die Meisterprüfung mit Glanz und Gloria bestanden. „Die Prüfer waren sehr zufrieden“, sagt die IT-Systemkauffrau, die seit Juli in Schwerin lebt, der Liebe wegen. Ihr Freund ist ebenso mit dem Kampfsport verbunden, er hat den Meistergrad schon vor drei Jahren erworben.

„Kung Fu heißt hart arbeiten und sich in Geschicklichkeit üben“, erklärt die junge Frau den Begriff. Früher habe sie auch andere Sportarten probiert, Tischtennis und Reiten, laufen und Rad fahren. Wenn sie Zeit habe, reite sie gerne, und für die Ausdauer ist sie auch schon bei einem Triathlon gestartet. Als sie elf war, ging Verena Karl zum ersten Mal mit einer Freundin in die heutige Kampfsport Academy in Eutin – und ist der Einrichtung mit ihrer Lehrmeisterin, Sifu Martina Baumgardt, eng verbunden. Einmal pro Woche kommt sie in der Regel nach Eutin, um dort zu trainieren.

„Wir haben bei uns einen recht hohen Frauenanteil, ich bin stolz auf unsere Frauen-Power“, sagt Martina Baumgardt. Verena Karl kam zum Kampfsport, um ihr Selbstbewusstsein aufzubauen, als Trainerin liegen ihr die Kurse in der Selbstverteidigung für Frauen am Herzen. Sie selbst sei zum Glück noch nie in eine bedrohliche Situation gekommen, sagt sie. Nicht zuletzt, weil sie mit ihrer aufrechten Körperhaltung und ihrem entschlossenen Auftreten kein Opfertyp ist.

Die Kampfkunst ist nicht nur Sport, sie hat auch viele sportliche Aspekte. Bei der Prüfung in Hamburg war eine Aufgabe, sich gegen mehrere Angreifer zu verteidigen. Sie habe acht „Dummies“, also Sparringspartner, bezwungen, sagt sie mit einem Lächeln.

„Die Prüfung zum 1. Dan ist die härteste Prüfung, die wir in unserer Kampfkunst kennen“, stellt Martina Baumgardt fest. Da komme es nicht nur auf die sportlichen Fertigkeiten an, sondern auch auf theoretische Kenntnisse, die im Verlauf des Tages abgefragt werden. Zur Prüfung in Hamburg-Bahrenfeld stellten sich vier Kandidaten, drei Männer und eine Frau, einer der Männer gab auf – Verena Karl hielt durch.

Nach der anstrengenden Prüfung hatte Verena Karl eigentlich geplant, eine Verschnaufpause einzulegen. „Aber jetzt bin ich noch motivierter als vorher“, sagt sie glücklich. Sie habe das Gefühl, sie könne sich mehr entfalten. Und vielleicht kann sie sich ihren Herzenswunsch erfüllen, eine Reise nach China, in das Mutterland des Kung Fu.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen