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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 08:54 Uhr

Ka kite, Aotearoa – Tschüss, Neuseeland!

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 10.Feb.2015 | 11:41 Uhr

Ungefähr einen Monat vor meinem Abflug bin ich mit einem Bus nach Hawera, ein kleiner Ort in der Nähe einer Farm, gefahren. Hier wollte ich zehn Tage lang den Alltag auf einem neuseeländischen Hof kennenlernen.

Leider konnte ich den Bauern vor meiner Ankunft nicht mehr erreichen und so blieb meine Hoffnung, dass mich jemand die neun Kilometer zu meinem neuen Wohnort mitnehmen würde. Auf diesem Weg habe ich die Nachbarn kennengelernt, die fünf Kilometer weiter wohnen und mich bis zur Tür gebracht haben.

Nachdem ich an meinem ersten „Arbeitstag“ bei der Schafschur zugesehen und die Familie und den Hof kennengelernt habe, musste ich am zweiten Tag etwas arbeiten.

Meine Hauptaufgabe war es, den Hof aufzuräumen und zu putzen, doch dazu bin ich kaum gekommen. Heidi und Gary waren beschäftigt und haben mir ihre dreijährige Tochter und ihren fünfjährigen Sohn überlassen. Da man mir die Kinder anvertrauen konnte, warum nicht gleich den ganzen Hof – damit die Familie mal einige Tage raus und in ihr Ferienhaus fahren konnte, wurde ich innerhalb einiger Minuten eingewiesen. Plötzlich war ich für die nächsten Tage stolze Besitzerin eines kleinen Hofes mit Hostel. Auf meinem Teil der Farm lebten nur Hühner, ein Hund, Kühe mit Kälbern und Schweine.

Anfangs habe ich befürchtet, mich ohne Mitbewohner in meinem kleinen Haus schrecklich zu langweilen. Doch wider aller Erwartungen hatte ich viel Spaß.

Mein erster Tag verlief ruhig, ich habe die Tiere gefüttert und bin auf dem Gelände rumgewandert. Wenn man die Schweine ruft, kommen sie durch das hohe Gras angerannt, und man kann ihnen Essensreste wie zum Beispiel Orangen- und Kiwi-Schalen geben.

Das größte Schwein lässt sich außerdem gerne kraulen. Beim ersten Versuch konnte ich nur eins locken, beim zweiten kamen schon fünf Tiere.

Einen Tag musste ich in den Ort fahren, da ich bis auf Eier von den Hühnern kaum noch Vorräte hatte. Da der Fußweg ins Dorf fast drei Stunden dauert, hoffte ich, dass mich jemand mitnehmen würde. Es gibt nur eine Straße, die von Hawera nach New Plymouth führt und hauptsächlich von Leuten genutzt wird, die auf Höfen wohnen. Ich hatte sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg relativ schnell Erfolg und durfte mitfahren.

Die Nächte waren etwas gruselig, ich wusste zwar, dass das nur ein Tier auf dem Dach ist. Trotzdem hat mich das Kratzen und Tapsen anfangs noch etwas erschreckt.

Geplant war, dass ich für drei oder vier Tage allein bin und dann alle wieder kommen. Zwar hatte ich eine tolle Zeit, doch nach drei Tagen auch nichts gegen etwas
Gesellschaft. Am Abend von Tag vier riefen sie mich an, dass sie erst am nächsten Tag kämen.

Das schlug etwas auf meine Laune. Immerhin konnten sie mich ein paar Tage später in den Ort bringen, damit ich meinen Bus nach Taupo erreiche. Es war außerdem der erste Schultag für ihren Sohn, und so habe ich auch noch eine neuseeländische Einschulung miterlebt. Alles ist etwas weniger bunt als bei uns, und es gibt keine Schultüten.

In Taupo kann man den neuseelandweit günstigsten Tandem-Fallschirmsprung machen. Eigentlich wollte ich nur wissen, wann ich es machen könnte – ganz unverbindlich. Plötzlich war ich schon für den frühestmöglichen Termin angemeldet. Als mich der Shuttle zum Flughafen abgeholt hat, war ich aufgeregt, und im Flugzeug wurde es nicht besser. Zum Glück sind mein Tandempartner und ich zuerst gesprungen, so musste ich die anderen nicht nach und nach verschwinden sehen.

Es wurde noch ein Foto von meinem angespannten Gesichtsausdruck gemacht, und dann sind wir abgesprungen. Die ersten Sekunden im freien Fall waren erschreckend, doch danach konnte ich es tatsächlich genießen. Als der Fallschirm vollständig geöffnet war, durfte ich lenken und uns in Schlenkern langsam zum Landeplatz bringen.

Die Aussicht über den Lake Taupo und die Landschaft war eindrucksvoll. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, wäre ich gerne nochmal gesprungen.

Damit hatte ich genug Aufregung und Abenteuer in Taupo, die weiteren Tage habe ich am See oder in heißen Quellen entspannt.

Ich habe in meiner letzten Woche in Neuseeland eine kleine Tour entlang der
Ostküste Neuseelands gemacht. Diese Gegend ist nicht so touristisch frequentiert und hat kein Mobilfunknetz.

Gisborne sieht als erste Stadt der Welt den Sonnenaufgang. Um 5.45 Uhr saß die ganze Gruppe am Strand, um zu den ersten zu gehören, die die Sonne sehen. Leider war der Himmel etwas bedeckt, trotzdem waren die Farben leuchtend. Und mit Wolken sieht ein Sonnenaufgang auch gleich dramatischer aus.

Entlang der Straße lag eine kleine Schule für Maori-Schnitzereien, die wir besucht haben besucht. Hier haben wir mit bei dem Bemalen geholfen und konnten uns an halb fertigen Figuren im Schnitzen probieren.

Es gab noch ein paar Orte, die ich sehen wollte, bevor ich nach Auckland und zum Flughafen fahre, deshalb bin ich in meiner letzten Woche besonders viel umgezogen.

Also bin ich gleich weiter zum Mount Maunganui bei Tauranga gefahren. Es ist ein kleiner Ort an einem Berg, von dem man einen unglaublichen Blick in alle Richtungen hat. Man ist immer dicht am Strand und kann sich so regelmäßig abkühlen. Hier habe ich ein richtiges „Sommerurlaubsgefühl“ bekommen.

Mein Plan, wie ich zurück nach Auckland komme, war noch nicht ganz ausgereift. Doch ich war schon ziemlich dicht dran, also habe ich mir zunächst nicht allzu große Sorgen gemacht.

Von Mount Maunganui bin ich mit dem Bus weiter nach Norden auf die Coromandel-Halbinsel gefahren. Ich dachte, die Straßen an der Ostküste seien kurvig gewesen, doch die Straße nach Norden überbot das noch. Als ich in Hahei angekommen war, regnete es.

Die Vorhersage für das ganze Wochenende sah nicht gut aus. Am nächsten Morgen war es jedoch gegen Mittag fast wolkenlos und warm. Ich habe mir die Cathedral Cove angesehen, eine große Aushöhlung im Felsen, und die Sonne genossen. Die Strände in Coromandel sind schön und vor allem bei gutem Wetter sieht die Gegend paradiesisch aus. Zurück in Auckland war fast alles wie vor ungefähr fünf Monaten. Ich bin in das gleiche kleine Hostel gezogen, zum Teil waren sogar noch die selben Leute dort. Es endet quasi wie es begonnen hat.

Ich hatte bisher noch keinen Kiwi (Vogel) gesehen, das stand noch auf meiner Liste. In Aucklands kleinem Zoo gibt es ein Kiwi-Haus. Im Haus ist der Tagesrythmus umgekehrt, damit die Besucher den nachtaktiven Kiwi auch wach erleben können.

Es dauerte etwas, bis ich einen Vogel sehen konnte. Es war ein tolles Erlebnis zum Ende.

Ka kite, Aotearoa! (Maori für „Auf Wiedersehen, Neuseeland!“)

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