Junge Musiker begeistern im Schloss

Junge Musiker begeisterten ihr Publikum am Sonntag im Rittersaal.
Junge Musiker begeisterten ihr Publikum am Sonntag im Rittersaal.

120 jungen Menschen aus aller Welt einte in Plön die eine Sprache: Musik im Zusammenspiel auf höchstem Niveau

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30. Juli 2018, 11:34 Uhr

Das internationale Festivalorchester, als Einrichtung 1987 von Leonard Bernstein gegründet, um musikalischem Nachwuchs beste Förderung zu ermöglichen, bewies am Sonntag im Rittersaal des Plöner Schlosses im Rahmen des SHMF in ausverkauftem Haus sein enormes Können.

Aus aller Herren Länder, unter anderem Spanien, Italien, England, Schweden, Argentinien, Südkorea, China, Taiwan und sogar Honduras, mit den entsprechend unterschiedlichen Muttersprachen eint die rund 120 jungen Menschen hier die eine Sprache: Musik. Wenn doch internationales Zusammenspiel auch in anderen Belangen so gut gelänge!

Allerdings braucht man schon früh im Leben viel Disziplin, großes Engagement, vielleicht eine Vision und in jedem Fall eine Passion, damit es gelingen kann, nach wiederholten Probespielen für das Orchester zugelassen und gefördert zu werden. Das Ergebnis dessen ließ staunen. Die jungen Musiker, von denen die Jüngste erst 17 Jahre alt ist und die nicht älter als 26 Jahre alt sein dürfen, boten Kammermusik
der Spätromantik in unterschiedlichsten Besetzungen vom Trio bis zum zwölfköpfigen Bläserensemble auf höchstem Niveau.

Das Bläserensemble eröffnete den Abend mit einer Serenade von Antonin Dvorak. Was für eine leuchtende Musik im Licht der tiefstehenden Abendsonne. Dunkel und warm die Hörner, hell und klar darüber die Oboen, mal melancholisch, mal temperamentvoll, großartig das Zusammenspiel, ansteckend die Spielfreude und die ganze Darbietung so ganz und gar mit Leib und Seele, dass das Publikum voller Begeisterung am liebsten eine Zugabe gehabt hätte.

Die Interpretation der anspruchsvollen Sonate für Flöte, Viola und Harfe von Claude Debussy zeugte ebenfalls von großem Können. Debussys szenische Musik zu 12 Gedichten von Pierre Louys „Les Chansons de Bilitis“, deren Texte lebhaft und ausdrucksvoll von Louisa Strynckx Rocha aus Portugal im französischen Originaltext gelesen wurden, forderte große Präzision im Zusammenspiel, wunderbar von den beiden Flötistinnen und Harfinistinnen und einem Gast an der Celesta geleistet. Mancher hätte sich allerdings den Text auf Deutsch als Beilage zum Programm gewünscht, auch wenn bewusst dagegen entschieden worden war.

Den Abschluss bildete das Streichsextett aus der Oper „Capriccio“ von Richard Strauss. Hochkonzentriert und in stetem Austausch per Blickkontakt musizierten die jungen Streicher.

Solches Zusammenspiel auf so hohem Niveau nach nur kurzer Zeit des gemeinsamen Übens kann nur funktionieren, wenn eigene Befindlichkeiten hinter dem gemeinsamen Ziel zurückstehen; wenn es darum geht, zusammen etwas Übergeordnetes und Besonderes zu schaffen. Wer könnte nicht alles von diesen jungen Menschen lernen, denen dies so überaus gut gelungen ist!

So jung die Musiker, so sehr fehlte die Jugend im Publikum. Könnten nicht Großeltern – nicht nur aus Gründen der Wertschätzung mit der Botschaft „Toll, was junge Menschen der Welt schenken“ und daran angeknüpft vielleicht die Frage, was die eigenen Enkel begeistere, sondern auch, um Erinnerungen zu schaffen – Karten für so einen Abend zu besonderen Gelegenheiten verschenken? Wäre es nicht schön, wenn dieser von jungen Menschen dargebotene Genuss auch von jungen Ohren empfunden würde? Das Publikum vom Sonntagabend jedenfalls war hingerissen.

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