Jung und unglücklich

Hilfsangebote für Heranwachsende in der Krise reichen nicht, sagen Experten

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20. November 2013, 00:37 Uhr

Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, impulsives Verhalten oder gar Selbstmordgedanken: Es ist gar nicht so einfach, erwachsen zu werden und dabei nicht in eine Krise zu geraten. Das Ameos-Klinikum für Psychiatrie und Psychotherapie Neustadt richtete zu diesem spannenden Thema ein Fachsymposium aus.

Es trug den Titel „Wenn Adoleszenz zur Krise wird“,
Anlass war das zehnjährige Bestehen der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz in Neustadt. Der Kinder- und Jugendpsychiater Tomas Zenkl und seine Mitarbeiter betreuen fast 800 junge Patienten jährlich.

Geraten junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren in eine Krise, sitzen sie buchstäblich „zwischen allen Stühlen“, sagte Sylvia Wachholz, Ärztliche Direktorin der Ameos-Kliniken Neustadt und Lübeck. „Für die Kinder- und Jugendpsychiatrie sind sie in ihrer Entwicklung oft zu weit fortgeschritten. Und auf Erwachsenenstationen wird unzureichend auf ihre speziellen Bedürfnisse eingegangen.“

Die Referenten des Symposiums nannten Beispiele für Hilfsangebote, die es auf dem Weg zum Erwachsenenwerden gibt, und wie aus der Krise eine Chance werden kann. Anneke Aden, Oberärztin der Jugend-Suchtstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, sagte, dass es bisher viel zu wenig Jugend-Suchtstationen gebe. „Werden Jugendliche in erwachsenenpsychiatrischen Kliniken behandelt, machen sie häufig schlechte Erfahrungen und brechen ab“, erklärt Aden. Auf der Jugend-Suchtstation werde Psychotherapie und Psychoedukation verbunden mit Kreativtherapien, pädagogischer Förderung und Freizeitpädagogik. Die jungen Patienten könnten eine Klinikschule besuchen und erhielten Unterstützung bei der Suche nach Ausbildungsplätzen und Jugendwohnungen.

Im Klinikum Neustadt gibt es seit ein paar Monaten ein spezielles Behandlungsprogramm für diese Patientengruppe. „Es gibt viele Behandlungskonzepte für Jugendliche. Aber es gab bisher kein spezielles Adoleszentenkonzept“, sagte Götz Biel, Stationspsychologe in Neustadt.

Dabei stünden die Fragen im Mittelpunkt, wie man Verantwortung für sich übernehme, wie man sich vom Elternhaus löse und was man mit seinem Leben anfange? In Stabilisierungs-, Suchtpräventions- und Kreativgruppen erhielten Jugendliche eine umfassende stationäre Behandlung.

„Wir alle sind aufgefordert, psychische Störungen bei jungen Erwachsenen mehr öffentlich zu thematisieren. Die Schnittstellen zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie müssen optimiert und psychosoziale Netzwerke müssen etabliert werden,“ lautet das Fazit von Wachholz.

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