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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 18:12 Uhr

Jugendzentrum schließt am Freitag

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die beiden ehemaligen Gemeindejugendbetreuer Claus Peter „Pink“ Jacobsen und Jörg Tamar laden zu einer Abschiedsparty

von
erstellt am 22.Feb.2016 | 15:53 Uhr

Die ehemaligen Gemeindejugendbetreuer Claus-Peter „Pink“ Jacobsen und Jörg Tamar haben die Jugendlichen aus der Gemeinde aufwachsen sehen. Jetzt stehen sie in den Räumen des Jugendzentrums in Hassendorf und schauen wehmütig auf riesige Foto-Wände. Sie zeigen auf mehr als 500 Fotos über 33 Jahre Jugendarbeit in der Gemeinde Bosau. Das Jugendzentrum schließt am Freitag (26. Februar) seine Türen. Für immer. Ein Kapitel engagierter, kommunaler Jugendarbeit geht zu Ende.

Im rasanten Zeitalter von Smartphones, Computern und dem Internet hat sich das gemeindliche Jugendzentrum, das die Gemeinde Bosau zuerst in Bosau und später in Hassendorf unterhielt, überholt. Kommunikation unter Jugendlichen findet heute über Whatsapp oder Facebook statt und nicht mehr im Jugendzentrum. Deshalb war es auch kein Wunder, dass es nach dem politischen Beschluss keine Proteste gab.

Die gemeindliche Jugendarbeit begann zunächst in der Alten Schule in Bosau am Großen Plöner See. „Pink“ Jacobsen, heute 56 Jahre alt und Hausmeister an der Hutzfelder Heinrich-Harms-Schule, war damals 23 Jahre jung und war neben seinem Job als Kfz-Mechaniker in Ahrensbök ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig. „Ich hatte damals Badminton gespielt und fand dort Mitstreiter im Aufbau der Jugendarbeit in Bosau“, erinnert sich „Pink“ Jacobsen. Seine Eltern unterstützten ihn kräftig und heizten zum Beispiel den Ölofen an. Drei Mal in der Woche trafen sich dort Kinder und Jugendliche. „Pink“ nahm einige von ihnen auf dem Weg von Hassendorf nach Bosau mit. Sie spielten Canasta, das Strategiespiel „Risiko“ und lernten Skat – ohne Fernseher, ohne Computer und ohne Handy.

„Einmal hatte ich einen Artikel im Bosauer Sportspiegel, weil ich mehr Jugendliche erreichen wollte“, sagte „Pink“ Jacobsen. Dabei habe er sich den Unmut vom damaligen Bürgermeister Vogel zugezogen.

Dann sei Bürgermeister Joachim Herrmann und mit ihm das Jugendzentrum nach Hassendorf gekommen. Dorfschaft, Feuerwehr, Jugendzentrum und Gemeinde zogen an einem Strang. Höhepunkte waren zwei Fahrten nach Spanien, Zelten in Wildemann im Harz und Basare, aber auch Tanzkurse. „Bei einer Berlinfahrt zum Prenzlauer Berg landeten wir mitten in Demonstrationen“, schmunzelte Jacobsen. Ganz nebenbei wurde der Ferienpass ins Leben gerufen. In der Gemeinde gab es Auto- und Fahrradrallyes. Für Lagerfeuer zogen die Jugendlichen selbst los und knickten Holz. Sie renovierten ihr Jugendzentrum selbst, bauten Gartenhütten oder eine Diskoanlage. „Bei Diskoabenden hatten wir über 100 Gäste“, wunderte sich „Pink“, der – damals noch ohne familiäre Verpflichtung – selbst im Jugendzentrum wohnte. Fahrdienste wurden über CB-Funk mit den Kindern und Jugendlichen vereinbart.

„Es war die schönste Zeit“, blickte „Pink“ Jacobsen zurück. Kein Wunder: Bei der Aktion Ferienpass in Braak lernte er seine heutige Ehefrau Sigrid kennen. Überhaupt seien im Jugendzentrum Partnerschaften und sogar Ehen entstanden. Es gab aber auch Szenen, als Jugendliche aus Eutiner Spielhallen zurück ins Jugendzentrum geholt wurden. „Die Zeit ist jetzt einfach vorbei“, weiß „Pink“.

1999 übernahm Jörg Tamar seine Arbeit im Jugendzentrum. „Ich machte erst mal so weiter, wie Pink aufhörte“, sagte er. Das Jugendzentrum sei mit Billard, Tischtennisplatte und Versteckspiel super besucht gewesen. Und das Angebot sei mit der Zeit gegangen, Computer hielten Einzug und boten Gelegenheit zu spielen. 150 Kinder nahmen an der Aktion Ferienpass teil: „Mit 150 Kindern in drei Bussen starteten wir in den Heidepark.“ Ohne die große Unterstützung von Rosi Stenzel und Liesel Nehmer sei aber nichts gelaufen.

100 Kinder nahmen am viertägigen Zeltlager auf dem Sportplatz in Hutzfeld teil. „Wir halfen Kindern und Eltern bei der Abnabelung von zu Hause“, sagte Jörg Tamar. Dort wurden Konflikte und Meinungsverschiedenheiten noch direkt ausgetragen. Tamar: „Heute löscht man den anderen einfach bei Whatsapp weg.“ Es gab zwischendurch auch ein mobiles Jugendzentrum mit Bau- und später Wohnwagen, das über die Dörfer der Gemeinde zog. Es hielt fünf Jahre.

Und Jörg Tamar hatte beobachtet: „Mit der Zunahme der Handys sank das Interesse der Jugendlichen am Jugendzentrum.“ Fünf Computer seien zeitweise im „Dauereinsatz“ gewesen. Beamer, Leinwand und Spielkonsolen hielten Einzug. Jörg Tamar: „Wir mussten mit der Technik gehen.“ Das Jugendzentrum sei für viele das zweite zu Hause gewesen. Es seien Bewerbungen geschrieben und vielen Jugendlichen Anschub gegeben worden. Jacobsen und Tamar, beide ohne sozialwissenschaftlichen Hintergrund, waren oft Ansprechpartner bei Problemen der Jugendlichen. Und es ging sehr gut.

Nach Tamar, der auch Hausmeister an der Harms-Schule wurde, übernahm Rainer Ziegler im Frühjahr 2013 das Jugendzentrum. Nun ist am Freitag (26. Februar) großer Abschied. „Wir wollen das Jugendzentrum gemeinsam abschließen“, sagten „Pink“ Jacobsen und Jörg Tamar. Ab 18 Uhr kann in alten Erinnerungen geschwelgt werden. Dafür stehen jede Menge Fotos zur Verfügung, die sie vom Dachboden geholt haben.

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