Jugendrat ohne Jugend

Sie blieben beim zweiten Jugendrat unter sich, weil keine Jugendlichen erschienen: (von links) Robert Schermer, Bürgermeisterin Tanja Rönck, Greta Boller, Tom-Axel Woita, Rathausmitarbeiterin Birgit Boller und Lennart Seidensticker.
Sie blieben beim zweiten Jugendrat unter sich, weil keine Jugendlichen erschienen: (von links) Robert Schermer, Bürgermeisterin Tanja Rönck, Greta Boller, Tom-Axel Woita, Rathausmitarbeiterin Birgit Boller und Lennart Seidensticker.

Das zweite Treffen der Einrichtung geriet zum Reinfall – lediglich zwei junge Besucher kamen, um für ihre Anliegen einzutreten

shz.de von
10. Juni 2018, 19:32 Uhr

Sie warteten am Sonnabend vergeblich auf Jugendliche: Beim zweiten Treffen des Jugendrates unter dem Motto „Wir reden, Ihr hört zu“ in der Liegehalle des Kurparks blieben Malentes Bürgermeisterin Tanja Rönck, Rathausmitarbeiterin Birgit Boller und ihre Tochter Greta, Robert Schermer, Tom-Axel Woita und Lennart Seidensticker unter sich.

Eigentlich hatten sie mit jungen Malentern unter 25 besprechen wollen, inwieweit von denen gewünschte Projekte und Ideen in der Umsetzung sind. Im Vorwege hatte Greta Boller (20) in Schulen, bei der Feuerwehr und in Sportvereinen für den Jugendrat geworben. Umso unverständlicher war den Organisatoren das offensichtliche Desinteresse derjenigen, um die es darin gehen sollte. „Wir sind ratlos, wie wir die Jugend bewegen können“, erklärte Birgit Boller. Zum ersten Treffen des Jugendrats im Februar beim CJD waren immerhin noch acht Interessierte erschienen und hatten einige Ideen zusammengetragten.

Immerhin schauten nach anderthalb Stunden Tristan Herzog (10) und Noah Ertzinger (11) vorbei, um ihrem großen Wunsch nach einem Skaterpark, wo man auch mit BMX-Rädern fahren könne, Nachdruck zu verleihen. Auch mehrere Politiker fanden sich verabredungsgemäß ein, um Ergebnisse zu diskutieren.

Greta Boller (20) zog eine kurze Bilanz der Ideen des ersten Jugendrates im Februar 2018 in Folge zweier Jugendbarcamps 2016 und 2017, da außer Uwe Potz und Gudrun Förster (CDU) auch die neu gewählten Gemeindevertreter Antje Storm (CDU) sowie von der SPD Anja Brocke und Carmen Weber erschienen waren. Etwa drei Jahre werde es wohl dauern, bis der Skaterpark realisiert sei, sagte Tanja Rönck. Über den Bund deutscher Landschaftsarchitekten habe sie sich über Größe, Ausstattung und Lage eines solchen Platzes informiert. Rund 1000 Quadratmeter im Zentrum zu planen, wäre auf gemeindlichen Grundstücken wie dem Seifen-Sievers-Platz oder dem von Peinschen Gelände möglich, auf der Fläche des ehemaligen Hauses Brahmberg gegenüber dem Haus des Kurgastes, aber auch an einem Schulneubau, der unter gewissen Umständen förderfähig sei. Bis 30. Juni laufe die Antragsfrist für eine Förderung.

Auch für die von Jugendlichen im Februar geforderte Verkehrsberuhigung hat Tanja Rönck eine Perspektive. Wenn Anfang Oktober der Brückenabriss an der Hindenburgallee beginne, werde es automatisch zu einer Verkehrsberuhigung kommen. Man könne eine Verkehrszählung vorher-nachher in Auftrag geben, auch um in Echtzeit zu sehen, wie sich die Sperrung auf den Einzelhandel auswirke und sich der Schwerlastverkehr verlagere. In jedem Fall will die Verwaltungschefin ein Verkehrs- und ein Parkkonzept abwarten für eine ganzheitliche Lösung.

Weitere Ideen des ersten Jugendrates waren Radwegeausbau, Fußgängerzone Bahnhofstraße, DM-Markt, Erneuerung Spielplätze, Lenter Platz begrünen, Zebrastreifen an der Schule, Badeinsel, Café Gleis 3 ins Bahnhofsgebäude verlegen, 3-D-Bilder zum Aufhübschen des Ortskerns. Greta Boller schlug vor, frühzeitig in Kindergärten und Grundschulen zu gehen, um aufzuklären und Kinder und Jugendliche für den Einsatz für ihre eigenen Interessen zu motivieren. „Wir möchten von den Fraktionen eingeladen werden, um unsere Ideen vorzustellen“, betonte Greta gegenüber der Politik. Für eine Prioritätenliste über direkte Kontakte sprach sich auch Anja Brocke aus. Antje Storm und Birgit Boller schlugen einen Ansprechpartner (Jugendbeauftragten) bei der Gemeinde vor.

„Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken und es immer wieder versuchen“, will die Bürgermeisterin das Thema Jugendrat nicht verloren geben. „Es soll keiner sagen: Die Jugend will nicht. Wenn ihr euch keine Stimme gebt, kann Malente sich nicht verändern.“

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