Malente : Jugendliche kentern auf dem Kellersee

Rettungskräfte mit zwei der jugendlichen Kanuten.
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Rettungskräfte mit zwei der jugendlichen Kanuten.

Leichtsinn: Eine Schulklasse war trotz Unwetterwarnung auf Kanutour. Neun Schüler kamen ins Krankenhaus, zwei mit starker Unterkühlung auf die Intensivstation.

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14. Juli 2011, 09:02 Uhr

Großeinsatz für die Rettungskräfte: Bei starkem Sturm, in Böen bis zu zehn Windstärken, kenterten gestern auf dem Kellersee zwei Kanus mit neun Jugendlichen einer Schulklasse aus Herne (Nordrhein-Westfalen). Die 14- bis 16-jährigen Schüler wurden wegen starker Unterkühlung notärztlich behandelt, zwei von ihnen kamen auf die Intensivstation nach Neustadt, die anderen in die Eutiner Sana-Klinik.

Um 15.08 Uhr traf der Notruf bei der Rettungsleitstelle Eutin ein. Imke Delfs und ihr Mann Javad Hejazi vom Restaurant Malenter Fährhaus hatten das Kentern der Schüler per Fernglas beobachtet. "Ich habe mich schon am Vormittag aufgeregt, dass die aufs Wasser gegangen sind", sagte Imke Delfs. Insgesamt seien acht Boote, die von der Halbinsel der Malenter Jugendherberge aus starteten, auf dem Wasser unterwegs gewesen.

Das Unglück ereignete sich auf dem Rückweg zur Jugendherberge, rund 300 Meter vor der Curtius-Klinik. Sofort wählte Imke Delfs den Notruf. Sie informierte auch die Einsatzkräfte des ersten Notarztwagens über die Havarie des zweiten Kanus. Alle anderen Boote konnten sich an Land retten.

Erste vor Ort war die Ortswehr Malente, die von der Janusallee aus die Jugendlichen per Schlauchboot innerhalb von 25 Minuten aus dem Wasser rettete. Drei Notärzte versorgten die trotz des 20 Grad warmen Wassers unterkühlten Paddler am Anleger in der Lindenallee. Die sieben Patienten in der Sana-Klinik wurden am frühen Abend bereits entlassen, teilte die Klinik noch gestern Abend mit. Über den Gesundheitszustand der beiden Jugendlichen in der Neustädter Klinik war gestern bis Redaktionsschluss nichts zu erfahren.

"Dieser Einsatz hatte eine nicht alltägliche Größe und war gerade noch für den Regelrettungsdienst durchführbar", sagte Gesamteinsatzleiter Jochen Stacks. Er koordinierte zusammen mit Rettungsassistent Helge Ivers aus Eutin die notärztliche Versorgung: neun Rettungswagen, eine zwölfköpfige Tauchergruppe der Johanniter Unfallhilfe (JUH) Eutin, davon vier Taucher, mit zwei Booten. Letztere wurden ebenso wie die Kollegen der Berufsfeuerwehr Lübeck, die auf dem Weg nach Malente ihren Einsatz abbrachen, nicht mehr benötigt.

Als "unverantwortlich" bezeichnete der Malenter Ortswehrführer Jürgen Hansen den lebensgefährlichen Kanu-Ausflug. Auch Kay Kattoll, JUH-Taucheinsatzführer, schüttelte nur den Kopf: "Ich habe dafür kein Verständnis, zumal seit gestern eine Unwetterwarnung besteht."

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