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Schönwalde : Jubiläum mit Blick in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Gemeinde Schönwalde feiert 777 Jahre Schönwalder Kirche: Architekt stellt Entwürfe für den Umbau vor

Im Jahre 1240 wurde die damalige Feldsteinkirche zu Schönwalde geweiht. Den 777. Jahrestag dieses Ereignisses feierte die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde am vergangenen Wochenende. Am Sonnabend waren die Schönwalder zu einem Konzert mit den ukrainischen Musikern Sergy Bezrukow, Roman Antoniuk und Khrystyna Antkiv eingeladen. Am Sonntag schlossen die Jubiläumstage mit einem „Gottesdienst zum Kennenlernen“ samt anschließendem Kinderflohmarkt. Zum Auftakt, passend zum Jubiläum auf den 7.Juli gelegt, hatte Architekt Tobias Mißfeldt die Entwürfe des Büros Mißfeldt/Kraß zum Umbau der Schönwalder Kirche präsentiert.

In einer ausführlichen Einleitung versuchte der Architekt den rund 25 Zuhörern die Angst vor Veränderungen zu nehmen. Dazu führte er auch die Schönwalder Kirche selbst an. Zuletzt in den 1960er Jahren durch einen neu gestalteten Altarraum, einem wuchtigen Leuchter über dem Gang und der „Ehrenhalle“ in der Turmhalle grundlegend verändert, bildet die Kirche einen Mix aus verschiedenen Zeitaltern. Mißfeldt wies die Schönwalder auf eine Besonderheit hin, die ihm bei seinem ersten Besuch fasziniert hatte. Trotz massiver baulicher Veränderungen und dem imposanten Turm aus Ziegel habe man die Feldsteine, aus denen die Kirche im Ursprung gebaut war, wieder in den Bau einbezogen. „Man hat auch zu früheren Zeiten beim Bauen aufs Geld geschaut“, kommentierte er dies mit einem Augenzwinkern. Im Innern finden sich Elemente von Gotik und Barock. Diese Collage aus verschiedenen Epochen stelle eigentlich einen formalen Bruch dar, könne aber auch durch den Kontrast seinen eigenen Charme entwickeln. „Ein Bau ist wie ein Buch in dem man Lesen kann“, so Mißfeldt. Die Kirchengemeinde will diesem Buch nun durch Schaffung einer sogenannten Winterkirche ein neues Kapitel hinzufügen.

Pastor Dr. Arnd Heling hatte die Wünsche des Kirchengemeinderates kurz skizziert. Bereits vor zwei Jahren waren erste Überlegungen mit einem anderen Architekturbüro angestellt worden. Die Pläne die Erinnerungsstücke an die Gefallenen der Kriege aus der Turmhalle zu entfernen hatten damals für Unruhe in der Gemeinde gesorgt. Auch gab es in einer Umfrage im Herbst 2015 Bedenken gegen einen Raum unterhalb der Empore, der auch für Versammlungen und Ausstellungen genutzt werden kann. Die Frage des Gedenkortes ist nicht Bestandteil der neuerlichen Gespräche. Hier ist an einen separaten Künstlerwettbewerb zur Gestaltung der ehemaligen Leichenhalle neben der Kirche gedacht, wie der Pastor berichtete. Mit dem Architekten prüfe man nun die Realisierung einer behindertengerechten Toilette im Turmbereich, eine Multifunktionale Gestaltung der Empore für Kirchenmusik sowie die Einrichtung einer Winterkirche unter der Empore. Architektur sei immer ein Abwägen zwischen Funktion, Gestaltung und Konstruktion bat Mißfeldt zu bedenken. Er und sein Partner Hauke Kraß haben entsprechende Erfahrungen durch den Umbau der Lutherkirche in Lübeck St.Lorenz. Hier galt es Ausstellungsräume zum Gedenken an den Lübecker Märtyrer Pastor Karl Friedrich Stellbrink zu schaffen und einen Weg zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kirche, die in den 1930er Jahren entstand, zu finden.

Die Schönwalder Kirche habe eine „Eigenlogik“, so Mißfeldt in die man nur behutsam und vorsichtig eingreifen wolle. Um die Winterkirche, die nach ersten Entwürfen unterhalb der Empore quer mit 47 Sitzplätzen eingerichtete werden könne, auf angenehme 20 Grad zu bringen, müsse die Heizungsanlage verändert werden. Hinzu kommt die Abtrennung des übrigen Kirchenschiffes, um der Bausubstanz, aber auch der Orgel, durch Temperaturunterschiede nicht zu schaden. Die Trennung könne durch eine Glaswand erfolgen, die in Modulen zur Seite gefahren werden kann. Eine dem Raum angepasste Schrankwand an der Wand zum Turm soll neben den Stühlen der Winterkirche auch eine kleine Pantryküche aufnehmen. Hier könnten auch die Glaselemente ihren Platz finden, wenn die Kirche in ihrer Gänze genutzt wird.

Zur Temperierung schlug der Architekt eine Fußbodenheizung vor, die aber auch mit flachen Wandheizkörpern, die der heutigen hölzernen Wandverkleidung ähneln, kombiniert werden könne. Mißfeldt überraschte auch Pastor Heling mit einer Idee für die dunkle Ecke auf der Empore. Eine Art Paravent könnte dort einen Raum im Raum schaffen, der sowohl für den Rückzug eines Einzelnen aber auch Gespräche zu zweit dient. Im mitgebrachten Modell eines Halbkreises sitzen sich zwei Menschen in intimer Abgeschiedenheit gegenüber, ohne vom Kirchenschiff getrennt zu sein. Außen in hellem Holz gearbeitet und innen mit Stoff ausgeschlagen konnte sich Mißfeldt diesen Raumteiler vorstellen. Er machte auch den Vorschlag durch einen Wanddurchbruch zum Treppenaufgang Außenlicht in diesen Raum zu bringen.

Einen Zeitpunkt für die Umsetzung und einen Kostenrahmen konnte der Architekt noch nicht nennen. Dafür sei es zu früh. Er appellierte an die Bauherren, viel Zeit in die Planung zu investieren: „So vermeiden Sie, dass es am Ende länger dauert oder die Kosten explodieren.“ 2018 sei frühestens mit einer Umsetzung zu rechnen. Die Zuhörer brachten den Wunsch nach einer barrierefreien Zugänglichkeit vor. Dies sei das Minimum, das bei einer so weitreichenden Umgestaltung herauskommen müsse.

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