Johannes Filke geht „in Rente“

Johannes Filke in seinem Büro im Rathaus. Hier hat er im laufe der Jahre viele Versicherte beraten.
Johannes Filke in seinem Büro im Rathaus. Hier hat er im laufe der Jahre viele Versicherte beraten.

Fast vier Jahrzehnte war der Malenter für die Rentenversicherten da – Ende März gibt der 85-Jährige sein Engagement auf

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20. März 2018, 13:59 Uhr

Über zu wenig Resonanz auf sein Angebot kann sich Johannes Filke nicht beklagen: Am vergangenen Donnerstag kamen innerhalb von zwei Stunden 15 Besucher in seine Sprechstunde. Sie wollten Formulare für Rentenanträge, Beglaubigungen oder sich über ihre Ansprüche an die Rentenkasse aufklären lassen. Doch die Tage, in denen Filke sein kleines Büro direkt rechts hinter dem Eingang des Malenter Rathauses aufschließt, sind gezählt. Der 85-Jährige hört noch in diesem Monat auf. Am Donnerstag, 29. März, von 16 bis 18 Uhr wird der Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung seine letzte Sprechstunde halten.

„Ich will es einfach nicht mehr“, sagt Filke mit Blick auf sein Alter. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er sein Pensum bereits reduziert. Früher hielt er zwei Sprechtage pro Woche und betreute zusätzlich die Patienten von Mühlenberg-Klinik, Curtius-Klinik sowie August-Bier-Klinik und absolvierte außerdem auch noch Hausbesuche.

Die ehrenamtliche Rentenberatung in Malente betrieb der gelernte Versicherungskaufmann seit 1980. Über das nötige Fachwissen verfügte er durch seinen Beruf, aufgefrischt wurde dieses durch regelmäßige Fortbildungen. „Nichts ist so veränderlich, wie das Rentenrecht“, sagt Filke mit Blick auf Neuerungen wie Mütterrente, höheres Renteneintrittsalter oder die vorzeitige Rente nach 45 Berufsjahren.

1974 übernahm Filke die Geschäftsstelle der Barmer Ersatzkasse in Malente, die
er bis 1996 führte – zunächst als Ein-Mann-Betrieb, zum Schluss mit vier Angestellten. Mit seiner eigenen Rente bekam Filke ein Büro im Rathaus. Jährlich kam er auf rund 200 Beratungen, insgesamt dürften es damit rund 7600 gewesen sein – für fast zwei Generationen von Versicherten. Die Gemeinde Malente würdigte dieses enorme ehrenamtliche Engagement Anfang 2017 mit dem Bürgerpreis.

Er gehe mit gemischten Gefühlen, sagt der Malenter: „Mit einem lachenden Auge, weil ich mehr Freizeit haben werde.“ Die will er etwa nutzen, um mit seiner Frau Gudrun seinen Sohn Andreas zu besuchen. Der wohnt mit seiner Familie in Oberstdorf im Allgäu und arbeitet dort als Zeitungsredakteur.

Mit einem weinenden Auge gehe er, weil mir der Umgang mit den Menschen fehlen wird.“ Denn das habe ihn immer angetrieben: „Mir macht es Spaß, mit Menschen zusammen zu sein.“ In einem Fall wurde aus einem Beratungsgespräch allerdings bitterer Ernst. „Ein Ehemann ging auf mich los und wollte mich schlagen“, erinnert sich Filke. Der Grund: Dessen Frau hatte zwar 40 Jahre gearbeitet, doch ihr Arbeitgeber hatte nie Rentenversicherungsbeiträge für sie abgeführt. Deshalb hatte sie auch keine Rentenansprüche, was den Mann in Rage brachte. Doch in diesem Fall konnte Filke der Frau nicht helfen, obwohl die Rentenversicherungsberater grundsätzlich „Anwalt der Versicherten“ seien, wie Filke betont.

So habe er in einem Fall daran mitgewirkt, Ansprüche auf eine Erwerbsminderungsrente vor Gericht durchzusetzen, berichtet Filke. In einem anderen Fall habe er einer Frau zur Finanzierung einer Haushaltshilfe verholfen. Zuvor habe die Rentenversicherung dies mehrfach abgelehnt.

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