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Reformdiskussion im Kreis Plön : Jobcenter-Chef für Radikalreform

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gerhard Kerssen hat ein Diskussionspapier erarbeitet, wonach die Außenstellen im Kreis Plön aus Kostengründen wegfallen sollten. Er wirbt dafür, das mehr Geld für Wiedereingliederungsmaßnahmen bereit stünde.

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erstellt am 10.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Das Jobcenter Kreis Plön ist das kleinste in Schleswig-Holstein, sechs Prozent Arbeitslosenquote gehört zu den niedrigsten bundesweit. Doch weiterhin sinkende Finanz-Zuwendungen vom Bund und steigende Verwaltungskosten der insgesamt vier Standorte im Kreis werden in den kommenden Jahren die Mittel für arbeitsfördernde Maßnahmen deutlich reduzieren, warnt Geschäftsführer Gerhard Kerssen.

Damit weiterhin genug Geld für Eingliederungsmaßnahmen von Langzeitarbeitslosen da ist, erarbeitete Kerssen ein Diskussionspapier zur Neuausrichtung seiner Behörde. Sein Vorschlag: Eine Zentralisierung in Plön und damit die Schließung
der Außenstellen. Auch der Kreis, der das Thema in diesem Monat sowohl im Sozial- als auch Hauptausschuss auf der Tagesordnung hat, würde davon profitieren, sagt Kerssen.

„Wir werden bei Eingliederungsmaßnahmen Arbeitsloser und Hilfebedürftiger immer handlungsunfähiger“, begründete Kerssen sein Konzept. Hätten 2005 die Verwaltungskosten noch bei 36 Prozent gelegen, so seien sie 2012 auf 63 Prozent gestiegen. Für 2013 lägen die Schätzungen bei 67 Prozent. Für die eigentliche Kernaufgabe, Langzeitarbeitslose zu fördern und zu qualifizieren, stehe immer weniger Geld zur Verfügung.

„Für 2014 hat sich die Situation nochmals verschärft. Dann werden wir rund 70 000 Euro weniger für Eingliederungshilfe und 60 000 Euro weniger für die Verwaltung zur Verfügung haben“, gab Kerssen im Gespräch mit dem OHA einen Ausblick.

Außerdem werde das Jobcenter mit Kostensteigerungen belastet. So schlage eine Erhöhung der IT-Pauschale mit knapp 60 000 Euro zu Buche. Und eine bevorstehende Lohnerhöhung, die Kerssen vorsichtig mit zwei Prozent beziffert, würde das Verwaltungsbudget mit rund 120 000 Euro belasten.

Bei einer Schließung der Standorte Preetz, Lütjenburg und Heikendorf würde die jährliche Einsparung für Mieten und Nebenkosten 639 000 Euro betragen. Davon entfielen auf Preetz 301 000 Euro, auf Heikendorf 204 000 Euro und auf Lütjenburg 134 000 Euro. Bei einer Zentralisierung nach Plön würden außerdem Dienstleistungskosten für das Mietvertragsmanagement der Liegenschaften sowie Personalbetreuung wegfallen.

Den für die Sitzung des Ausschusses für Gleichstellung, Gesundheit und Soziales am 23. Oktober vorgeschlagenen Beschluss der Kreisverwaltung, nur den Preetzer Standort zu schließen, kommentiert Gerhard Kerssen so: „Wenn nur Preetz geschlossen wird, reicht das eingesparte Geld für zwei Jahre.“

Auch der Kreis würde von der Zentralisierung profitieren. Er ist mit 15,2 Prozent – den Rest zahlt der Bund – Finanzierungsanteil an den Verwaltungskosten des Jobcenters beteiligt. Bei einer Kostenreduzierung würde der Kreis bei der Aufgabe des Standortes Preetz rund 45 700 Euro jährlich einsparen, bei der Schließung aller drei Standorte wären es knapp 100 000 Euro.

Personell würde sich nichts ändern, versichert Kerssen. Sein Ziel sei eine stärkere Mitarbeiter-Qualifizierung, damit diese ihre Kunden noch effektiver beraten können. Um Kosten zu sparen, sollten Schulungen vor Ort erfolgen. „Denn letztendlich gehe es um eine zukunftsfähige Aufstellung, damit die Jobcenter-Mitarbeiter vernünftig arbeiten können“, betonte der Geschäftsführer. „Ich befürworte die Zentralisierung und wünsche mir eine verlässliche Entscheidung, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein“, steht die Personalratsvorsitzende Bianca Hartz hinter den Vorschlägen Kerssens. Mehr noch: die Mitarbeiter könnten ihre Aufgaben an einem Ort besser erledigen.

Für die Jobcenter-Kunden würde die Aufgabe einer oder mehrerer Geschäftsstellen ein längerer Anfahrtsweg nach Plön, das mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus allen Regionen im Kreis gut erreichbar sei, bedeuten. Fahrkosten würden bei Terminen im Jobcenter ohnehin erstattet. Außerdem sei mit der Zentralisierung gewährleistet, dass die Jobcenter-Kunden dauerhaft einen Ansprechpartner hätten. Das sei in Lütjenburg und Heikendorf aufgrund des Personalschlüssels nicht machbar.

Eine Zentralisierung sei machbar, das zeige die Kundengruppe „50 plus“ und der unter 25-jährigen, die seit zwei Jahren in Plön und Preetz betreut würden. Auch die Anlaufstelle für Arbeitslosengeld I des Kreises sei nur in Plön.

 

 

 

 

 

 

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